Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1365-1366 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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1365 VOLK und LAND : 1366 BUECH ERBESPRECH UNGEN niiiiiiHiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiiimimmiiiiimimimiitmii immiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmHiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiimiiimmiiiimiimmiiiimmiiiui Sämtliche in „Volk und Land4erwähnten und besprochenen Bücher und Druckwerke aller Art erhalten unsere Leser am schnellsten durch die Sortimentsabteilung des „Welt -Verlages4. Berlin NW. 7. Dorotheenstr. 35 Das Buch eines Ketzers Dr. Ignatz Zolls chan: Revision des jüdischen Nationalismus. R. Lövvit Verlag, Wien und Berlin 1919. Gegen dieses Buch haben bereits eine Anzahl zionistischer Zeitschriften protestiert. Nicht protestiert haben sie sonderbarer- und beschäm enderweise gegen einen Skandal, der aus Anlaß des Erscheinens dieses Buches veranlaßt wurde, und der ein viel ernsteres und betrübemderes Symptom für eine bedrohliche Verwilderung der Parteisitten darstellt, als das gegen die Politik der Bewegung polemisierende Buch eines Zionisten je bedeuten könnte. Einem Rundschreiben des Verfassers zufolge, dessen Inhalt durch die Wiedergabe einer Korrespondenz zwischen ihm und dem Leiter des Verlages R. Lövvit als glaubhaft erwiesen gelten kann, hat die Wiener Parteileitung das Erscheinen des ihr nicht genehmen Werkes mit allen Mitteln zu verhindern gesucht und hat hierbei die Grenzen alles Erlaubten soweit überschritten, daß sie den Verlag durch eine Boykottandrohung zu zwingen versuchte, seine Verpflichtungen gegen den Autor unerfüllt zu lassen. Dieser Fall steht unseres Wissens in der Geschichte des Zionismus einzigartig da. Um so mehr wäre es Pflicht der gesamten zionistischen Presse gewesen, gegen diesen unerhörten Versuch, die freie Meinungsäußerung durch eine Handlungsweise zu verhindern, die bedenklich nach Erpressung aussieht, energisch zu protestieren. Soll j unsere Oeffentlichkeit von diesen Dingen erst durch die j Antwort erfahren, die das E. A. C. auf den Antrag | Zollschams auf eine Untersuchung gegen sich erteilen j wird? Oder will man über diesen Skandal mit der Be-! hauptung hinweggehen, der Skandal sei das Buch Zollj s cih a n s? -Eine 'Behauptung, die nicht zu lialten ist. So- ■! viel darf heute schon, gesagt werden, obwohl wir an dieser j Stelle über das Buch nur referieren wollen und die ein-; gehende kritische Würdigung uns für später Vorbehalten. ■ Eine Revision des jüdischen Nationalismus, von einem j Zionisten geschrieben, ist auch dann noch kein Verj brechen, wenn sie die Forderung der nationalen Autonomie und damit die Politik der jüdischen Volksräte in Deutsch Österreich und anderswo bekämpft. j Es war eine glückliche Eingebung Zollsdhans, die! „Revision des praktischen Programms44 der „Revision | der theoretischen Begründung44 voranzustellen. Die Revision der Theorie ist wieder — Theorie, und als solche grau. Der ermüdende Stil, in dem Zollschan schreibt, macht sie aschgrau. Trotz dieses beschwerten Stils ist der erste Teil von hohem Interesse und wird auf längere Zeit j die Diskussion bei uns beherrschen, auch dort, wo j man Zolls cha ns Gedanken für minder gefährlich | hält, um sie mit Dreschflegeln totzuschlagen. | Zollschan geht aus von den jüdischnationalen j Forderungen, wie sie insbesondere in den neu errichteten j östlichen National- und Nationalitätenstaaten aufgestellt I und von den jüdischen Volksräten verfochten werden. Diese Forderungen gipfeln in dem Verlangen nach natio-! naler Autonomie, pieser Forderung bestreitet Z o 11 - sch an die innere Berechtigung, wenigstens für Oesterreich. Sie wurde dort zum Programm erhoben in einer! Zeit, als alle übrigen