Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 29-30 (17.7.1919)
- Date
- 1919-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VOLK^mdLAMD ■JUEDISClilpIpaMSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHJjpUND PALAESTINAARBEIT HERAUSGEGEBEN V&N DAVIS TRIETSCH 17./24. JULI 1919 HEFT 29/50 L JAHRGANG DIE VERWIRKLICHUNG DES ZIONISMUS (Nach Joe Levys phonographischem Bericht.) Von Theodor Herzl. In dem Streit zwischen miinimalistischer und maximalistisdier Auffassung von den Möglichkeiten des Zionismus halten wir es für angebracht, an Herzls Maßstab in seinen eigenen Worten zu erinnern. Wir bringen ohne weiteren Kommentar den Bericht Joe Levys über die Entwicklung vom 'Projekt zur Wirklichkeit. Nur daran sei erinnert, daß Joe Levy die politischen - Voraussetzungen — „um die er sich nicht zu kümmern brauchte" — in der Form des Charter „vorfanid". So wenigstens in Hej-zls Roman, den er als ein Lehrgedicht gewertet wissen wollte. Heute ist die politische Voraussetzung Herzls in einer anderen Form tatsächlich gegeben: Heute liegt auch zwischen dem Projekt und der Verwirklichung die Tatsache eines Weltkrieges, der uns nicht nur das große politische Resultat in den Schoß geworfen hat, sondern durch seine Massenbewegungen und technischen Wunder das, was früher scheinbar unmöglich war, in den Bereich des Realisierbaren gerückt hat. Neben all diesem/ haben wir eine jüdische Not und eine jüdische Entwurzelung, die dem Verfasser von Altneuland weder vorgeschwebt hat, noch denkbar erscheinen, konnte. Man wird sich fragen dürfen, wasl für einen Maßstab er Unter den jetzt gegebenen Verhältnissen geplant und befürwortet haben, würde. Aber schon sein damaliger M a ß s t a b wird voni denen, die von seinen Ideen leben, selbst in der bereits wesentlich eingeschränkten Form, die von den gegenwärtigen „Maximalsten" vertreten wird, als ^Verbrechen am jüdischen Volke" gebrandmarict. Wir konfrontieren mit dem Herzischen Programm den offiziellen Zionismus, der sich für diesen Plan begeistert hat, als er undurchführbar war und den er in dem Augenblick ablehnte, in dem politische Möglichkeit und jüdische Notwendigkeit in einer nie geahnten Weise zusammentrafen. „Meine geehrten Anwesenden! Ich soll Ihnen über die neue Judenwanderung berichten. Die ganze Sache war sehr einfach. Ich glaube, es wird zuviel Wesens daraus gemacht. Um die politische Vorbereitung hatte ich mich nicht zu kümmern. Glücklicherweise. Idi bin kein Politiker, war es nie, werde es nie sein. Ich hatte meinen Auftrag und führte ihn aus. Unsere Gesellschaft war unter dem Titel „Neue Gesellschaft für die Kolonisierung von Palästina" gegründet worden. Sie hatte mit der türkischen Regierung einen Besiedlungsvertrag geschlossen. Die Bedingungen dieses Abkommens sind aller Welt bekannt. Nun waren das freilich sehr große Geldleistungen, und es regten sich anfänglich Zweifel, ob die Neue Gesellschaft so gedeihen könne. Das Land war bettelarm, und unsere Ansiedler sollten* aus dem Proletariat aller Länder herkommen. Zwar gab esmehrere große Stiftungen für jüdische Nationalzwecke. Ihr Gesamtbetrag wurde Ende 1900 mit zwölf Millionen Pfund Sterling festgestellt. Aber es waren ja außer den Zahlungen an die türkische Regierung noch große Aufwendungen für den privatrechtlichen Ankauf von Grund und Boden, für das Ahsiedeln ganz mittelloser Menschen, für die Urbarmachung, Bepflanzung, Aaubesserung des Landes nötig. Woraus sollten alle diese Erfordernisse bestritten werden? In unserem engeren Komitee gab es Furchtsame, die den Zusammenbruch des Unternehmens vorhersagten. Meine Freunde und ich trugen den Sieg über diese Bedenken davon. Es gelang uns, darzutun, daß wir die Berechnung nicht nur auf Grund des Vorhandenen anstellen müßten, sondern auch aut Grund dessen, was nach aller menschlichen Erfahrung durch den Beginn unserer Arbeiten hinzukommen würde. Unser für die Zukunft errichtetes Werk würde auch durch diese selbst erhalten und gestärkt werden. Nach zehn Jahren sind die Knaben, die wir hinführen, Männer. Wenn wir Menschen haben, haben wir alles. Die Menschen aber bringen wir selber hin, erziehen sie, wie wir sie brauchen und benützen sie, wie es uns und ihnen, das heißt der Gemeinschaft, frommt. Es ist das einfachste Raisonnement von der Welt. Man macht es im kleinsten Ländchen, bei den unbedeutendsten Völkern. Nur die Juden hatten dieses ABC des Volkstums verlernt. Es kam noch ein Wichtigeres hinzu, das unsere Juden merkwürdigerweise nicht wußten, obwohl sie es täglich auf anderen Gebieten ausübten: die Unternehmungslust! Ich will dazu jrin Beispiel geben. Als zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Goldfunde im unwirtlichen Kkmdyke gemacht