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Volk und Land · 1919-07-31 · Heft 31 (31.7.1919) · p. Seite 987-988

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 31 (31.7.1919)
Date
1919-07-31
Page
Seite 987-988 (sequence 18)
Language
German
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987 Von den bekannten hebräischen Schriftstellern sind Bialik, Klausner. Pinnes und einige andere jüngere in Odessa geblieben. Griechenland und die Juden vor Smyrna Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Besetzung der Stadt Smyrna durch griechische Truppen hat in allen Kreisen unserer Gemeinde einen tiefen und peinlichen Eindruck hervorgerufen. Sollte die Friedenskonferenz die definitive Annexion durch Griechenland beschließen, so wird unzweifelhaft die dortige jüdische Bevölkerung in Massen nach anderen Ländern auswandern. Die jüdischen Organisationen im Westen sollten die Anwesenheit Venizelos in Paris benützen, um von ihm die Versicherung zu erhalten, daß die Rechte der Juden in Smyrna in vollstem Ausmaße erhalten bleiben. („Jewish Chronicle“) PALAESTI NA-ARBEIT Das nationaljüdische Leben in Polen Die Palästinabewegung schlägt hier ziemlich hohe Wogen. Die von den in letzter Zeit entstandenen Palästinaämtem angelegten Evidenzblätter weisen aus, daß in vielen Großstädten Galiziens sich für die Auswanderung nach Palästina zumindest zehn bis fünfzehn Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerumg gemeldet haben. Besonders ist es die Jugend!, welche sich für die Paiästinaarisiedlung erwärmt und alle Anstalten macht, nach dort zu gehen, sobaldi sich nur die erste Gelegenheit bieten sollte. Die Vorarbeiten werden fleißig gemacht. Man sucht die Grundstücke der jüdischen Gutsbesitzer auf und man lernt alle in Betracht kommenden Arbeiten, pflügen, jäten, ernten usw. usw. Größtenteils tun es ehemalige Talmudjünger. Für dein Talmudkopf ist das natürlich nicht schwer. Für die Hände und für den Organismus vielleicht mehr, allein auch sie gewöhnen sich langsam an diese neuen Funktionen, und es tut ihnen ziemlich wohl. In dieser Jugend entsteht uns ein neuer Typus junger, kräftiger Juden, der an den alten Hebräertypus erinnert Von den jetzt bestehenden Bewegungen ist es in erster Reihe der Misrachi, der die breiten Massen der Orthodoxie bannt. Diese Strömung verspricht eine der größten innerhalb des Judentums zu werden urjd das Palästinawerk entsprechend zu beeinflussen. Das Schulwerk wird von ihnen in einer neuen Weise reorganisiert und ausgebaut. Es handelt sich hier gerade umi den Kern des Judentums, der, indem er von seiner Lethargie erwacht ist, Großes und Schöpferisches leisten wird1. Ungeachtet dessen fehlt es noch immer nicht an feindlichen Elementen, die sich auch gegen diese Richtung — das einfache Erwachen zur Tat — auflehnen. Das ist bei ihnen auch Sünde. So wurde einer der angesehensten Rabbinen Polens, der jetzt Galizien in den Diensten des Misrachi bearbeitet, in. Krakau gelegentlich eines abzuhaltenden Vortrages mißhandelt, dadurch, daß man ihm seinen Hut vom Kopfe riß. Mit Not vermochte der betroffene Rabbiner Graubard, eine Talmudgröße aus - Stassow in. Polen, erst nächsten Tages dank den Bemühungen der Zionisten und eines reichlichen Aufgebotes von Polizisten und Kommissären, in einer der Synagogen zu sprechen. Das geistige jüdische Lehtn nimmt neue Former; an. Das jüdische Theater in modernisierter Form und jüdische Konzerte stehen überhaupt in den vornehmeren Zentren Polens auf der Tagesordnung. Die hebräische