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Volk und Land · 1919-07-31 · Heft 31 (31.7.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 31 (31.7.1919)
Date
1919-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLKiüritfLAMD ■JUEDISC||^i|i§|i||iÜji3NSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^^UND PALAESTINAARBEIT HERAUSGEGEBEN v6n DAVIS TRIETSCH 31. JULI 1919 HEFT 31 I. JAHRGANG DIE ORGANISATION DES BAUWESENS IN PAlAESTINA Von Dipl.-Ing. Von der Heimstätte, die wir für unser Volk erstreben, verlangen wir, daß sie neben nnsern wirtschaftlichen, ganz besonders unsem nationalen und kultureren Bedürfnissen entspricht. Nur dort, wo ein Volk diese befriedigen kann, wird es sich heimisch fühlen, nur aut geeignetem Boden wird es die Neigung und Fähigkeit zu verwurzeln haben. Sind diese Bedingungen für das Volk erfüllt, so kann das Seßhaftwerden durch nichts mehr gefördert werden, als dadurch, daß die Einzelnen Heimstätten finden, die ihrer Anhänglichkeit wert sind. Denn Heimat Im engsten und stärksten Sinne ist das Vaterhaus. Ererbter Familiensitz fesselt über praktische Erwägungen hinaus durch eine Fülle von Traditionen und Erinnerungen, die mit ihm verknüpft sind. Das Haus, das ein Heim erst werden soll, muß (an deren Stelle Qualitäten setzen, die anziehe,n und festhalten. Diese Eigenschaften sind drei: Zweckmäßigkeit, Schönheit und Wirtschaftlichkeit. Die primitivste' Bestimmung des Hauses ist die, vor den Unbilden der Witterung Zu schützen; aber auch schönes Wetter und günstige Jahreszeit genießen zu lassen, kurz einen gesundem und behaglichen Aufenthalt zu gewähren. Zu diesem Ende muß die technische' Baumethode und Raumdisposition den örtlichen Verhältnissen und dem: speziellen Bedürfnissen des Bewohners voll entsprechen. Zum andern ist die Wohnstätte der Gegensatz zum lauten Markt des Lebens, die Stätte der Erholung, der Sammlung und des Familienlebens. Hierfür ist sie geeignet, wenn sie im günstigen Sinne auf die Gemütsstimmung einwirkt. Dies wird erzielt durch künstlerische Plazierung und D u r c h b i 1 d u n g des Hauses und seiner Nebenan lagen. Und endlich müssen die Baukosten und die sich aus ihnen ergebenden Wohnungspreise so bemessen sein, daß die Aufwendungen für eine den Bedürfnissen entsprechende Wohnung keine übertriebene Belastung des Einkommens darsteüen. Die technische und künstlerische Vollendung eines Hauses wird illusorisch, sobald es mit Bewohnern überfüllt ist, oder Zwecken dienen muß, für die es nicht gedacht ist, weil derjenige, für den die Wohnung bestimmt war, die Kosten nicht erschwingen kann. Zur Erzielung preiswerter Wohnungen bedarf es — nächst einer gesunden Bodenpolitik — einer reellen, wohlorganisierten, mit den Möglichkeiten des Landes von Grund aus vertrauten Bau- Richard Michel. Unternehmung. Dann aber muß auch das Bauprogramm ehrlich der wirtschaftlichen Lage des Bewohners angepaßt sein. Wer ein bürgerliches Einkommen hat, soll kein herrschaftliches Wohnhaus Vortäuschen wollen. Anzahl und Ausmaße der Wohnräume Und des Nebengelasses sind mit Mässigung zu bestimmen. Hieraus ergibt sich nach den heutigen fortgeschrittenen Erfahrungen der Eigenheimbewegung beinahe rechnerisch die zu wählende Art der Bebauung: freistehendes Einfamilienhaus, Doppelhaus, Gruppen- und Reihenhäuser und deren Abarten. Die hiermit aufgesteMten Forderungen, die das Haus erfüllen muß, um die Eignung zur Heimstätte zu besitzen, gelten in der Hauptsache für das Eigenheim in städtischer Siedehmg. Sie werden aber auch fast durchweg für die Verhältnisse in landwirtschaftlichen und Pflanzungs-Kolonien zutreffen. Die ganz erhebliche ethische Bedeutung des Eigenheims ist wohl nie verkannt worden, sicherlich aber heute so populär, daß allerwärts das ernsteste Bestreben herrscht, das Glück, in den eigenen vier Pfählen zu wohnen, möglichst breiten Volksschichten erreichbar Zu machen. Wie vielgestaltige und Zahlreiche Versuche in dieser Richtung gemacht worden sind, ist so allgemein bekannt, daß es sich erübrigt, an dieser Stelle davon zu sprechen. Ueber die Mehrzahl der Bedingungen, deren Erfüllung ein Terrain für die Anlage einer Wohnsiedelung geeignet erscheinen läßt, werden kaum Zweifel bestehen. Gleichgültig, wer die Gründung in die Hand nimmt, einerlei, in welchem Umfange sie begonnen wird, immer wird die Lage zum Verkehr ein wesentliches Kriterium für die Eignung sein. Angemessene Entfernung und geeignete Orientierung nach den vorherrschenden Windverhältnissen werdert maßgebend1 sein. Nächst- | dem werden hygienische Gesichtspunkte jns Auge zu fassen sein. Die Wasserversorgung", der Baugrund, die Geländegestaltung, die Möglichkeit der Beschaffung von Baumaterialien, das Vorhandensein von Verkehrsadern, welche die Erschließung erleichtern und manches andere wird zu bedenken sein. Verständnisvolle Wertung der verschiedenen Faktoren wird die Wahl des Terrains zur Entscheidung bringen, wenn sie nicht in dien Händen unverantwortlicher unc. gewissenloser Spekulanten' liegt.

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