Parteien des alten Nationalitätenstaates die nationale Autonomie forderten, als „die letzte I Frucht auf dem Baume der Nationalitätentheorie.44 In j den neuen Nationalstaaten sei die Forderung ihrem prakj tischen Inhalte nach fallen gelassen worden, offenbar, weil i ihre Durchführbarkeit sich von vornherein als unmöglich! erweist Programmatisch aber erhebe man dieselbe Forj derung nicht nur in Wien und Prag, sondern selbst i in Berlin, wo sogar die „zahlenmäßigen Grundlagen fehlen“. Zollschan kritisiert die Gründe, welche für i solche Politik maßgebend sein können und verwirft sie. j So Wichtig und unerläßlich die Anerkennung der jüdischen Gesamtheit als einer Nation in Palästina sei, so zweifelhaft sei der Wert einer Anerkennung einzelner Teile des Galuthjudentums als nationaler Minoritäten, wenn der Konsequenz aus solcher Anerkennung fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen und sie überdies eine Verschärfung der Lage zur Folge hat. Eine nationale Autonomie der Juden (in Oesterreich) sei in praxi unmöglich, weil zahlreiche objektive Voraussetzungen dazu fehlen. Die kulturelle Autonomie aber, die allein praktisch erstrebt werden könne, sei auch erreichbar ohne ein gefährliches Scheinprogramm. Das Kriterium des nationalen Empfindens und des nationalen Gedankens könne niemals eine wie immer geartete Formel für das Galuthleben sein* sondern bleibe einzig „der Wunsch nach Wiedererstehung der nationalen Größe des jüdischen Volkes auf dem Boden des eigenen Landes“. Zollschan zeigt dann in längeren Ausführungen, die, wie man sich zu dem Buche auch stellen mag, doch zu denken geben, daß die Aufrechterhaltung der j Forderung nach nationaler Autonomie eine Gefährdung! der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage der Juden zur Folge haben müsse und spricht I schließlich von den beschränkten Möglichkeiten der An- { Wendung dieser Autonomie. Er kommt zu dem Schluß, I daß die Juden einen Zustand erlangen würden, der formal | ein größeres Recht hud 'ausgedehntere Freiheit bedeuten würde, inhaltlich aber einer Katastrophe gleicfrkäme. I Er gelangt auf dem Wege über eine Kritik des Nationalitätenbegriffs zur Forderung der ethnischen Einheit J als Organisationsbasis und verlangt eine Politik, welche I den Juden gestattet, in die unerläßliche Sprach- und I Kulturgemeinschaft mit den Wirtsvölkern auch durch j die politische Form einzutreten. Das nationale Bekennt- | nis des Juden kann ihn nur dem Wirtsvolke zugesellen und: „so paradox es klingen mag, die Pflege der j spezifisch jüdischen Interessen ist damit gut vereinbar“. | Hier klappert etwas in der Logik Zoll sch ans ganz \ deutlich. Was aber noch nicht zu besagen braucht, daß j die sich gefährdet glaubende 'Politik der Herren Stricker und Genossen richtig ist. ' Jedenfalls hat Zol I s chan das Verdienst, an Dinge gerührt zu haben, die wesentlich sind. Und wenn die, welche es zunächst angeht, auf die Axtshängebogen des j Buches mit einer Boykottdrohung antworten, so sollte! uns diese Empfindlichkeit mißtrauisch machen. „Miß- | trauen ist die oberste Tugend der Demokratie/4 | C. Z. K. | Wirtschaftsgeographie von Syrien : Von Dr. Hans Fischer. Sonderabdruck aus der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. Alleinvertrieb Jüdischer Verlag, Berlin. Die Literatur über Syrien in deutscher Sprache ist nicht sehr zahlreich, und soweit sie vorhanden ist, ist j sie älteren Datums und nicht systematisch genug, um ein umfassendes Bild von den wirtschaftlichen Zuständen ( und wirtschaftlichen Möglichkeiten Syriens zu geben, j Die Armut an mehr oder wenigeT zuverlässigen stati- | stischen Angaben vermindert sehr den Wert dieser Litera-! tur. Darum war das Werte von Arthur Ruppin*) mit! ~ *) Syrien als Wirtschaftsgebiet. Beihefte zum Tropen- ] pflanz«r B. 16 (1916) 3/5,