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Volk und Land · 1919-07-17 · Heft 29-30 (17.7.1919) · p. Seite 947-948

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 29-30 (17.7.1919)
Date
1919-07-17
Page
Seite 947-948 (sequence 30)
Language
German
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947 VOLK UND LAND 948 Energiezufuhr, also mehr Nahrung und längere Zeit der Sammlung, d. h. mehr Schlaf, als im Sommer. Die heutige Technik ist bereits imstande, dem menschlichen „Körper einen Teil der nötigen Wärme in Form von Hochfrequenzströmen zuzuführen und so unter gewissen Verhältnissen einen Teil der Nahrungsaufnahme zu ersetzen. Dies wird durch die interessanten Versuche von Svante Arrhenius bestätigt, der einzelne Schulklassen mit Drahtwindungen umgab (Solenoiden) durch die er Hochfrequenzströme sandte. Die Schüler dieser Versuchsklassen sollen bessere körperliche und geistige Entwicklung als ihre Mitschüler gezeigt haben. Erklären ließe sich dies damit, daß diese Schüler mehr Energiezufuhr erhielten als ihre Kollegen und so trotz gleicher Belastung des Verdauungsapparates doch besser ernährt wurden als jene. Auch bei Pflanzen wurden ja bereits derartige Versuche amgestellt und durch „Elektrokultur“ bemerkenswerte Erfolge erzielt. Neben der Nahrung bedarf der Mensch zu seiner Bedürfnisbefriedigung noch einer Reihe von Gütern, zu deren Herstellung Rohstoffe und zu deren Bearbeitung gewisse Kräfte nötig sind. Nach der Betriebszählung vom 1907 ergibt sich für Deutschland ein Verbrauch an Energie von 0,05 PS pro Kopf der Bevölkerung so daß nach dem Vorhergesagten der gesamte Energieverbrauch pro Kopf der Bevölkerung 0,25 PS betragen würde. Statistisch schwer zu fassen ist der Energieverbrauch pro Kopf, der sich aus den Leistungen der Transportmaschinen wie Schiffe, Eisenbahnen, Autos usw., soAüe der Arbeitstiere ergibt. Jedoch dürfte es reichlich hoch gegriffen sein, wenn wir pro Kopf der Bevölkerung einen Gesamtenergieverbrauch von einer PS annehmen. Die Anzahl von Kalorien, die ein Quadratcentimeter Fläche in der oberen Grenze der Atmosphäre bei senkrecht auf sie fallenden Sonnenstrahlen in 1 Minute empfängt, heißt Solarklonstante. Sie beträgt zwischen 2 und 3 Kalorien. Hiervon gelangt jedoch nur ein Teil auf die Oberfläche, während nach verschiedenen Ansichten 25*—60 o/o von der Atmosphäre verschluckt werden. Immerhin empfängt 1 Quadratmeter Erdoberfläche am Aequator per Sekunde rund 75 kg. oder während eines Durchschnittes von 24 Stunden 0,5 PS. Die Sonne strahlt der Erde eine Energiemenge von ca. 700 000 Milliarden PS zu, von welcher rund t 280 000 Milliarden PS auf die Erdoberfläche gelangen ’ dürften. Unter Zugrundlegung eines Flächenraumes von 25 000 Quadratkilometer für Palästina, sowie unter Berücksichtigung der dortigen klimatischen und geographischen Verhältnisse kann bei sehr vorsichtiger Schätzung angenommen werden, daß die im Jahre durchschnittlich der Erdoberfläche Palästinas zuge strahlte und zur Gewinnung von Kraft verwendbare Sonnenenergie rund 2,7 Milliarden PS beträgt, was imi Durchschnitt 0,1 PS per Quadratmeter entsprechen würde. Die Energiemenge von 2,7 Milliarden PS entspricht der Energie von 75 o/o der gesamten Kohlenmenge, die im Jahre 1910 auf der ganzen Erde gefördert wurde. Wie bereits erwähnt, wird durch die Sonnenkraftanlage Shumans in Kairo bereits 4,33 o/0 der zugestrahlten Sonnenenergie verwertet. Aehnliche Zahlen ließen sich wohl auch' in Palästina erreichen. Wenn wir aber annehmen, daß auch nur 1 % der vorerwähnten 2,7 Milliarden PS für den Lebensunterhalt der Bevölkerung herangezogen werden könnte, dann gelangen wir zu einer Zahl von 27 Millionen PS, so daß nach dem Vorausgesagten theoretisch rund 27 Millionen Menschen in Palästina ernährt werden könnten, ohne daß d:e Gefahr einer Uebervölkerung entstände. Die Bevölkerungsdichte würde unter diesen Umständen 1080 Menschen per Quadratkilometer