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Volk und Land · 1919-02-13 · Heft 7 (13.2.1919) · p. Seite 221-222

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 7 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
Seite 221-222 (sequence 17)
Language
German
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221 VOLK UND LAND 222 men. Diese Typen erscheinen jüdischer Vorstellung als artfremd, ja als rückständig. Es ist ein schwer vorstellbarer Gedanke, daß jüdische Gehirne verurteilt sein sollen, sich in die Enge eines Bauernlebens hineinzufinden, wie es aus den Modellen anderer Völker uns vertraut ist. Vielleicht gelingt es der jüdischen Art, einen neuen Typ des Bauern zu schaffen, der aus ihrem Eigenwesen, ihren Fähigkeiten herauswächst. Jüdische Art wird z. B. nicht den Typus eines Einzelsiedlers zulassen, wie er in einigen Gegenden Deutschlands sich findet, wo das System weitverstreuter Einzelhöfe herrscht; sie verlangt das Nahebeieinanderwohnen- und Siedeln, um dadurch die ihr Bedürfnis gewordene Kulturweite des Daseins zu gewinnen. Enges Siedeln setzt Intensivierung des landwirtschaftlichen Betriebes voraus, setzt Steigerung der Einzelkraft durch genossenschaftliches Zusammenwirken voraus. Vielleicht sind damit die Momente gekennzeichnet, die den Charakter der künftigen landwirtschaftlichen Siedlung des jüdischen Volkes in Palästina ausmachen. Dr. L. Weinberg. Mängel jüdischer Sozialarbeit Die Fehler, welche der jüdischen Sozialarbeit anhaften und sie vielfach um den Erfolg bringen, den sie nach Maßgabe der aufgewendeten Mittel an Arbeitskraft und Geld, zeitigen müßte, faßt Ingenieur E n glä n d e r-Prag in der „Jüdischen Volkszeitung“ (Breslau) folgendermaßen zusammen : 1. Sie war, medizinisch ausgedrückt, sympathische Therapie. War ein armer Mann in großer Not, gab man ihm ein Geschenk. Wurde ein Kind krank, bekam die Mutter eine Unterstützung, brauchte sie eine Arznei, bekam sie sie umsonst. Aber das Grundleiden blieb unberücksichtigt! Daß der Mensch arm geworden war, weil er nicht zur rechten Zeit aufs Land gehen konnte, um seine Arbeitskraft zu erhalten, daß das Kind krank geworden war, weil die Mutter keinen Helfer hatte in der Zeit der Geburt, weil sie keine Pflege hatte, ungenügende Nahrung! Grundleiden unberücksichtigt! 2. In zu viel Fällen Geldhilfe. Wenn noch irgendein Zartgefühl vorhanden, bei beiden Teilen, Geber und Nehmer, peinliche Scham. Mit Geld zu helfen ist am bequemsten, macht am wenigf sten Mühe. 3. Protektionswirtschaft. Die Bekanntschaft mit Herrn .... Rat X. Y. wog schwerer, als Bedürftigkeit, Not. Die Notwendigkeit der „Beziehungen“ demoralisiert den Hilfesuchenden, drückt ihn zum Objekt herab. 4. Arbeit mit dilettierenden freiwilligen Kräften. Niemals kann soziale Arbeit auf die Dauer so nebenher, ohne Kenntnisse, ohne Vorbereitung getan werden. Sie muß zur Wohltäterei ausarten. 5. Laienhafte Arbeit, das heißt ohne Erkenntnis und Nachprüfung der sozialen Gefahren und Struktur, dabei ist die Humanität in vielen Fällen nur das Aushängeschild für humanitäre Geselligkeit. Es gibt hierfür zahlreiche Beispiele. Die Vereine und Gruppen, die einer großmütigen Laune irgendeines Menschen ihre Mittel verdanken und dann mit Müh und Not irgendeinen „Bedürftigen“ finden, der gerade diese „Kränk“ hat, die der Verein „statutengemäß“ zu heilen hat. Zur Erheiterung sei der in Prag bestehende jüdische Verein zur Verteilung von Hühnersuppen erwähnt, der ein Vermögen von zirka 50 000 Kr. besitzt, seit 50 Jahren seine statutengemäße Wirksamkeit nicht mehr ausübt und nur aus 18 Mitgliedern bestehen darf. Er hält für seine ehemaligen Mitglieder Jahrzeiten ab, worin sich seine Tätigkeit erschöpft. 6. Zersplitterung. Keine Gruppe kümmert sich um die andere. Die Verwaltungsauslagen verschlingen bei einzelnen Vereinen oft bis 30 Prozent der Eingänge; oft arbeiten sie, besonders in der Werbung der Mitglieder gegeneinander, betrachten dieselben als „Konkurrenz“, dabei gibt es Menschen, die bei 20 oder 30 Vereinen Mitglieder sind. 7. Vollständiger Mangel an beratenden Institutionen, an Stellen, von denen aus Leitsätze, Grundpläne für neu zu errichtende, von sozialem Geist erfüllte Institutionen ausgearbeitet werden können. Nur dadurch ist es möglich, daß uns alle Einrichtungen der anderen Völker, die aut dem Prinzip der organisierten Selbsthilfe beruhen, fehlen. Wie z. B. Kreditgenossenschaften, Konsumvereine, Produktivgenossenschaften und andere. Die Wohnungsnot der jüdischen Studierenden Aus einem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft der n i c h t i n ko r pori e r t e n jüdischen Akademiker Münchens: „Die soziale und ethische Pflicht aller jüdischen Mitbürger gebietet es, daß sie bei der zurzeit herrschenden Wohnungsnot verfügbare Zimmer freimachen, um sie an jüdische Studenten und Studentinnen zu vermieten. Besonders notwendig ist es, jüdische Kriegsteilnehmer, die jetzt ihr Notsemester ablegen wollen, in dieser Weise weitgehendst zu unterstützen. Unsere jüdischen Mitbürger helfen dadurch nicht nur jüdischen Studenten aus einer drückenden Not, sondern sich selbst, da sie es doch ivorziehen werden, freiwillig jüdische Akademiker aufzunehmen, statt die Zimmer zwangsweise für Zivileinquartierung zu, räumen. Wir richten daher an alle jüdischen Mitbürger den dringenden Appell, uns jetzt nicht im Stiche zu lassen und ihre verfügbaren Zimmer dem Akademischen Wohnungsamt München, Universität, unter dem Motto „Für jüdische Studenten“ zu melden.“ An unsere Abonnementen Bei der augenblicklichen Lage ist es uns nicht möglich, „Volk und Land“ in ganz regelmäßigen wöchentlichen Zwischenräumen erscheinen zu 'lassen. Wir bitten daher um Entschuldigung, wenn einzelne Nummern wesentlich später eintreffen, ads es ihrer Datierung nach sein sQllte. An der Anzahl der jährlich erscheinenden Nummern ändert sich dadurch nichts. Im übrigen hoffen wir bald in der Lage zu sein, ein regelmäßiges Erscheinen gewährleisten zu können.

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