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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1177-1178

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1177-1178 (sequence 33)
Language
German
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1177 VOLK und LAND 1178 Holzhäuser für Palästina Pariser Zionisten haben eine Gesellschaft namens i „Eth liwnoth“ gegründet, um billige Häuser in Palästina zu erstellen. Experten sind bereits nach Jaffa j abgereist. — Außerdem hat in Paris eine Gruppe Zioi nisten ein Projekt ausgearbeitet, um fertige hölzerne | Häuser in Argentinien zu erwerben, um diese dann j nach Palästina zu transportieren. Ein 4—5 Zimmerj haus dürfte mit den Transportkosten auf 6—8000 Frcs. zu stehen kommen. Die Bodenfrage in Palästina Das von der kürzlich in London abgehaltenen interalliierten zionistischen Konferenz aufgestellte Programm sieht dem in Paris erscheinenden „Peuple Juif“ zufolge eine staatliche Erfassung des Wertzuwachses des Bodens 1 Ln Palästina seit dem 1. August 1914 bei jetzt abgeschlossenen oder zustande kommenden Verkäufen vor; ausgenommen soll nur solcher Wertzuwachs sein, der der individuellen Betätigung zu danken ist. Als Grund wird angegeben, daß unbestreitbar die Folge der durch den Frieden herbeigeführten Verbesserung der allgemeinen Lage und des Anwachsens der Bevölkerung eine beträchtliche Steigerung der Boden werte sein wird; die Maßregel sei unumgänglich nötig, um einer Monopolisierung der natürlichen Einnahmequellen Palästinas vorzubeugen und zugleich dem neuen Staat wachsende Einnahmen zu sichern. I SOZIALES Die Lage der Juden in Saloniki Nr. 11 der hebräischen Tageszeitung „Chadaschoth Haarez“ vom 30. Juni bringt eine Unterredung mit dem Rabhiner der Saloniker Gemeinde, Jaakovv Meir, der war folgendes entnehmen: „Die schreckliche Feuersbrunst, die vor anderthalb Jahren in Saloniki wütete, war vernichtend für den Wohlstand der jüdischen Gemeinde. 85 Prozent der Geschädigten waren Juden. Zur Hilfe für die Betroffenen wurden, zwar viele Gelder gesandt, aber sie waren doch ungenügend. Gleich nach der Feuershrunst standen viele einst wohlhabende Juden vor dem Bankrott. Sie blieben ohne ein Dach über dem Kopf, nahmen aber keine Almosen, sondern arbeiteten, um sich ernähren zu können. Es war damals kein seltenes Bild in Saloniki, daß ein einst reicher Mann mit dem Warenkörbe durch die Straßen ging und Käufer für seine Waren suchte. Allmählich besserte sich die Lage. Durch den Krieg kamen viele Armeen nach Saloniki und mit ihnen viel Geld, so daß ein Teil der Familien bald von ihrer materiellen Bedrückung loskamen. Die materiellen Schäden der Feuersbrunst sind fast verwischt, aber die geistige und moralische Situation der Stadt weist noch große Schäden auf.“ Der Rabbiner erzählt dann, daß die französische Regierung den Juden ihr großes Hospital übergeben hat, wo man 300 Familien unterbrachte, die bisher in Zelten und Hütten kampieren mußten. Auch die griechische Regierung hat jetzt den großen, der Gemeinde gehörigen Platz, der für militärische Zwecke requiriert war, freigegeben. Auf diesem Platze wurden 300 neue Häuser gebaut. Außerdem machte die italienische Regierung für 200 Familien Platz, so daß die Wohnungsfrage für die von der Feuershrunst Geschädigten nach Verlauf einiger Monate fast gänzlich gelöst war. Das Verhältnis zwischen der griechischen Regierung und den Juden ist von Sympathie und Freundschaft diktiert, Die griechische Regierung hat bei verschiedener Gelegenheit ihr Wohlwollen für die Juden und die zionistische Bewegung