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Volk und Land · 1919-08-28 · Heft 35 (28.8.1919) · p. Seite 1087-1088

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 35 (28.8.1919)
Date
1919-08-28
Page
Seite 1087-1088 (sequence 4)
Language
German
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1087 VOLK UND LADN 1088 In diesem Sinne wird die Frage, des „Wandersturmes“ der Prüfstein der zionistischen Bewegung. An ihr wird es sich entscheiden, ob sie das jüdische Land für das jüdische Volk will, oder vom jüdi'frhen Volk nur soviel, als hin reicht, um mit der Zeit ein jüdisches Land zu bauen. Ob der Zionismus immer noch „das jüdische Volk unterwegs“ ist, oder nur „die Zionisten in Palästina“. Wir zweifeln nicht am guten Willen im Zionismus, weder bei den Führenden, noch bei den Geführten. Wir sehen aber mit Besorgnis, wie sich, bei uins in Deutschland wenigstens, eine Mentalität entwickelt hat, der gegenüber man versucht ist, gewisse bittere Antithesen aufzuzeigen. Zum Beispiel diese: früher machte der Zionismus der Philanthropie zum Vorwurf, daß sie nur die Not der Juden im 'Osten lindern wollte, die Judennot im Westen aber leugnete, heute könnte man dem Zionismus den Vorwurf machen, daß er angesichts des politischen Erfolges versagt gegenüber der Ostjudennot, die er nicht zu lindern vermag. Das mag, wie jede Antithese, etwas nach Schlagwort und Blenderei schmecken, ist aber nicht mehr als Wahrheit. Im Ernst: von dem Verhalten des Zionismus gegenüber der augenblicklichen Judennot wird es a b - hängen, ob das Prinzip der nationalen .Selbsthilfe oder das der privaten Charitas für das nächste Jahrzehnt zumindest das Vertrauen der jüdischen Massen besitzen wird. Hier wird nur der Erfolg entscheiden. Ueber die schönste nationale Theorie, die keine jüdischen Massen nach Zion bringt, wird mit Leichtigkeit der „Rachmonus“ derjenigen siegen, denen es gelingt, eine halbe oder eine Million Juden in Amerika oder sonstwo unterzubringen. 'Und das mit Recht! Es ist an dieser Stelle immer wieder darauf hingewiesen worden, welche Gefahren das minimalistische Kolonisationsprogramm für den Zionismus als für eine Bewegung enthält, die auf das Vertrauen und auf den geistigen Kredit der jüdischen Massen angewiesen ist. Das alles soll heute nicht wiederholt werden. Es soll einmal als Tatsache unterstellt werden, daß Palästina zunächst für Masseneinwanderung nicht in Frage kommt- Was wäre daraus für die zionistische Politik angesichts des „Wandersturm“-Problems zu folgern? Ganz einfach dies: daß das Palästina von heute und morgen für die Lösiung dieser Frage nicht in Frage kommt, daß die Londoner Deklaration mit allen ihren Konsequenzen für das wichtigste Problem des Augenblicks völlig belanglos ist, und daß der Zionismus gegenüber den jüdischen Massen heute zu genau derselben Stellung verpflichtet wäre, als wenn die Pariser Konferenz Palästina den Juden nicht zugesprochen hätte. Denn darin empfindet Nathan Birnbaum zweifellos zionistischer als mancher Zionist: daßi ein Zionismus zum Zynismus würde, der in diesem Augenblick sich mit dem Argument hervorwagte: „Wir können nicht alles machen, die Andern mögen auch was tun.“ Der Zionismus ist das jüdische Volk „unterwegs“. Eine Bewegung, die im selben Augenblick, wo der größte Teil des jüdischen Volkes ‘sich anschidkt. wieder alle Landstraßen ider zivilisierten Welt zu bevölkern, erklären würde: „Laßt Andere isie führen, wir haben unser Ziel erreicht und unsere Stätte gefunden“ — ein solcher Zionismus würde den Geist verleugnen, aus dem sein Gedanke klar und lauter entsprungen ist. Für den Zionismus gibt es heute angesichts des drohenden Wandersturms nur zweierlei. Entweder wir machen die Tore Palästinas weit auf für die jüdischen Massen und lösen so wenigstens für einen erheblichen Teil die Judenfrage vollständig. Können wir das nicht, so muß der Zionismus mit dem Volke auf die Wanderschaft gehen, als sein verantwortlicher Führer und darf nicht eher daran denken, Kraft und Arbeit ausschließlich Palästina zu widmen, bis dem Volke ein neues „Nachtasyl“ geboten wird. Und dann muß er mit einer heute auch noch nicht im Entferntesten geahnten Energie darangehen, dafür Sorge zu tragen, daß das! Nachtasyl kein Dauerzustand bleibe. Es gilt, Millionen lebendiger Menschen zu retten. Das geht aJlem voran! Ueber die organisatorischen und technischen Möglichkeiten einer Emigrationskonferenz, wie Birnbaum sie vorschlägt, soll demnächst hier von sachkundiger Seite gesprochen werden. Es mag bitter sein für den Zionismus, Goluspolitik treiben zu müssen im Augenblick, wo die Palästinaarbeit anheben soll. Aber die Verpflichtung zur Goliusarbeit erlischt erst dann, wenn Palästina wirklich die „Heimstätte für das jüdische Volk“ geworden ist. DIE PROBLEME DER ERBPACHT IV* Von Dr. Nathan ben Na Das Erbbestandgeld. Eine geordnete, zielbewußte jüdische Ansiedlungspolitik in Palästina hat zur Voraussetzung die Aptierung der zu kolonisierenden Flächen durch das große Landeinkaufsinstitut *) Wir setzen mit diesem Aufsatz die Reihe der Artikel über die Erbpacht nach längerer Pause fort. Unsere Leser wird interessieren, daß der Verfasser mit ejner Dissertation über die Erbpacht in Palästina an der Universität Heidelberg zum Doktor promovierte. h a n, Jerusalem, z. Zt. Berlin. | oder den J. N., F. Sollen die jüdischen Ko- { lonisten eine durch unsere Lage im Lande erforderliche intensive Bewirtschaftung ihrer! Stellen durchführen können, so muß ihnen die! langwierige, sonst sehr kostspielige und nur beim! Vorhandensein einer an Mitteln, Erfahrung und j an geübten Kräften reichen Organisation sich 1 billiger stellenden Vorbereitung der erworbenen j Ländereien abgenommen werden, j So sind die mit der Durchführung der inneren I Kolonisation beauftragten Institutionen und Be-

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