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Volk und Land · 1919-01-23 · Heft 4 (23.1.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (23.1.1919)
Date
1919-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLKumdLAMD ■JUEDISCK^^BÄNSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHÄ|fUND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH 23. JANUAR 1919 HEFT 4 I. JAHRGANG JUEDISCHE WELTPOLITIK Von Felix A. TheiIhaber, Die Tragik des jüdischen Volkes, dessen Geschichte von Unglück und grauenvollem Verhängnis aller Art durchschauert ist, erreicht wieder einen Höhepunkt. Zu demselben Zeitpunkte, wo die Anerkennung Palästinas als jüdisches Land durch die Regierungen aller Großmächte die politische Aktion des Zionismus mit einem; beispiellosen Erfolg krönt, in einem Augenblick, wo die Bedeutung politischen Wirkens zu einer derart handgreiflichen Evidenz wird, neben diesem ersten Lichtblick in der Geschichte der Juden seit 1900 Jahren, in denen sie alle Leiden über sich ergehen lassen mußten — tritt die Judennot in erneuter, verstärkter Potenz auf. Die Juden fast der ganzen alten Welt wurden zu Millionen*) aus den Reichsverbänden, in denen sie lebten, herausgezerrt und neuen Staaten und Völkern zugeteilt. Während die übrigen Nationen zu einer gerechteren Abrundung ihres Besitzstandes kommen, die Grenzpfähle hauptsächlich nach ihren eigenen Interessen neu eingesetzt werden, kommt den Judenl diese 'Neueinteilung Mittel- und Osteuropas keineswegs zugute. Es handelt sich, um dies vorweg zu nehmen, um das Schicksal von vielen Millionen Menschen, das eine Umwälzung erfährt, ohne daß idabei die Wünsche dieser Massen oder des ganzen Volkes auch nur befragt resp. angehört worden 'wären. Diese Durchrüttelung der Juden, die Zerreißung all ihrer Gemeinschaften zeigt überall andere Formen, weist jeweils auf neue Probleme hin. IniDeutschland. Um mit dem Deutschen Reiche, wie es nun bestanden hat, zu beginnen. Zuerst ist mit dem 'Ausscheiden von über 30000 elsässisch-lothringischen Juden zu rechnen. Elsaß und Lothringen weisen die ältesten Judengemeinschaften Deutschlands auf. (Die Geschichte der Juden von Metz ist neuerdings historisch bearbeitet worden). Die elsässischen Juden gelten nicht zu Unrecht als ein konservatives Element, das. nur langsam und schwerfällig und nur schrittweise den Prozeß der Entjudaisierung mitmachte. *) Die bekannte Vertreibung der Juden aus Spanien betrat nach neuen Forschungen höchstens 50 000 Juden. Allerdings hatte bereits im vorigen Jahrhundert eine starke Tendenz eingesetzt, das ‘dem jüdischen Milieu günstige Elsaß mit dem verflachenden Pariser Parkett zu vertauschen. Die Juden als Schrittmacher des Franzosentums, in dem sie seit der Proklamation der Menschenrechte durch die große Revolution den Fortschritt sahen, fühlten sich von den unbegrenzten Möglichkeiten der (Lichtstadt Paris angezogen, wo sie in dem Großstadtkessel untertauchten. Noch’ lange nach der Angliederung der beiden Länder an Deutschland optierten sie für das anscheinend liberale Frankreich, während unter der jüngeren Generation zeitweise eine gelegentlich stärkere Betonung der deutschen Kultur und des Staatszugehörigkeitsgefühls zu Deutschland hervortrat, die aber über Nacht wieder verschwunden zu sein scheinen. Von den Juden Deutschlands machten die elsässisch-lothringischen Juden 5 o/o aus. /Von bekannteren Judengemeinden nennen wir Straßburg mit über 5000 Seelen, Mühlhausen mit 2500, Metz: 1700, Colmar: 1250 und Hagenau: 600. Der Rest der 30 000 verteilt sich auf eine Reihe gesunder, kleiner Gemeinden. Nun beginnt von neuem für diese Juden die Notwendigkeit, sich an ein anderes Sprach- und Staatsgebiet anzufügen. Die Juden in den polnischen Gebieten Deutschlands. Die Ostmark war das Reservoir der jüdischen Gemeinden Norddeutschlands. Der größere Teil der Berliner Juden entstammt den Provinzen rechts! der Elbe. Weitaus stärker als ihre numerische Bedeutung ist die moralische. In die assimilatorische Tendenz der aufgeklärten Großstädter brachten diese Kleinstadt- und Landjuden Posens einen stark bewußten jüdischen Instinkt und reiches jüdisches Wissen. Rührig und zäh wußten sie sich in allen Lebenslagen durchzusetzen. Die deutsche Judenheit hätte ohne diesen Zuzug nie ihr Aufblühen erlebt. Heute Ist dieser Jungbrunnen zahlenmäßig erschöpft Aber noch sind in Posen 30 000 Juden, in Westpreußen; 16000 und in Schlesien 47000. Die Geschichte der Juden in Polen wird urkundlich bis auf das Jahr 1085 zurückge-

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