Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-03-06 · Heft 10-11 (6.3.1919) · p. Seite 351-352

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 10-11 (6.3.1919)
Date
1919-03-06
Page
Seite 351-352 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649287--0236-2649578
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

35 i haben. Die getrocknete Karnbe ist reich a/t Saccharin und Glukose, die zusammen etwa 30—50 °o des Gewichts ausmachen, Stärke ist \ -10 n/o> je naclt dem Alter der Frucht, vorhanden. Auch die in Pflanzungen gezogenen Karubenbäunte müssen gepfropft werden, da aus einigen Wurzeln nur Bäume mit männlichen Blüten und aus anderen nur solche mit weiblichen Blüten schießen. Die männlichen Pflanzen sind ohne Schwierigkeit an der Farbe ihrer Blätter zu erkennen. Die Pfropfung erfolgt, wenn die jungen B iume ’l dm Durchmesser und etwa 50 cm Höhe erreicht haben; nach 5 oder 6 Jahren kann dann die Verpflanzung staftfinden, und zwrar in Zwischenräumen von mindestens 15 m. Die Frucht wird im Herbst eingesammelt und muß in dünnen Lagen ausgebreitet werden, um völlig zu trocknen, da sie sonst leicht in Gärung übergeht. Als Boden kommt ein leichtes Erdreich in Betracht, das möglichst frei von wucherndem Unkraut ist. An geeigneten Stellen wächst der Baum sehr rasch und bedart nur gelegentlicher Beschneidungen, um neue Zweige zu bilden. Die Höhe beträgt 7—8 m, doch findet mau auch z. B. in Spanien oder aut Sizilien Bäume von 15—20 m. Ein Baum in günstigen Verhältnissen gibt 4—S Kilo Karuben drei Jahre nach seiner Pfropfung; nach weiteren sechs Jahren erzielt man schon etwa 50 Kilo Frucht, die sich nach voller Entwicklung des Baumes auf 400—500 Kilo im Jahre erhöht. Man hat selbst 1000 Kilo von einem einzigen Baume geerntet, die einen Wert von 80—100 Frcs. darstellen. (Aus „Der Neue Orient“.) Sonnenblumen. — Malariabekämpfung. Die Anpflanzung von Sonnenblumen in mückenreichen Gegenden als Mittel gegen die Malaria wird von Fock empfohlen. In der tropischen Regenzeit wurde beobachtet, daß die Unterseite der Stempelblätter mit einem klebrigen Saft bedeckt war, der große Mengen Mücken, darunter auch Anophelen, die Malaria verbreitenden Steckmücken, festhielt und umkommen ließ. Landwirtschaftliche Genossenschaften in Dänemark. In seinem Buche „Rural Denmark and its Lessons*' konstatiert H. Rider Haggard, daß die dänischen Landwirte mehr aus dem Boden gewinnen als die englischen. Der Autor bemerkt dazu, daß die Ursache keineswegs in der Qualität des Bodens liegen kann, sondern daß der auffällige Mehrertrag durch die in Dänemark allgemein übliche genossenschaftliche Arbeitsweise seine Erklärung findet. Aus: Jos. Grunzei: „Der Sieg des Indus t r i al i s mius.“ „Die SChw'eiz hat weder Kohle noch Eisen, daher findet sich in den Büchern gewöhnlich der Hinweis, daß sich das Land vorzugsweise solchen Produktionszweigen zuwenden mußte, bei denen der Wert des Erzeugnisses das Resultat hochwertiger Arbeit ist, wie der Uhrenfabrikation, Spitzen erzeugung, Seidenweberei usw. Im letzten Jahrzehnt hat sich aber die Metall- und Masehinenindustrie viel rascher entwickelt als die alteingeführte Textilindustrie.“ — Hier also zeigt gerade diejenige Industrie die lebhafteste Entwicklung, die von allen landesüblichen den größten Eisenbedarf hat. Dicht bei der zitierten Stelle findet sich in demselben Buche folgendes: „Als eine der wichtigsten Voraussetzungen der industriellen Entwicklung erscheint der neuesten Zeit die Kohle, das „Brot der Industrie“. Italien hat aber einen mächtigen Aufschwung seiner Industrie zu verzeichnen, und zwar nicht bloß mit Hilfe der neu zur Verwertung gelangten heimischen Wasserkräfte, sondern auch der fremden Kohle, denn der Im- *) Von der Krieselscheu Maschinenfabrik in Dirschau hergestellt. 352 porf hierin ist von 7dl 000 Tonnen im Jahre 18Q1 auf 8,2 Millionen Tonnen im Jahre 1907 'gestiegen.