Literatur, die in den berühmten polnischen Verlagen „Achiassaf“ und „Tuschija“ seit 988 jeher ihre, das neue Schrifttum' so bereichernde und ausgestaltende Pflegestätie hatte, seit Kriegsausbruch aber ganz eingeschJafen ist, beginnt sich wieder ein bißchen zu regen. Es ist dies der Stvbelverlag, der in der letzten. Zeit wieder eine ganze Reihe moderner Werke in hebräischer Uebertragung unter Redaktion des berühmten hebräischen Schriftstellers Frischmann erscheinen läßt. Im selben Verlage erscheint jetzt schon auch das vierte Buch des Hatekufa, ein gediegener Almanach in hebräischer Sprache. Wieder die ersten Schwalben, die uins den heraunahenden Geistesfrühling der hebräischen Sprache ahnen lassen. Auch die Presse, insbesondere die in jüdischer Sprache, hat sich zu einer merkwürdigen Höhe emporgeschwungem. Die Zeitschrift „Der Moment“ usw. gehört zu den besten auf diesem: Gebiete und erfreut sich eines Leserkreises, der nach Hunderttausenden zählt. Auch künstlerische Zeitschriften beginnen seit jüngster Zeit wieder zu erscheinen und befriedigen nach jeder Richtung hin den feinen Geschmack jedes Literatur^ freundes. Die Herzlfeier anläßlich des wiederkehretnden fünfzehnten Todestages, wurden in allen Gegenden Polens, selbst in den entlegensten Krähwinkeln, mit aller Weihe begangen, wieder ein Zeichen der großen Popularität, welche Herzl innerhalb der Judenschaft Polens gewonnen hat. (Bloch« Oesterr. Wochenschr.) SOZIALES Zur Sabbatruhe in Polen Das Organ der polnischen Agudas Jisroel „Der Jud“ berichtet von der Audienz einer orthodoxen Deputation beim Ministerium des Innern in Sachen der Sonntagsruhe. An der vorangegangenen Beratung beteiligten sich auch der Ratzioer Rebbe, mehrere jüdische Ratsmänner. Vorsteher sozialer Institutionen und Mitglieder der gesetzestreuen Organisation „Szlome Emune Jrsroel“. Man war sich darüber einig, daß die Einführung der absoluten Sonntagsruhe den völligen Ruin des jüdischen Handels bedeuten würde. Im' Sinne dieser Beschlüsse wurde nun die Deputation unter Führung des genannten Rabbiners beim' Minister des Innern vorstellig. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, daß in Lodz bereits durch den dortigen Kommissar, ohne die Gesetzwerdung des Projektes abzuwarten, die Schließung aller Geschäfte am Sonntag verfügt worden ist. Der Minister versprach, der Frage seine volle Aufmerksamkeit zu widmen und sorgte auch dafür, daß die Lodzer Bestimmung, die den Dingen vorausgeeilt ist, fürs erste außer Kraft gesetzt wird. Berichtigung Unser geschätzte Mitarbeiter Herr Dr. A. R u p p i n teilt uns mit: „Ich werde darauf aufmerksam gemacht, daß in meine Aeußerungen aiuf dem Delegierten tage in Nr. 25/26 von „Volk und Land“, anscheinend durch ein Versehen des Setzers, einige Sätze hineingekommen sind, die nicht von mir, sondern von Herrn Dr. Chamitzer gesagt wurden. Es handelt sich um Spalte 815, Zeile 20 von unten, beginnend mit den Worten: „So insbesondere unsere Freunde“, bis Spalte 816, Zeile 12 von oben. Da diese Sätze mit meinen eigenen Ansichten ganz und gar nicht übereinstimmen, so bitte ich Sie, in der nächsten Nummer eine Berichtigung zu bringen, damit ich nicht später gezwungen bin, Zitate von mir zu widerlegen, die gar nicht von mir stammen.“ Wir bedauern dieses Versehen lebhaft. VOLK UND LAND Verantwortlich: Für die Redaktion C. Z. Klötzel; für die Inserate Fritz Sch er bei, beide Welt-Verlag, Berlin NW7. Druck von Siegfried Schoiem, Berlin-Schöneberg.

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