betragen. Diese Zahl erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich hoch, immerhin ließe sie sich bei genauerem Zusehen ganz gut in den Rahmen unserer heutigen Begriffe fügen. Zur Illustration sei erwähnt, daß die Bevölkerungsdichte Berlins 1S71 : 13951 und 1910: 32 664 Menschen per Quadratkilometer betrug. Es würden bei Eintritt der beschriebenen Entwicklung ähnliche Verhältnisse, wie sie ja in Deutschland schon vor dem Kriege beobachtet werden konnten und besonders sinnfällig in der Rheinprovinz zum Ausdruck kamen, aucli in Palästina Platz greifen können. Ob es möglich sein wird, die Bevölkerungsziffer von 27 Millionen Menschen für Palästina zu erreichen, hängt davon ab, ob es unseren Ingenieuren und Chemikern gelingt, die zur Erde gestrahlten Energiemengen zu sammeln und in wirtschaftlicher Weise in für den Menschen geeignete Form zu bringen. Die praktische Lösung des Problems bleibt wohl den Ingenieuren und Chemikern künftiger Generationen Vorbehalten. Immerhin zeigt die rasche Entwicklung des Automobilismus und der Luffcschiffahrt, wie schnell in unseren Tagen utopisch erscheinende Ideen bei zielbewußter Zusammenarbeit der ganzen Menschheit in die Praxis uimigesetzt werden können. Eine andere Frage ist, ob es überhaupt wünschenswert ist, für Palästina eine besonders dächte Bevölkerungsziffer zu erreichen. Immerhin gäbe eine gewisse Bevölkerungsdichte in Palästina die Möglichkeit, die Eigenart jüdischen Lebens besser zu entwickeln, und würde auch demi Staate Palästina die Stellung eines Kulturzentrums für sämtliche auf der Erde zerstreut lebenden Juden sichern. Heinrich Altmann. Industrie ohne Kohlen Die Menschheit wird sich in den kommenden Jahrhunderten immer schärfer nach weiteren Energiequellen Umsehen müssen und zunächst die naheliegenden' Naturkräfte, den Wind Und die Ebbe und Flut, sowie die strahlende Sonnenenergie heranziehen. Der Windmotor ist heute sehr m Unrecht in den Hintergrund getreten. Für ländliche Kleinbetriebe ist er von nicht zu unterschätzender Bedeutung, billig aufzustellen, leistungsfähig und kaum einer Wartung benötigend. Sein einziger Fehler liegt darin, daß der Wind nicht ständig weht, sondern daß gerade im Sommer, wenn viel Arbeit für Bewässerungszwecke gebraucht wird, oft lange Wochen vollkomihener Windstille zu verzeichnen sind. Mit einer ähnlichen Unregelmäßigkeit müssen die Sonnenenergiemotoren in unseren Breiten rechnen. Da aber Windstille und Sonnenschein bezw. kräftiger Wind und bedeckter Himmel gewöhnlich zusammen fallen, so läßt sich recht wohl eine Kombination von Wind- und Sonnenmotor denken, die in der Hauptsache das ganze Jahr hindurch gleichmäßig leistungsfähig bleibt.- Die Größe der Sonnenstrahlung ist dabei keineswegs zu unterschätzen. Strahlt doch auf die rund 500 000 qkm Deutschlands im Jahre das Tausendfache derjenigen Energie, die man durch restlose Verbrennung der gesamten jährlichen Kohlenförderung von 200 Mail f er-, zeugen könnte, von der Sonne herab. Wenn man daher auch nur den tausendsten Teil dieser Sonnenenergie in Sonnenmotoren nutzbar machte, hätte man ungefähr die jetzige Kohlenenergie gedeckt. Au und für sich sind aber natürlich die tropischen und subtropischen Landstriche viel geeigneter für* die Aufstellung von Sonnenmaschinen. Man konnte daher recht wohl an eine Uebergangszeit denken, während welcher in der Wüste Sahara und ähnlichen Landstrichen Sonnenmotoren aufgestellt werden, die viele Quadratmeilen Landes mit einem System von Spiegeln bedecken, jegliche strahlende Energie auffangen und in Wärme umsetzen, die nun ihrerseits zur Dampferzeugung und weiterhin zur Energiegewinnung benutzt wird. Man könnte dann diese gewaltigen Energiemengen beispielsweise an Ort und Stelle zur Kalziumkarbiderzeugung verwenden, und das Kalziurrikarbid, jenen vorzüglichen chemischen Energiespeicher, beliebig weit transportieren.

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