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Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK uhd LAMD JUEDISCrt^WOGHiNSCHRIFT FUER POLITIK. WIRTSCHi!^ UND PALAESTINA ARBEIT HERAUSGE6EBEN vSn DAVIS TRIETSCH 3. MAI 1919 HEFT 15 LJAHRGANG OFFENE ANTWORT AUF Sehr geehrter Herr Klötzel! Ihrer Bitte, meine Antwort auf Ihren Brief in den Spalten von „Volk und Land“ zu veröffentlichen, entspreche ich gern, zumal der Brief mich durch Sachlichkeit und Wärme angesprochen hat. Einen guten Teil dessen, was ich auf Ihre Einwürfe zu sagen habe, habe ich bereits in einer Replik gegen Nahum Goldmann veröffentlicht, die in Nr. 13 der „Neuen Jüdischen Monatshefte“ erscheinen wird. Ich darf hier darauf Bezug nehmen und bemerke nur noch folgendes: 1. Daß der jüdische Nationalismus darauf ausgeht, aus dem Judentum ein chauvinistisches, imperialistisches Volk zu machen, habe ich nicht gesagt und sage ich nicht. Aber Chauvinismus und Imperialismus sind naturnotwendige Folgeerscheinungen im Kampf eines Volkes um Territorium und völkische Selbsterhaltüng. 2. Daß die Volksidee allein den Weiterbestand des Judentums verbürgt, bestreite ich. Es widerspricht das der historischen Erfahrung. Ewig sind nur die Ideen, nicht die Nationen. 3. Mögen auch die Juden ehemals ein Volk, ihre Religion eine Volksreligion gewesen sein und, anders als Christentum und Mohammedanismus, das Werbemittel der Mission und den Gedanken der Proselytenmacherei ablehnen, so gehört doch die Beschränknug der Religion auf ein Volk nicht zum Zeichen des Judentums. Kraft ihrer messianischen Mission will sie über die nationalen Grenzen hinweg ein geistiges Reich schaffEJDL-Die Zurückführung der jüdischen Gemeinschaft zu der ursprünglichen, nämlich nationalen Form ihres Bestehens, kurz gesagt die Nationalisierung, fördert! nicht, sondern stört ihre messianische Mission. 4. In den Streit der Völker sind die Juden bisher nur hineingezogen wie die Bekenner der anderen Religionen. Deutsche Juden mußten gegen j französische und englische Juden ebenso kämpfen j wie deutsche Christen gegen französische und englische Christen. Es waren das keine Kämpfe j des Judentums. Wird die jüdische Religionsgemeinschaft aber eine Nation, so wird sie als Nation I in den Streit der Völker hineingezogen und da-! durch wird der Zusammenhang zwischen den palästinensischen Juden und den Juden der Diaspora unter Umständen zerrissen. Bedarf das eines besonderen . Beweises, wenn der Völkerbund nicht! so verwirklicht wird, wie wir wünschen, Sonderkoalitionen nicht ausschließt und der Judenstaat! in Palästina als solcher an den Koalitionen Teil I nimmt? Für Sie bedarf es keines Zweifels, daß [ EINEN OFFENEN BRIEF das nationale Judentum jedes auf Verletzung der Neutralität gerichtete Ansinnen mit aller Entschiedenheit ablehnen wird. Der Zionismus mag den guten Willen hierzu haben; ob sich dem Willen auch das Können beigesellen wird, ist mir sehr zweifelhaft. Die Entente oder England schafft doch das jüdische Palästina nicht um der schönen Augen der Juden willen und aus Liebe zum Judentum. Wenn Sie zur politischen Einsicht der Entente das Vertrauen haben, daß sie an die zionistische Organisation und an das jüdische Palästina nicht Forderungen steilen wird, die unter keinen Umständen erfüllt werden können, mit anj dern Worten, wenn Sie glauben, daß England | bei seinen politischen Forderungen auf die Ein- | heit von Palästina und Galuth Rücksicht nehmen wird, und daß der Zionismus die Kraft haben wird, Forderungen, die dieser Rücksicht ent- ( behren, zuriiekzuweisen, so fehlt mir dieses Maß j von Vertrauensseligkeit und Optimismus, obwohl; ich von beiden auch ein gut Teil besitze. 5. Sie finden, daß meine Bedenken gegen die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes einij germaßen im Widerspruch damit stehen, daß ich ' letzthin der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina und der nationalen Autonomie für die Juden des Ostens zustimme. Aber nicht die Differenzierung, sondern die Gleichmacherei ist folgewidrig, wenn die Dinge nicht überall gleich liegen. Ich habe wiederholt auf den grundlegenden Unterschied von Ost und West hingewiesen. In den Ländern des Ostens sind die Juden zum großen Teil Nationalitäten; im Westen hat sich der Assimilationsprozeß so gut wie vollzogen. Wo jüdische Nationalitäten noch bestehen, will ich ihnen zu ihrem Schutz die politischen Rechte nationaler Minoritäten gewährt wissen, und ich will denen, die jüdisch-national fühlen und eine Sehnsucht nach Zion haben, eine Heimstätte eröffnet sehen. Aber ich will nicht einen vollzogenen nationalen Assimilationsprozeß und eine jahrhundertalte Entwicklung rückgängig machen, der internationalen Religionsgemeinschaft eine völkische Einheit und völkische Sonderheit geben, hier in Deutschland jüdische Volksgemeinden gebildet sehen und hier die Juden ein Volk im Volke werden lassen. Ob die nationale Autonomie und die Bildung eines Staatenwesens in Palästina der Judenheit und dem Judentum zum Segen gereichen wird, darüber will ich mich nicht äußern. Meine Wünsche sind jedenfalls größer als meine Hoffnungen. Aber des Menschen Wille

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