Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-01-30 · Heft 5 (30.1.1919) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (30.1.1919)
Date
1919-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649283--0109-2649447
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

VOLK LAMD FUER POLITIK, WIRTSCH/^gfUND PALAESTINA-ARBEIT HERAUS6E6EBEN VON DAVIS TRIETSCH 30. JANUAR 1919 HEFT 5 I. JAHRGANG DIE AUSLESE DES MENSCHENMATERIALS Eine Gefahr? Von Fritz Sternbe rg. Im November/Dezember-Heft 1918 des „Juden“ befindet sich ein Aufsatz Dr. Ruppins, *) der für unsere gesamte palästinensische Tätigkeit eine ganz außerordentliche Bedeutung hat. Ruppin betont eingangs mit Recht, daß eines der wichtigsten Probleme die Auslese des Menschenmaterials ist, „weil von der richtigen Lösung dieses Problem« im wesentlichen die ganze Struktur des zukünftigen jüdischen Gemeinwesens in Palästina abhängt.“ ln praxi war dieises Problem bei der bisherigen Kolonisation nicht so wichtig gewesen. Einmal — ich folge immer Ruppin — waren der alte und der neue Jischub „zwei Bevölkerungsschidrten, die fast ohne Berührungspunkte nebeneinander herlebten.“ Zweitens waren die wirtschaftlichen Bedingungen Palästinas weit ungünstiger gegenüber anderen Ländern, besonders gegenüber Amerika, so daß schon durch diesen Umstand ein Ausleseprozeß hervorgerufen wurde. Wem das .Geldverdienen das’ Primäre war, der blieb zumeist nicht im Lande, und weiterhin war die Zahl der wirtschaftlich produktiv tätigen Juden so gering, daß der einzelne Jude in seiner ganzen Lebensführung deutlich hervortrat „Infolge des großen Interesses, das die Juden der ganzen Welt und ihre Presse an dem kleinen Häuflein Juden in Palästina nahmen, glaubte ein jeder, daß er im Brennspiegel des öffentlichen Interesses stehe und seine Handlungen von der Oeffentlichkeit kontrolliert würden. In der Tat drang öffentliches Interesse und öffentliche Neugier tief in das berufliche und private Leben des Einzelnen ein. Das wirkte in der Richtung zu Pflichterfüllung und Gemeinsinn.“ Alle diese Tatbestände galten nur für die Verhältnisse vor dem Kriege. Sobald sich das wirtschaftliche Leben reger entfalten wird, werden auch diejenigen Juden hinübergehen, bei denen das finanzielle Moment in erster Reihe steht, und die große Zahl der dann im Lande ansässigen Juden läßt den Einzelnen verschwinden und macht auch dieses Moment der Auslese illusorisch. Ruppin fragt daher: „Soll man, wie früher, jeden Einwanderer willkommen heißen und darauf vertrauen, daß die guten „Die Auslese des Menscheranaterials für Pa- Elemente doch in der Mehrheit bleiben und die schlechten ausstoßen werden?“ Und antwortet: „Ich glaube, daß die Politik des „laisser aller“, die wir bisher in der Einwanderungsfrage betrieben haben, in Zukunft verlassen und durch eine zielbewußte Einwanderungspolitrk ersetzt werden muß.“ Ohne hier zu diesen Fragen ausführlich Stellung Zu nehmen, sei uns eine kleine Bemerkung gestattet. Wir sind mit Ruppin völlig einverstanden, daß der soziale Ausleseprozeß ln Zukunft nicht So stark sein wird und daß wir auf Mittel und Wege sinnen müssen, Gegenwirkungen zu Schaffen. Aber es ist zum mindesten fraglich, ob Maßnahmen, die diesen Ausleseprozeß — Vielleicht! — begünstigen, die Einwanderung jedoch hemmen, — ob solche Maßnahmen gerade in den nächsten Jahren zur Anwendung gebracht werden sollen. Die Zahl der Juden in Palästina ist während des Krieges zurückgegangen; wenn Palästina in den Friedensverhandlungen für das jüdische Volk gefordert wird, so wird es nicht für die palästinensischen Juden gefordert, sondern für das jüdische Volk der ganzen Welt, das nach Palästina will und das gegenüber der augenblicklichen einheimischen Bevölkerung eine Majorität verkörpert. Wenn wir für dieses jüdische Volk die Forderung auf Palästina erheben, so sind Einwanderungsbeschränkungen, die diese Einwanderung stark herabzudrücken imstande sind, äußerst problematisch. Nach Zahlen Lichtheims, die dieser unveröffentlichten Manuskripten Ruppins entnimmt, wird mit einer Einwanderung von ca. 20000 Seelen pro Jahr für das erste Jahrzehnt gerechnet, dann mit einer verdoppelten Zahl und im dritten Jahrzehnt mit einer verdreifachten. Es ist aber bei dieser Berechnung von der Voraussetzung ausgegangen .worden, daß wir drei Jahrzehnte ungestört unser Kolonisationswerk fortsetzen können, und diese Voraussetzung scheint jnir durchaus nicht so sicher zu sein. Denn wir müssen berücksichtigen, daß die Araber nicht mehr unter türkischer Botmäßigkeit stehen, daß sie ihr eigenes großes Reich1 haben werden und so der panarabistische Gedanke bald ihre Herzen gewinnen kann. Und nun bedenke man die Gefühle det

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.