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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1529-1530

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1529-1530 (sequence 18)
Language
German
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1529 VOLK und LAND 1530 Auszug aus einem Erläuterungsbericht zum Projekte einer vorgeschobenen Landarbeitersiedlung in Palästina An den Jüdischen Nationalfonds aus dem Jahre 1912 (Hierzu Abb. 20—23.) Der Entwurf geht von dem modernen Baugedanken der Schaffung eines Typenhauses aus, der sich bei händlichen und halbstädtischen Siedlungen bestens bewährt hat. Die Vorteile der Typenhaussiedlung sind auch für den Laien so einleuchtend und auch in leicht zugänglicher Fachliteratur so oft behandelt, daß wir uns über sie nicht zu verbreiten brauchen. Wir wollen nur zwei Vorzüge kurz beleuchten, den wirtschaftlichen und den künstlerischen. Der wirtschaftliche Nutzen resultiert einleuchtenderweise aus der massenhaften Herstellung gleicher Einzelteile und der stets gleichmäßig wiederkehrenden und daher außerordentlich verbilligten Art ihrer Zusammenfügung. Der künstlerische Wert liegt in der Schaffung einer guten Type statt vieler minderwertigen, in der Ruhe und gesteigerten künstlerischen Wirkung, die durch die regelmäßige Wiederkehr des Gleichen im Gegensatz zu dem jetzt herrschenden unkünstlerischen Kunterbunt erzielt wird und in dem gesteigerten sozialen Ausdruck einer solchen Siedlung. Was die Aufstellung bzw. Aneinanderreihung der Einzeltypenhäuser betrifft, so bleibt es der freien Wahl überlassen, ob man die Häuser frei nebeneinander, unmittelbar aneinander als Reihenhäuser, als offenes Dorf oder als Gruppe um einen geschlossenen Hof,, wie in dem vorliegenden Projekt, aufstellen will. Man wird sich hierbei vom Zweck der Anlage, von der landesüblichen Siedlungsweise, von der Formation des Geländes, vom Verhältnis zur nachbarlichen Bevölkerung und von sozialen Gesichtspunkten leiten lassen. So kamen wir zu der von uns vorgeschlagenen mauerumfriedeten Anlage von je zwanzig Häuschen zum Beispiel aus folgenden Erwägungen. Es sollen größere Geländeteile durch Landarbeitergruppen bearbeitet werden; es ist nicht angängig, je eine Familie auf ein winziges Stückchen Land isoliert zu setzen, da ihre Kraft zur Urbarmachung und Pflege auch dieses Stückchens nicht ausreichen würde, auch eine zu große Ungleichmäßigkeit in der Kultur des Gesamtgeländes die Folge sein würde. — Ferner entspricht die Anlage in ihren Grundgedanken der landesüblichen altüberlieferten Bauweise des ganzen Orients, der stets nach innen baut, die Gebäudegruppen um einen Hof gruppiert, und diesen Baugrundgedanken konsequent durchführt vom einfachsten Landarbeiterhaus bis zum komfortabelsten städtischen Wohnpalast. Solche grundlegenden Baugedanken bilden sich ja nun nicht willkürlich, sondern gehen durchaus aus den tiefsten Bedürfnissen des Landes und seiner Bevölkerung hervor, sind Produkte der Anpassung und infolgedessen so zweckmäßig wie jede in natürlicher Zuchtwahl oder sonst im Kampfe ums Dasein entwickelte Lebensform. Wir haben also zumindest keinen Grund, willkürlich von ihnen abzugehen. Was die Formation des Baugeländes betrifft, so ist anzunehmen, daß man Landarbeitersiedelungen nicht gerade auf steilen Anhängen errichten wird und ein sanft abgewässertes Plateau, wie es uns ja wohll in den meisten Fällen zur Verfügung stehen wird, eignet sich für die Anlage der geschlossenen Höfe bestens. Das Verhältnis unserer Kolonisten zur umwohnenden arabischen Bevölkerung ist ja leider noch immer kein so gutes, als daß man den gegewissen kriegerischen Schutz, der in der umgebenden Mauer liegt, zu verachten brauchte. Und wenn es selbst zu hoffen ist, daß „Ernstfälle“ nicht eintreten werden, so ist doch der Eindruck der kriegerischen und sozialen Repräsentation auf die umwohnende Bevölkerung nicht zu unterschätzen, der von so einer umfriedeten Gruppeusiedelung, möglichst jmit einem kleinen Wachtturm am Tor, viel mehr aTs vom TÜnzelhause ausgehen müßte. Vieler Art sind auch die Erwägungen sozialer, religiöser und wirtschaftlicher Natur, die auf die projektierte Bauform führen, sie sogar als höchst erstrebenswert erscheinen lassen. Denn unzweifelhaft läßt sich für eine kleine Gruppe mit geringeren Mitteln eine größere Summe primitiven sozialen Komforts schaffen als selbst mit größeren Mitteln für den Einzelnen. Es kommen vor allem hier in iBetracht: Die gesicherte Aufbewahrung der landwirtschaftlichen (Gerätschaften in dem gemeinschaftlichen Hofe, die bequeme Wasserbeschaffung aus dem Brunnen inmitten der Anlage, Nutzbarmachung der Exkremente von Tier und Mensch, die bei kleinen Einzelsiedelungen infolge ihrer geringen Menge kaum ausgenutzt werden könnten, hier aber an einer geeigneten Stelle außerhalb des (Hofes gesammelt, eine sehr wertvolle Rolle in der Bodenkultur spielen sollen. Als wohlriechenderes Gegenstück hierzu könnte jeder Arbeiter im Hofe auf dem Platz vor seiner Hütte einen kleinen Hausgarten anlegen, der infolge seiner Winzigkeit sehr wohl durch die kleinen Kinder selbst, denen er als Spielaufenthalt zugedacht ist, auch in ,Ordnung erhalten werden könnte und so gleichzeitig eine Gewöhnung der Kleinsten an den Boden herbeiführen würde. Die Kinder würden auf dem grünen umfriedeten Hofe, ebenso wie das Wirtschaftsinventar, in völliger Sicherheit von ihren Eltern unter der Obhut einer einzigen Wärterin und gleichzeitig Lehrerin zurückgelassen werden können und sich dort wahrscheinlich Sommer und Winter sehr wohl befinden.' Aut andere gesellschaftliche Bedürfnisse ist durch Anlage eines kleinen Häuschens an dem Kolonietor Rücksicht genommen; es ist von einem Türmchen. bekrönt, das dem Koloniewächter als ständiger Aufenthalt dienen soll. Der untere Raum vertritt die Stelle des Gemeindehauses. Dort können abendliche Zusammenkünfte der Kolonisten stattfinden, die religiösen Bedürfnisse, deren Erfüllungsmöglichkeit durch das Zusammenwohnen eines Miinjans von 10 Juden ja in unserem Falle stets gewährleistet ist, befriedigt werden, auch kann der Unterricht der Kinder bei schlechtem Wetter dort erteilt werden und eine kleine Bibliothek für etwa vorhandene geistige, eine Warenniederlage für körperliche Bedürfnisse der Arbeiter sorgen. Aborte sind als Latrinen außerhalb des Hofes vorzusehen. Vorrichtungen zur Aufnahme von plötzlich Erkrankenden können für eine so kleine Siedelung nicht gesondert vorgesehen werden. Hier ist zu denken, daß mehrere (bis etwa fünf) derartige Anlagen sich mit einem möglichst zentFal gelegenen

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