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Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · p. Seite 575-576

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
Seite 575-576 (sequence 18)
Language
German
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575 VOLK UND LAND 576 SOZIALES Zionismus im Gefangenenlager hin kürzlich aus italienischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrter Offizier berichtet neben einer Fülle von Erlebnissen interessante Einzelheiten über die Organisation der jüdischen Offiziere in dem zirka 1800 ehemals österreichisch-ungarische Offiziere beherbergenden Kriegsgefangenenlager Cassino (Provinz Casserta). Nach der Gefangennahme herrschte unter ihnen ein erträgliches, wenn auch keineswegs herzliches Verhältnis. Kaum aber war die Kunde von den weltbewegenden Ereignissen zur Kenntnis der Gefangenen gelangt, als sich automatisch und ohne jede äußere Veranlassung Ansätze zu Organisationen zeigten, welche vorerst im Tragen von Bändern in Nationalfarben in die Erscheinung traten. Dies hatte dann zur Folge, daß sich die Angehörigen der verschiedenen Nationen, es waren im Lager so ziemlich alle österreichisch-ungarischen Nationen vertreten, voneinander absonderten, ln dieser Zeit „ setzte auch die jüdischnationale Bewegung ein. Das Hauptverdienst, daß es dazu kam, gebührt dem in Wiener nationalen Kreisen bekannten Leutnant Ernst Weiß und Leutnant Mandel, die mit rastlosem Eifer und seltener Hingebung an der Organisation der jüdischen Offiziere in nationalem Sinne arbeiteten und die ^Genugtuung hatten, daß in kurzer Zeit 200 Offiziere der Organisation beitraten. Es waren dies nur national gesinnte, das heißt solche Männer, die sich als jüdischnational in die zu diesem Zweck aufgelegten Listen eintrugen. Nachdem so die Organisation ger schaffen war, wurden nationale Institutionen, unter anderem ein hebräischer Sprachkurs für Anfänger und Fortgeschrittene errichtet, der zahlreiche Teilnehmer Umfaßte. Jeden Samstag wurden belehrende und unterhaltende Themen aus den verschiedenen Disziplinen vorgetragen, eine kleine jüdische Bibliothek - wurde aus von einzelnen Herren gespendeten' Böchern gegründet und die italienische Zionistenzeitung „Israel'* abonniert. So schuf die Tatkraft und das nationale Bewußtsein eine kleine aber stramme Organisation, die sich nach ihrer Erstarkung im Innern auch nach außenhin betätigte. Zunächst wurde von der jüdischen Organisation die Forderung aufgestellt, daß den jüdischen Offizieren in der Messe separierte Tische zugewiesen werden, was von der Messeverwaltung bewilligt wurde. Weiter wurde an das italienische Kriegsmrnisteritim eine von den organisierten jüdischen Offizieren des Lagers gefertigte Petition gerichtet, in welcher gebeten wurde, die jüdischen Offiziere als Angehörige der jüdischen, und nicht mehr als solche einer anderen Nation zu führen, der die einzelnen nach ihrer politischen Zugehörigkeit zugezählt wurden. Im Anschluß hieran wurde weiter gebeten, das Kriegsministerium möge, entsprechend seiner Gepflogenheit, die Angehörigen der einzelnen vormals österreichisch-ungarischen Nationa'itäten womöglich in separierten Lagern unterzubringen, auch die Unterfertiger der Petition in einem jüdischen Lager zu konzentrieren. Eine weitere nicht genug zu wertende Leistung war die Einleitung" einer großzügigen Geldsammlung für die jüdische Mannschaft des benachbarten Lagers in Cassino, der es herzlich schlecht ging, und die ein sehr schönes Resultat erbrachte. Auch die an das Kriegsministerium gerichtete Petition hatte efhen schönen Erfolg, da wenige Wochen nach deren Absenkung ein Bevollmächtigter des Oberrabbiners in Rom erschien und mitteilte, daß die Bitte nach Abtransport in ein jüdisches Lager sowie die Bestrebungen wegen der. nationalen Zugehörigkeit im Kriegsministerium wohlwollend erledigt worden sei. Ars interessantes Detail sei noch erwähnt, daß die Deutschen zu Vorbesprechungen für eine deutschnat'onale Organisation in Einladungen zu einer „deutscharischen Versammlung“ aufforderten. Dies hatte zur Folge, daß über 100 jüdische Offiziere, welche sich teils aus prinzipiellen (?), teils aus politischen Gründen von der jüdischnationalen Organisation ferngehalten hatten, nunmehr derselben beitraten. Als die Einberufer der „deutsch-arischen Versammlung“ den taktischen Fehler, der ihnen unterlaufen war, an den Folgen erkannten, versuchten sie durch öffentliche Revokation Remedur zu schaffen, allein es half ihnen nichts, die mehr als 300 jüdischen Offiziere bildeten einen festen Block, dem feindselige Agitation nichts mehr anhaben konnte. BUECHERBESPRECHUNGEN — — -^~]l Zionistische Propagandaschrift in französischer Sprache Die Loge „Sioniste AI Hamichemar“ in Lausanne hat das Verdienst, eine Reihe kleiner zionistischer Schriften in französischer Sprache herausgegeben zu haben, deren propagandistischer Wert recht hoch einzuschätzen ist. An erster Stelle ist das Heftchen von Sch. Gorelik; „Une dette envers Israel, Lettres d’un Juif ä un chretien“ zu nennen. Goreliks Art zu schreiben eignet sich vorzüglich für das Französische, von dem sein Stil wohl auch ziemlich stark beeinflußt ist. ln überaus anziehender Weise umreißt er mit wenigen Strichen das Bild des jüdischen Schicksals. Von der Tatsache ausgehend, daß sehr viele Zeitgenossen die Verwirklichung der zionistischen Forderung mit einem Seufzer der Erleichterung begrüßen werden, mit einem mehr oder minder gehässigen „Mögt Ihr nur Alle gehen!“ — zeigt Gorelik, wie tief die europäischen Völker in der Schuld des Judentums stehen, und daß die Wiedererrichtung Palästinas ihnen zum letzten Male Gelegenheit gebe, diese Schuld anzuerkenmen und wieder gutzumachen. So klingt aus den feingeschliffenen Worten des Büchleins eine ernste und mahnende Anklage, die umso wirksamer sein wird, als die Form, in der sie vorgebracht w ird, würdig und ansprechend ist. Anklage erhebt auch S. Kova Iskys Schrift „L'Antisemitisme polonais“, die nicht nur einen Protest gegen die polnischen Pogrome enthält, sondern auch eine instruktive Schilderung der Geschichte der polnischen Juden und der polnischen Judenpolitik. Diese Schrift dürfte in den Kreiseln der Pariser Konferenz, die auch über Polens Schicksal zu befinden hat, einige Wirkung tun; jedenfalls ist ihr im französischen Publikum weiteste Verbreitung zu wünschen. Ueber die wuchtigsten Tatsachen des Wiederaufbaus Palästinas unterrichtet in knapper Form M. F. Zurissaday (Feldstein) in seiner Broschüre; „La Palestine et la Renaissance du Peuple juif**. Die Darstellung geht von den englischen Regierungserklärungen aus, berichtet über den bisherigen Stand der Kolonisation, über den Nationalfonds, die Banken und über die zionistische Kulturarbeit. Eine Karte und eine Reihe meist bekannter Aufnahmen vervollständigen die Schrift. C. Z. K. Für die Redaktion verantwortlich: C. Z. Klötzel, Berlin. Verlag: Welt-Verlag, Berlin NW 7. Dorotheenstr.35 Druck von Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg,

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