“ Andererseits finden sich in dem gleichen Werke zwei Hinweise, die - zusammengestellt — dartun, wie wenig das Vorhandensein von Eisen und Kohle industrieförderlich ( in dem üblichen Sinne) wirken muß. Es heißt dort gelegentlich: „Auf der anderen Seite sehen wir Rußland mit einem großen Reidhtuim an Erzen, die es weder verarbeiten, noch verfrachten 'kann, weil es in beiden Fällen an einem entsprechenden Markt fehlt.“ lind dann heißt es gelegentlich: „ln Rußland dagegen sprach man von einer Heizmittelkrise, weil für die gewonnenen Mengen von Kohle und Petroleum keine ausreichende Verwendung vorhandeln war.“ Weiterhin folgt dann die sehr interessante Bemerkung, daß in manchen Fällen die Möglichkeit einer Industrie zu einer Verpflanzung des Rohstoffes führt, um die Abhängigkeit vom Ausland zu vermeiden. Der Rohstoff wandert dann mit der Industrie, nicht umgekehrt. Die Zahl solcher Fälle dürfte sich sogar vermehren, da die neuesten Erfahrungen zeigen, daß die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen und Tiere an die Verschiedenheit des Bodens und Klimas bisher stark unterschätzt worden ist.“ Dattelkultur. Die Dattelkulfur wird bisher in Palästina allgemein für besonders schwierig und wenig aussichtsreich gehalten, auch deshalb, weh sie nach landesüblicher Auffassung im besten Falle sehr lange Zeit (20 ‘ Jahre) bis zur Fruchtreife braucht. N j Hermann Guthe sagt: „Ueber Haifa nach Norden hinaus wird die Dattelpalme an der Küste nicht mehr 1 reif, aut den Bergen Palästinas audh irrt Süden nicht, i Doch stehen die Datteln von Haifa und Jaffa an Saft j und Süße den ägyptischen, auch den bei Gaza ge- | wa-chsenen so sehr nach, daß sie zur Ausfuhr nicht verwendet werden können. Die Palme hat daher wirtj schaftlich für Palästina so gut wie keine Bedeutung; sie ist ein Zierbaum1, desisen breite, malerische Krone jedermann mit Entzücken betrachtet.“ Daß diese Auffassung irrtümlich ist, beweist ein von j den Brüdern Treidel bei Kineret!» mit bestem Erfolg angestellter Versuch. Dort haben Dattelpalmen inneri halb 5 Jahren gut lohnende Erträge gebracht, und zwar haben sich alle gepflanzten Bäume (einige Dutzend) vorzüglich entwickelt, und jeder weibliche Baum trug reichlich Frucht. Es dürfte sich hier ähnlich verhalten wie bei vielen andern Kulturen des Orients, daß nämlich mit guter Kenntnis der Sorten und vernünftiger Pflege sehr viel bessere Resultate zu erzielen sind, als man nadi den bisherigen palästinensischen Erfahrungen für möglich halten möchte.*) *) Nach Hölscher soll die Dattelkultur nur noch bei Gaza eine Rolle spielen. Nadh Dr. Lamec S a a d bringt die Dattelpalme in Mesopotamie n bereits; nach 7—10 Jahren Früchte. Nach diesem Autor erreicht der Baum eine Höhe von 50—70 Fuß, trägt 6—10 Dattel- . trauben, jede aus mehreren hundert Datteln bestehend, im Gesamtgewicht von bis zu 600 Pfund. Eine ausgewachsene Palme kostet 200—250 Piaster und gibt im Durchschnitt 80—120 Oka (zu 1—11/2 Piaster, also 80—180 PiasteT) Ertrag. Die Früchte dienen in den Dattelländern den Eingeborenen roh, getrocknet oder gekocht bis Hauptnahrung. Aus den Früchten wird durch Pressen der D a 11 e 1 h o n ig gewonnen, der gegoren ein weinartiges Getränk darstellt; ein solches erhält man auch aus dem Stamm durch Anzapfen. . Die Herzblätter liefern den wohlschmeckenden Palmkohl; aus den Wedeln fertigt man Gewebe und Taue, die widerstandsfähig gegen Salzwasser sind und deshalb in der Schiffahrt Verwendung" finden. Außer in ihrer Heimat wird die Dattelpalme jetzt auch in Mexiko, Kalifornien, Australien und Britisch-Südafrifca kultiviert, in einigen Gegenden Südwestafrikas kommt sie ganz vorzüglich fort und liefert noch in Höhe bis 1000 m befriedigende Ernten. VOLK UND LAND Für die Redaktion verantwortlich: Dr. L. Weinberg, Berlin. Verlag: Welt-Verlag G.m.b. H., Berlin W86, Kurfürsten8tr. 150 Druck von Siegfried Scholem, Beriin-Schöneberg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.