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Volk und Land · 1919-10-30 · Heft 44-45 (30.10.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 44-45 (30.10.1919)
Date
1919-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK umd LAHD juediscku8$PMischrift FUER POLITIK, WIRTSCH^p'UND PALAESTINAARBEIT HERAUSGEGEBEN v6n DAVIS TRIETSCH 30. OKT./ 6. NOV. 1919 HEFT 44/45 I. JAHRGANG „VOR DEM WANDERSTURM“ Von Davis T r i e t s c h. Die offiziellen Zionisten von heute — vielleicht mit der einzigen Ausnahme Weizmanns — wollen für das nächste Jahrzehnt nur an eine jährliche Einwanderung von etwa 30 000 Juden oder ungefähr 6000 Familien denken. Für eine größere Einwanderung halten sie die Existenzmöglichkeiten in Palästina einstweilen für nicht gegeben und nicht beschaffbar. Diese Auffassung ist die Ruppins, Oettingers, Lichtheims und des großen Kreises unserer Offiziellen, die in dieser Frage — obwohl sie das überragende Problem des Zionismus darstellt, — eine eigene Meinung noch nicht haben und in Ermangelung einer solchen sich mit Vorliebe an ernannte oder beamtete „Fachleute“ der Organisation halten. Dabei wird übersehen, daß sowohl der Zionismus wie die gesamte Judenheit bisher jede Gelegenheit verpaßt und sicherlich keine geschaffen haben, um eine wirklich fachliche Ausbildung für die spezifisch jüdischen Probleme in Politik und Wirtschaft, wie auch auf sozialem Gebiet in die Wege zu leiten. Nicht einmal für das so viel enger begrenzte Gebiet des Palästina- Wirtschaftlichen sind Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen worden. Die längst von mir geforderte „Zionistische Nationalökonomie“ — die der Vereinigung von Volk und Land dienende Wissenschaft von den Wirtschaftsverhältnissen (und Möglichkeiten) der Juden und Palästinas — ist auch noch nicht vorwärtsgekommen*). Es fehlt uns also einstweilen jede Voraussetzung für ausgebildete Fachleute, wenigstens für solche höheren Grades, und statt dessen behilft man sich bei uns, wie es gerade trifft, und freut sich, wenn manche Leute aus eigenem Antriebe sieh in gewisse Zweige unserer Arbeit vertiefen, hineinfinden oder auch nur hineingefunden zu haben erklären. Freilich sind nur solche willkommen, deren Ergebnisse möglichst wenig unbequem sind, und unbekümmert um die tatsächlichen Verhältnisse und Möglichkeiten zählt man in unserer offiziellen Auffassung zu den Fachleuten nur die Leute mit relativ *) Sie wird wohl nicht früher reale Gestalt gewinnen, als bis ich selbst vielleicht den Grund zu einer entsprechenden „Spezialfakultät“ m der Jerusalemer Universität legen werde. kleinem Programm, während die Leute mit den großen Programmen zu den „Dilettanten“ geworfen werden. Als Mitbetroffener darf ich zunächst noch einmal darauf hin weisen, daß 15 Jahre vor der Balfourschen Erklärung ein gewisser Theodor H e r z 1 seine Ideen von Judenstaat, Volkshilfe und Zionismus dahin zu präzisieren versucht hat, daß er auf Grund des erlangten Charter nach viermonatiger Vorbereitungsarbeit täglich 2000 Einwanderer nach Palästina bringen wollte. Also 500 000 in den Testierenden acht Monaten des ersten Jahres, oder auf „jährlich“ umgerechnet % Millionen. Dies war nicht nur 15 Jahre vor dem alle Herzischen Erwartungen übertreffenden Balfourschen „Charter“, sondern es war auch ebenso ( lange vor den Lehren des Weltkrieges hini sichtlich der Massenbewegung usw., es war außerdem in einer Zeit proponiert, in der auch die sonj stige Technik um 15 Jahre minder entwickelt war als heute, in der die Zahl der Juden nur »3 | der heutigen Ziffer betrug, und in der Gedanke und 1 Organisation des Zionismus noch bei weitem nicht 1 so große Verbreitung gefunden hatten als neu-er- I dings. Trotzdem waren es Herzls maximalistische; Ideen, auf Grund deren die Organisation zustande i kam, die schließlich noch von denselben Leuten geleitet wird, die sich an Herzls Alt-Neuland begeistert oder wenigstens gegen diesen „Ueberdilettantismus“ nicht protestiert haben. Aber auch Weizmann — aller Wahrscheinlichkeit nach der Führer der zionistischen Bewegung in der Zeit ihrer beginnenden Verwirklichung — hat (nach früheren kleineren Ziffern) letzthin eine Einwanderung und Kolonisation von etwa 400030 bis 500 0C0 im Jaihr als den voraussich .liehen Maßstab unserer Arbeit bezeichnet, ohne daß mir bisher ein Protest unserer Offiziellen oder sonstigen Maximalsten vor Augen gekommen wäre. Dagegen hacken diese Herren mit Vorliebe auf mir herum, der ich schließlich bisher mich öffentlich nur zu der Meinung bekannt habe, daß wir mit einer Einwanderung von Hunderttausenden im Jahr werden rechnen müssen und verpflichtet seien, unser Möglichstes zu tun, um auch darauf vorbereitet zu sein.

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