Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38-39 (18.9.1919)
- Date
- 1919-09-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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VOLK LA MD •JUEPISClUWi^lSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHÄ|rUND PALAESTINAARBEIT HERAUSGEGEBEN V&N DAVIS TRIETSCH 18/25. SEPTEMBER 1919 . HEFT 38/39 I. JAHRGANG SO LANGE ES ZEIT IST Von Dr. Nathan Birnbaum. Aus der „Jüdischen Volkszeitung“ vom 3. April 1894. (!) Erst jüngst haben wir in einem „Was tun?“ überschriebenen Artikel auseinandergesetzt, was das Programm aller ihrem Volke und Volkstum ergebenen Juden sein müsse. Wir erörterten zuerst, was in religiöser Beziehung unterbleiben müsse, dann, was in nationaler Hinsicht zu geschehen habe, um uns schließlich mit der wirtschaftliehen Seite der Judenfrage zu beschäftigen. Wir fanden, daß das ungemein entwickelte Elend Israels in unserer historischen Ausnahmestellung begründet sei und sich gründlich nur durch die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes auf den wieder zum nationalen Mittelpunkt unseres Volkes zu erhebenden Boden unserer Voliksheimat beheben lasse. Darum bezeichneten wir die Palästinabestrebungen als die wichtigsten, derenthalben man aber freilich nicht jene Maßnahmen vergessen dürfe, die berufen sind, augenblicklich Hilfe zu schaffen, und so unser Volk kampfkräftiger zu machen. Wir deuteten an, daß diese Aktionen einerseits in beruflicher Solidarität, andererseits in Kolonisationsuntemehmungen außerhalb Palästinas bestehen müßten. Von den letzteren wollen wir heute sprechen. Man hat den Nationaljuden oft den Vorwurf gemacht, daß sie sich nicht zionistischen Kolonisationsprojekten, ohne sie auch nur prüfen zu wollen, feindlich gegenüberstellen. Nichts ist ungerechter als diese Beschuldigung, wenn man sie so ganz ohne Unterschied zu machen, ausspricht. Ja, wenn ein Projekt die Gefahr einer weiteren Zersplitterung des jüdischen Volkes in sich birgt, — dann wehren wir uns dagegen, weil wir nicht zulassen können, daß der einzige Rettungsweg für die Straße nach Zion von noch weiter verstreuten jüdischen Grpupen noch mühseliger erreicht oder nicht mehr gefunden wird. Gegen solche Unternehmungen, welche den Zionismus kopieren wollen, aber den Keim des Mißlingens in sich tragen, weil ihnen der nationale Charakter fehlt, müssen wir im Interesse unseres Volkes und damit nicht Tausende unseres Stammes mutwillig geopfert werden, Stellung nehmen. Aber sobald eine gewöhnliche Aus Wanderung^ Aktion nicht die Anmaßung hat, mit einem epochalen geschichtlichen Werke zu wetteifern, sobald es sich vielmehr nur darum handelt, bedrängten Brüdern ohne Schaden für die Zionssache eine Zufluchtsstätte zu schaffen, dann sind wir mit Freuden dabei. Ohne Schaden für die Zionssache sagen wir. Diese Bedingung ist bei überseeischen Kolonisations gebieten nur dann erfüllt, wenn die betreffenden Ansiedlungspläne verhältnismäßig geringe Auswanderermengen betreffen. So ist z. B. die beschränkte Kolonisation, wie sie jetzt Baron Hirsch in Argentinien plant, durchaus Unschädlich und kann, rationell durchgeführt, in ihren engen Grenzen recht wohltätige Resultate ergeben. Man könnte nun glauben, daß, da gegenwärtig niemand mehr an überseeische jüdische Kolonisation in großem und größtem Maßstabe denkt, wir weiter nichts zu sagen hätten. Doch ist damit, daß die großen Pseudo-Erlösungen abgetan sind, schon die große Frage aus der Welt geschafft, wie den hunterttausend verfolgten und gehetzten Juden, namentlich des Nordens, auch für den Augenblick einigermaßen geholfen werden kann? Die Massenhilie in Argentinien hat sich, abgesehen von ihrer Schädlichkeit, als undurchführbar herausgestellt,- eine Besserung in den alten Wohnsitzen der Unglücklichen ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten; die Palästina-Kolonisation kann wegen ihres notwendig langsamen Fortgangs momentan nur wenigen tausend russisch- oder rumänisch-jüdischen Auswanderern Unterhaltsmöglichkeit bieten. — Was soll da nun in den nächsten Jahren zur Linderung der allerärgsten Leiden geschehen? Wir haben diese Frage schon in früheren Jahrgängen mehr als einmal mit einem positiven Vorschläge beantwortet, den wir heute, wo wir in Hinsicht aut vielerlei Umstände geneigtere Ohren zu finden hoffen, wiederholen. Wir meinen die Ansiedlung von jüdischen Emigranten in Kleinasien una Cypern, vielleicht auch in manchen zu Aegypten gehörigen Landstrichen. Kleinasien, welches sehr dünn bevölkert ist, wird jetzt von anderen europäischen Nationen als Kolonisationsgebiet in Aussicht genommen. Cypern wurde als Kolonisationsgebiet für Juden ebenfalls schon längst empfohlen, doch kam es auch bezüglich dieses Projektes bisher noch nie zu einem organisierten Vorgehen, daher auch nicht zu irgend wie bemerkenswerten Erfolgen. Die Insel, welche mit ihrer Nordküste der Südküste Kleinasiens, mit ihrer Ostküste Syrien gegenüberliegt, schließt sich in Naturcharakter und Klima diesen Landstrichen an. Sie ist ungemein dünn bevölkert, reich an Schätzen aller Art, und befindet sich bekanntlich in englischem Besitze. Aegyptische Juden schlagen neuerdings auch die Kolonisation in manchen Teilen Aegyptens vor. Auch dieser Vorschlag müßte jedenfalls geprüft