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Volk und Land · 1910-04-24 · Heft 17 (24.4.1910) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17 (24.4.1910)
Date
1910-04-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK uhd LAND FUER POLITIK, WIRTSCHAff UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN V&N DAVIS TRIETSCH 24. APRIL 1919 HEFT 17 1. JAHRGANG DIE POLNISCHE JUDENPOLITIK*) Von Der polnische Staat ist erst sechs Monate alt, aber in dieser kurzen Zeit hat er an Judenfeindlichkeit bereits mehr geleistet, als selbst das zaristische Rußland in der langen Zeit seines Bestehens. Wenn Judenfresserei allein ein Beweis besonderer Tüchtigkeit und politischer Reife wäre, so hätte das polnische Volk längst bewiesen, daß es einer reichen nationalen Zukunft entgegengeht. Der verstärkte Ausbruch der polnischen Feindseligkeiten war zu erwarten, denn seit jeder war Judenfeindschaft das hervorragendste Kennzeichen des „patriotischen“ Polen. Zum Lobe der polnischen Solidarität muß gesagt werden, daß in diesem Punkte eine bewundernswerte Einstimmigkeit geherrscht hat vom äußersten Flügel der Natio-naldemokraten bis zu den sogenannten „Sozialisten“, die an Chauvinismus und Imperialismus es den bürgerlichen Klassen durchaus gleichtun. Solange die politische Macht in fremden Händen lag, mußten sich die Polen mit dem wirtschaftlichen Boykott begnügen, mit der intensiven Propagierung des Gedankens, daß zum Heile der polnischen Wirtschaft die Juden nach Möglichkeit aus dem gesamten Handel und Verkehr ausgeschlossen werden müßten. In dieser Hinsicht waren sie die getreuen Nachahmer des zaristischen Ministers Stolypin, der in ähnlicher Weise den Untergang der russischen Juden durch ihre völlige Boykottierung auf wirtschaftlichem Gebiet angestrebt hat. „Nationalisierung des Handels“ wurde 2rum Losungswort — aber nicht etwa in denr Sinne, daß Handel und Verkehr verstaatlicht werden sollten, sondern in jenem anderen, der das gesamte Wirtschaftsleben unter Ausschluß aller jüdischen Elemente den Polen allein Vorbehalten will. Dieses Ziel suchte man mit allen Mitteln moderner Organisation, durch Errichtung von Produktiv- und Konsumgenossenschaften zu erreichen. Solches Vorgehen wurde im stärksten Maße unterstützt durch die polnische Presse, welche jedem Unternehmen, das auf den Grundsätzen rein polnischer Wirtschaft aufbaute, Loblieder sang, und mit allen Mitteln der Beeinflussung zur Nachahmung solcher Unternehmen aufrief. Trotzdem blieben diese Versuche im wesentlichen wirkungslos, weil den Hauptanführerr) 'ihre eigene Tasche lieber war als das Ideal, und den „christlichen Genossenschaften“ in sehr vielen Fällen Unregelmäßigkeiten nachgewiesen werden konnten, die nicht dazu angetan waren, den angeblich von ihnen vertretenen Gedanken zu propagieren. Als die politische Macht in polnische Hände überging, bestand der erste Gebrauch, den man von ihr machte, darin, daß man den Kampf gegen die Juden mit verstärkter Kraft und erweiterten Mitteln aufnahm. Der öffentlichen Meinung Europas; wußte man allerdings zu erzählen, daß die Polen keine schönere Aufgabe wüßten, als den Juden ihres Landes die völlige Gleichberechtigung zu sichern und in ein Verhältnis mit ihnen zu gelangen, das für beide Teile gleich vorteilhaft sei, und das allen Anforderungen des politischen Anstandes und der Humanität entspräche. In Wirklichkeit sahen die Dinge aber ganz anders aus. Der erste Ministerpräsident des neuen Polens war der „Sozialist“ M o r ac z e w s k i. Aber hat jemals die Welt eine sozialistische Regierung gesehen wie die seine? Die polnische Presse und mit ihr die gesamte polnische Intelligenz schienen plötzlich den Verstand verloren zu haben. Eine solche Flut der unsinnigsten und widerlichsten Verleumdungen wurde aufgebracht und kritiklos geglaubt, daß man sich wirklich fragen muß, wie es möglich ist, daß intelligente und denkfähige Menschen in solchem Grade einer der frevelhaftesten Massensuggestionen zum Opfer fallen konnten, die es je gegeben hat. Diese Verhetzung mußte schließlich ihre Früchte zeitigen, und so ist es von kleineren Pogromen in Warschau zu größeren in der Provinz und schließlich zu dem furchtbaren Blutbade in Lemberg gekommen. Alles das geschah mit Wissen der sogej nannten „sozialistischen“ Regierung. Als nach dem *) Diese Ausführungen stammen aus der Feder eines j Mannes, der die polnischen Verhältnisse aus eigenem ' Erleben gründlich kennt. Manches von dem hier Gesagten wird unsern Lesern bekannt sein, anderes wird unseres Wissens hier zum ersten Male berichtet. Die I jüdische und die allgemeine Presse fordern wir auf, I von der Erlaubnis des Nachdrucks (möglichst unter Quellenangabe) weitgehendsten Gebrauch zu machen. I D. Sch.

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