Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1919)
- Date
- 1919-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V O LK umd LA fl D JUEDISCHWyOCHiKISCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^^UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH 6. FEBRUAR 1919 HEFT 6 I. JAHRGANG FRAUENARBEIT IN PALAESTINA Vortrag von Frau Dr. Maisel-Schochat, gehalten in Berlin am 29. 12. 1918 im Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Die Frauenarbeit in Palästina wird im großen Ganzen den Weg der Frauenarbeit in Europa einzuschlagen haben, und nur in manchen Einzelheiten wird sie einen speziellen Charakter tragen. Die Frauenarbeit ist überall mit dem natürlichen Pflichtenkreise der Frau als Gattin, Mutter und Hausfrau aufs engste verknüpft. Daher entstehen für sie immer die folgenden Aufgaben: 1. Die Sorge für die richtige Ausbildung der Frau als solcher, damit sie mit dem nötigen Verständnis und mit den nötigen Kenntnissen versehen ins Leben tritt und aufs beste ihre Aufgaben als Mutter und Hausfrau erfüllt. 2. Die soziale Fürsorge für die Kinder der im Erwerbsleben stehenden Frau, wie Säuglingspflege, Hort- und Kindergartenwesen usw. 3. Die Schaffung passender Erwerbsquellen für Frauen, 4. Die Einrichtung von Volks- und Arbeiterküchen, Volksheimen usw. 5. Kranken- und Wöchnerinnenpflege usw. 6. Das Fraueinschulwesen für alle Arten allgemeiner, beruflicher und sozialer Ausbildung. Die erste und wichtigste Aufgabe der Frauenarbeit in Palästina müßte die Erziehung und richtige Ausbildung der Frau für all die Arbeiten sein, die in den Kreis ihrer natürlichen Pflichten fallen. Wir sind bestrebt, das Volk im wirtschaftlichen Sinne zu rekonstruieren. Es ist unser heißester Wunsch und unser höchster Traum, unser Volk mit innigen, starken Banden mit der heiligen Scholle unserer Väter verknüpft zu sehen, — zu sehen, wie es sich von den Produkten dieser Scholle, die es durch seiner Hände Arbeit gewinnen soll, ernährt. Der Frau erwachsen dabei neue, große und schwierige Aufgaben, für die sie nicht vorbereitet ist. Dias Gelingen unserer heiligen Sache hängt zum großen Teil von der richtigen und tüchtigen Frau ab, die es versteht, die Wirtschaft des Mannes zu ergänzen und auf das kräftigste zu unterstützen, indem sie die Ausgaben für den Haushalt möglichst verringert und die Einnahmen durch produktive Frauenarbeit vergrößert, indem sie das schwere Leben des Kolonisten, Kleinsiedlers und Arbeiters durch die Schaffung eines gemütlichen Heimes erleichtert und die Kinder in Liebe zur Arbeit, zur Natur und zum väterlichen Boden erzieht. Das sind große und schwere Aufgaben, und wir müssen der Frau die Möglichkeit schaffen, sich gründlich darauf vorbereiten zu können und ihr auch nachher im Kreise ihrer Tätigkeit mit Rat und Tat beistehen. Was haben nun zu ähnlichem Zwecke die Frauen anderer Völker getan? Die Literatur über die Tätigkeit der deutschen Frauenvereine zeigt uns eine große Reihe von städtischen und ländlichen Haushaltungsschulen, wirtschaftlichen Frauenkursen, Molkerei- und Gartenbauschülen für Mädchen u. v. a. Es ist dabei interessant festzustellen, daß bei der Entwicklung der haus- und landwirtschaftlichen Frauenbildung das Haupt verdienst den Frauenvereinen gebührt. Die Staatsbehörden und Städteverwaltungen sind immer erst später den Frauenvereinen zu Hilfe gekommen (nach Liese). Wenn es nun für die Ausbildung der deutschen Frau, die von jeher als eine gute, tüchtige Hausfrau galt, die auf dem Lande geboren und großgeworden ist, die mit der Muttermilch die Liebe zur Natur und das Verständnis für ländliche Arbeit in sich aufgenommen hat, die einem Volke entstammt, dessen Fleiß weit und breit gerühmt wird —, wenn zur Ausbildung dieser Frau die rege Tätigkeit der vielen deutschen Erauenvereine und die Schaffung 90 vieler Anstalten für Fortbildung auf den genannten Gebieten nötig sind, wie viel müßte erst bei uns zu diesem Zwecke geschehen? Bei uns, die wir Jahrhunderte lang diese Arbeit verschmäht und verachtet haben, deren Kinder in der Mehrzahl jn engen, schmutzigen Stadtgassen aufgewachsen sind, die körperlich ge-- schwacht und nervös erschöpft sind, die weder von dem natürlichen Instinkt, noch von einer Tradition bei der Landarbeit unterstützt werden. Wir dürfen uns durch die großen Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen. Wir können vieles was üns an Tradition fehlt, durch Liebe, guten Willen und Intelligenz ersetzen, wir müssen nur