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Volk und Land · 1919-02-20 · Heft 8-9 (20.2.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 8-9 (20.2.1919)
Date
1919-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLKlÜrLAND JUEDISCIIilliiliiillSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^^UND PALAESTINA-ARBEIT 'f-' HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH 20.127. FEBRUAR 1919 HEFT 8/9 I. JAHRGANG DIE MOEGLICHKEITEN DES ZIONISMUS* Von Prof. Dr. C. EINLEITUNG. Es ist eine Frage von außerordentlicher Bedeutung: lassen sich die Wünsche und Ideale des Zionismus mit den realen Interessen der Weltmächte vereinigen, oder tun sich' da klaffende Gegensätze auf, starren uns da unlösbare Widersprüche entgegen? Gewiß ist schon das Wohlwollen, das sich in einer gefühlsmäßigen Förderung der ethischen Probleme und Wünsche einer Gruppe von Menschen oder eines Volkes ausspricht, eine Kulturmacht — noch wichtiger und wesentlicher für die Fortdauer guter ßeziehungen zwischen den einzelnen Völkern ist, wenn sich Gefühlspolitik und Realpolitik decken. Es soll hier u. a. versucht werden, darzutun, daß der Zionismus nicht nur vom Wohlwollen fast aller Kulturvölker des Erdballs getragen wird, sondern daß es auch durchaus einer gesunden Realpolitik bei den Weltmächten entspricht, ihn zu fördern. Bevor wir näher darauf eingehen, sind eine Reihe von Vorfragen zu erledigen, die sich in zwei Gruppen zusammenfassen lassen: 1. Hat der Zionismus heute, angesichts der Emanzipation des Ostjudentums durch die russische Revolution, der Aufhebung des Ansiedlungsrayons für die russischen Juden, überhaupt noch einen vernünftigen Zweck? 2. Wenn dies der Fall ist, ist dann Palästina tatsächlich noch als das gelobte Land nicht nur im idealen, sondern auch im realen Sinne des Wortes anzusehen, bzw. ist es nicht viel zu arm imd zu klein, um einem irgend! erheblichen Teil des auf 14 Millionen Köpfe angewachsenen Judenvolkes Unterkunft zu bieten? ZUR LAGE IN OSTEUROPA. Bezüglich der ersten Frage läßt sich heute schon sagen, daß auch die russische Revolution die russische Judenfrage nur sehr bedingt gelöst hat; die religiös-ethische Sehnsucht großer Massen russischer Juden hat sie nicht befriedigen können, ja nicht einmal die materielle Lage ist so sehr gebessert, daß für die Zukunft nicht außerordentlich viel zu wünschen bliebe. Was soll z. B. die Erweiterung des Ansiedlungsrayons, wenn die große Masse der jüdischen Handwerker in dem erweiterten Rayon doch angesichts der Konkurrenz russischer. Arbeiter und elend gelöhnter Hausindustrieller keine verbesserten Existenzbedingungen finden kann? — Für die jüdischen Handelsbeflissenen wiederum erhebt Ballod, Berlin. sich als drohendes Gespenst die Monopolisierung fast aller wichtigen Waren, insbesondere des für Rußland so wichtigen Getreidehandels. Die kooperative Bewegung im Königreich Polen (Kongreßpolen), die an Stärke noch zunimmt, entzieht dort ebenfalls immer mehr zunehmenden Teilen der jüdischen Bevölkerung die Existenzbedingungen. Es bleibt den russischen Juden die von den Bolschewiki zugesagte .allgemeine Landzuteilung, die Chance eines vollständig neuen Aufbaues der Grundlagen der materiellen Existenz; eines Ueberganges zur landwirtschaftlichen Produktion. Denn der russische Bauer soll das ganze Land ohne Entgelt bekommen, die öffentlichen Schuldverschreibungen sind für ungültig erklärt, damit sind die wohlhabenden Schichten und damit Handel und Wandel im wesentlichen erledigt. Soll aber im künftigen Rußland und Polen eine durch die Gesamtbevölkerung dividierte, also recht kleine Landhufe das fast alleinige Produktionsmittel und damit die. Grundlage der physischen Existenz bilden, so entsteht sehr die Frage, ob, Wenn schon sowieso eine völlige Umkehrung, Umwandlung der früheren Wirtschaft vorzunehmen ist, Wenn die russisch-polnischen Juden im wesentlichen Ackerbauer werden müssen, sie dann nicht besser tun, eine im wesentlichen auf der landwirtschaftlichen Produktion aufgebaute Volkswirtschaft gleich in Palästina anzufangen, wohin die ethisch-religiösen Ideale der großen jüdischen Masse hindrängen? In Kongreßpolen gibt es Zwar keinen Bolschewismus und damit kerne Umteilung des Schwarzen" (d. h. des Grund und Bodens), aber dafür die Boykottbewegung, die einen ansehnlichen Teil der Juden auch dort zum Erwerb von Land und damit mm Uebergang zur Urproduktion zwingen wird. Ob die jetzt allem Anscheine nach1 gesicherte proportionale Vertretung der Juden in den künftigen ]>arlamentarischen Körperschaften der russischen Teilstaaten den Juden etwas nützen wird, ist doch sehr die Frage, sie werden doch überall nur eine kleine Minorität bilden, höchstens 15 bis *) Wir bringen nachfolgend eine Arbeit von Prof. Ballod mit Ergänzungen von Davis Trietsch, die inhaltlich bereits 1916 in der „Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung“ (Hefte 16/17 und 26/27) erschienen sind. Den veränderten Verhältnissen gemäß im Tatsächlichen ergänzt, werden sie unseren Lesern als Grundlagen zur Beurteilung des praktischen Palästinaprobleins wertvoll sein.

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