Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1919)
- Date
- 1919-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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üiidLahd -JUEDI SC IMMKBBWBM SCH RI FT RU ER POLITIK, WIRTSChJIP* U NO PALAESTINAARBEIT w HERAUS6EGEBEN VON DAVIS TRIETSCH 5.110. APRIL 1919 HEFT 14/15 I. JAHRGANG ZWEI KON LON Die zionistische Organisation hat es stets als ein Ruhmesblatt ihrer Geschichte betrachtet, daß der vierjährige Weltkrieg zu keiner Lockerung, geschweige «denn zu einer Zerreißung ihres festen Gefüges geführt hat. Der entschlossene Wille, sich durch keinerlei Lockungen von dem Grundsatz striktester Neutralität zu entfernen, aber das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina und auf freie Entwicklung in der Diaspora mit allen möglichen Mitteln durchzusetzen, war der Leitstern der zionistischen Politik und wurde von ihr unterschiedslos vertreten, ob es nun galt, in den Zentralmächten oder in den Ländern der Entente, bei Neutralen oder bei Sozialisten* bei Gelehrten, Politikern oder Journalisten Verständnis und Förderung für die Sache des jüdischen Volkes zu gewinnen. Das neutrale Büro in Kopenhagen, sowie häufige Reisen der zionistischen Führer wirkten dahin, „.daß der Geist einheitlicher zielbewußter Führung der jüdischen Volkspolitik alle Glieder der Organisation, jn gleicher Weise beseelte. So hatte die zionistische Organisation es nicht notwendig, bei ihrem ersten Zusammenkommen nach Aufhören der Feindseligkeiten erst mühselig jahrelang aufgespeicherte Mißverständnisse und Irrtüraer zu beseitigen und zögernd zu versuchen, den zusammengebrochenen Bau der interterritorialen Organisation wieder zu errichten. Man fand sich in London zusammen, als wäre man nie getrennt gewesen und pur die Stimmung herzlicher Freude über das Wiedersehen mit alten Kampfgenossen, der Stolz über das Erreichte und die arbeitsfreudige Stimmung im Hinblick auf die bevorstehenden Aufgaben mochte diese Tagung von anderen unterscheiden. Freilich gestatteten es die allgemeinen politischen Verhältnisse noch nicht, daß alle Landesorganiisationen in London vertreten waren: (die Deutschen und Deutschösterreicher mußten der Sitzung fernbleiben. Aber nichts zeigt die unerschütterliche Einheit der Oiganisation besser, als die Tatsache, mit welchem Bedauern dieses Fehlen in London testgestellt wurde, welchen herzlichen Dank inan diesen Gesinnungsgenossen für ihre Arbeit während des Krieges sagte. Es war den deutschen Mitgliedern des Engeren Aktiotts-Gomites möglich gewesen, jn Kopenhagen Vorbesprechungen mit .dem nach .London reisenden Mitglied des E. A. C., Dr. Jacobson, ab- FEREN ZEN DON ■ zuhalten ,so daß die in London gefaßten Beschlüsse im vollen Einvernehmen auch mit den deutschen und österreichischen Zionisten erfolgt sind. Somit ist als das wichtigste und erste Ergebnis der Londoner Konferenz festzuhalten, daß die Einheit der zionistischen Organisation unerschüttert feststeht und daß die gemeinsame Arbeit geleistet werden wird, ohne daß Gegensätzlichkeiten irgendwelcher Art sie hemmen. Die Sitzung in London hat diesen Gedanken der Einheit der Organisation ausdrücklich festgestellt und dann eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die die Organisation den veränderten politischen Verhältnissen anpaßte. Das Zentralbüro der Bewegung wurde nach London verlegt. Hier befinden sich die Mitglieder des Engeren Aktions- Comites Dr. Jacobson, Dr. Schmarja Levin und Sokolow. Außerdem wurde Dr. Weizmann, der politische Führer der englischen Zionisten, in das Engere Aktions-Comite kooptiert. Ein zweites Büro bleibt unter der obersten Leitung von London in Kopenhagen. Das Große Aktions-Comite wurde durch Vertreter Amerikas, Palästinas, der Poate- Zion und des Misrachi erweitert. Damit ist eine arbeitsfähige, vom Vertrauen der gesamten zionistischen Organisation getragene Leitung vorhanden. Kurz nach Peßadi wird im Haag eine Vollsitzung des Aktions-Comites stattfinden, die zum ersten Male wieder Zionisten aller Länder vereinigen soll. Wenn irgendmöglich, soll in diesem Jahre auch der allgemeine Zionistenkongreß stattfinden für den der erste Elul (Ende August) in Aussicht genommen ist und für den das Aktions- Comite den Ort bestimmen soll. Sollte die Einberufung des Kongresses nicht möglich sein, so muß die Jahreskonferenz einberufen werden. Diese Beschlüsse der Londoner Zionistenkonferenz beanspruchen auch über den Rahmen der organisierten Zionisten hinaus das starke Interesse des jüdischen Volkes. Ist doch die zionistische Organisation im Laufe des Krieges zur unbestrittenen Führerin des jüdischen Volkes geworden; ist sie doch seine anerkannte Vertretung, diejenige Organisation, die allein dem 15-Millionenvolk Heimat ,und Sicherheit eikämpft hat. Es handelt sich nicht mehr um eine Partei im Judentum: das organisierte jüdische Volk hielt in London seine