bewiesen. Zuerst litten wir viel von den griechischen Polizisten, die überhaupt die Bevölkerung grob behandelten; aber jetzt hat sich die Lage geändert, da die Schutzleute in den jüdischen Vierteln Juden sind, die unter griechischem Kommando stehen. — Die Saloniker jüdische Gemeinde ist die am besten organisierte unter den Gemeinden des Orients. Haß und Neid sind ihr fremd. Brüderlichkeit und Freundschaft herrschen in den Reihen der Gemeinde; es gibt dort keinen Zwiespalt und keine Zwietracht. Der Rabbiner wird in Saloniki sehr geehrt. ,'Die zwölf Jahre, die ich in Saloniki als Hauptrabbiner der Gemeinde verbrachte, sind die glücklichsten meines Lebens.“ Die zionistische Bewegung hat sich in Saloniki viele Anhänger erworben. Heute gibt es hier fast keinen einzigen Gegner des Zionismus; die Juden Salonikis arbeiten vielmehr in jeder Weise für den Zionismus; in der Presse (in Saloniki erscheinen jüdische Zeitungen in spaniolisch und französisch), durch Geldsammlungen, durch Arrangierung von Festen und Propagandaversammlungen. An der Feier des Deklarationstages am 2. November nahmen Vertreter aller Regierungen und Bevollmächtigte aller Nationalitäten, die in Saloniki wohnen, teil. Mehrere hundert jüdischer Familien sind bereit, nach Palästina überzusiedeln, sowie der Weg frei wird. Es bereiten sich zur Uebersiedlung nach Palästina hauptsächlich arbeitende Elemente, wie Träger, Schiffsleute, Fischer, Steinhauer, Baumeister und Handwerker vor. Leider befindet sich das jüdische Schulwesen in. Saloniki auf einer niedrigen Stufe. Bei der großen Feuersbnmst brannten auch die Schulgebäude nieder und die Schüler zerstreuten sich. In den Schulen Salonikis wurden früher ungefähr 10000 Schüler unterrichtet, während es jetzt nur noch 3000 gibt. Die hebräische Sprache wird nicht in ausreichendem Maße gelehrt, da es an Lehrkräften dafür fehlt. Als Dr. Izchak Epstein noch in Saloniki war, blühten dort die hebräischen Schulen, und wäre er dort geblieben, so hätten wir heute eine hebräisch sprechende Generation, eine Generation, die im Sinne des nationalen Judentums aufgewachsen wäre. Die Schulen in Saloniki brauchen Verbesserung und Hilfe, und Erez Israel hat diie Pflicht, hier helfend einzugreifen. Die Saloniker Gemeinde muß in ununterbrochener Verbindung mit Palästina stehen. Hier tut keine materielle, sondern geistige und moralische Hilfe not, und nur durch ihre Gewährung werden wir imstande sein, die jüdischen Gemeinden des Orients für unsere Bestrebungen zu gewinnen.“ Eine jüdische Volkshochschule in Wien Der jüdisch-akademische Kulturverband „Jabne“ hat bereits vor längerer Zeit die Vorarbeiten für die in Wien zu errichtende Volksuniversität „Jabne“ eingeleitet und seinen Bemühungen ist es gelungen, maßgebende Faktoren für diese Idee zu gewinnen. In Anbetracht der Notwendigkeit einer Bildungsstätte, in der den breiten Volksmassen jüdisches Wissen von Kennern und Vertretern jüdischer Wissenschaft vermittelt werden soll, hat sich das Unterrichtsamt des jüdischen Nationalrates für Deutschösterreich mit dem Kulturverband „Jabne“ in Verbindung gesetzt und wird die von diesem Verbände fortzuführenden Vorbereitungsarbeiten in jeder Weise fördern. Wohnungswucher in Jaffa Infolge fortwährender Erhöhung der Wohnungspreise in Jaffa haben die dortigen Mieter zu ihrem! Schutze einen Mieterverein gegründet. Laut neuesten Nachrichten hat die Okkupationsbehörde ein Mietersdiutzgesetz erlassen, wonach jede weitere Steigerung, der Wohnungspreise verboten, wird.

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