Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1919)
- Date
- 1919-01-16
- Page
- Seite 89-90 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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80 VOLK UND LAND Q0 jJlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllilllllllllllllll!illllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll|[||ll[||||||||||lllllllllll|lllllllllllllll|lllilllll|llll|lll|[||l[|||||||||[||||||||||l||[||l||ll)|||il||ll|l||IIIIIIHIIIIIIIII!± | AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTI NA - ARBEIT |j POLITISCHES Palästina und Disraeli Seit Anfang 1917 erscheint in Manchester eine Zeitschrift „Palostine“ als Organ des britischen Palästina-Komitees. Am Kopf des Blattes werden seit Anfang stets die beiden folgenden Leitsätze abgedruckt. Der eine heißt: „Das britische Palästina-Komitee ist bestrebt, die alte Herrlichkeit der jüdischen Nation in dem freiheitlichen Rahmen eines neuen britischen Palästina wieder herzustellen.“ Der zweite Leitsatz heißt: Wenn er (Lord Beaconsfield) das Heilige Land befreit und es den Juden wiedergegeben hätte, wie er wohl imstande war, anstatt sich um Rumelien und Afghanistan zu kümmern, so wäre er als Diktator gestorben .... (The Spectator). Im ersten Heft der Zeitschrift wird auf dieses letztere Zitat hingewiesen. Es heißt dort: Wir haben an den Kopf unserer Zeitschrift eine Stelle aus dem „Spectator“ aus einer lange zurückliegenden Zeit gesetzt, die manchem heute ein wenig antiquiert scheinen wird. Sie wurde vor einer Generation geschrieben und als das wohl überlegte Urteil eines besonders nüchternen Organs veröffentlicht. S:e erschien zu einer Zeit, ais die Tradition des Interesses an der auswärtigen Politik — eine Tradition der öffent liehen .Diskussionen — noch lebendig war, die abei nach der großen Parteirevolution der achtziger Jahre erlosch. Als eine Konsequenz des großen Krieges hat jeder von uns die Einsicht gewonnen, daß die auswärtige Politik uns alle berührt, und daß es nicht eine aus-! gefallene Sache sei, die wir mit Ruhe denen überlassen können, die sich damit befassen wollen. Im Lichte dieses wiedererwachten Interesses sollten wir auch noch einmal überprüfen, was der „Spectator“ vor einer Generation schrieb. Hätte Disraeli Palästina in Besitz genommen anstatt Cypern, und hätte er der Rückkehr der Juden ■ soviel Interesse zugewendet wie das damalige England der Befreiung der Bulgaren widmete, so wären damit die Fragen des mittleren Ostens für uns gelöst gewesen. Es hätte keinen Berlin-Bagdad-Traum gegeben, vermutlich auch keinen Krieg mit der Türkei Und sicher 1 lieh keine Bedrohung des Kanals, des Persischen Golfes oder Indiens. Ein jüdisches Palästina hätte dann bereits eine 40 jährige Entwicklung hinter sich. Es würde viel von der jüdischen Auswanderung aufgenommen haben, die seither sich nach Amerika und Afrika ergoß; es wäre , ein fest gegründeter Pfeiler des britischen Reiches, es j könnte seinen Platz unter den mit Selbstregierung ausgestatteten Dominiens einnehmen und einen erheblichen Beitrag zu dem Reichtum der Weltzivilisation liefern. Wa> Disraeli unterlassen hat, ist noch nicht verloren; denn durch eine seltene Chance ist die Gelegenheit wiedergekehrt. Kann es in der Beilegung der Kriegsfragen irgendein besonderes britisches Interesse oder i irgendein Einzelziel geben, daß Großbritannien erreichen 5 könnte, und welches sich mit der Bedeutung Pa'ästinas vergleichen läßt? SOZIALES „Die Arbeit“ Unter diesem Titel erscheint*) eine neue Halbmonatsschrift als Organ der Zionistischen Volkssozialistischen Partei Hapoel-Hazair. Nach ihrem Programm will sie das sozialistische Gewissen im Zionismus unermüdlich aufrufen und schärfen. „Sie kämpft gegen den idealistisch verbrämten Materialismus der Bourgeoisie ebenso wie gegen den offenen der Sozialdemokratie. Für nationalen und idealistischen Sozialismus. Schon in diesem Teile der Aufgaben, die sich die neue Zeitschrift gesetzt hat, sehen wir eine willkommene Ergänzung, der bisher aufgetretenen Bestrebungen. Sozialistischer Kampf gegen sozia'istischen Ueberschwang ist ein wichtiges Erfordernis - - auch der jüdischen Palästinaarbeit - geworden. Gegen die Uebergriffe des Kapitals stehen längst allerlei Bestrebungen im Felde. Wir möchten dem neuen Organ ein Zitat von Achäd Haam (aus: Moses, der Prophet) mit auf den Weg geben: „Erstrebet Gerechtigkeit! Vom Lügenworte haltet euch fern! Dem Einflußreichen sollt ihr nicht schmeicheln, Waisen und Witwen sollt ihr nicht bedrücken! Aber auch nicht zugunsten der Schwachen sqllt ihr die Wage herunterdrücken; auch der Arme werde nicht im Rechtsstreit bevorzugt. Nicht Haß und Neid, aber auch nicht Liebe oder Mitleid diene euch als Richtschnur in eurem Leben, denn beide überschreiten das Maß und krümmen das Gerade.nur Gerechtigkeit!“ PALAESTI NA- BIBLIOTHEK**) Asch, Schalom: Im Lande der Väter. Aaronsohn: With the Turks in Palestine. Adler, Elkan: Von Ghetto zu Ghetto (1909). Auhagen, Hubert: Beiträge zur Kenntnis der Landesnatur und der Landwirtschaft Syriens (1907). ßädecker: Palästina und Syrien. Ballod, Prof. Dr. Carl: Palästina als jüdisches Siedelungsland. Bauer, Leonhard: Volksleben im Lande der Bibel (1903). Behrendt, Paul: Die kleinste Landwirtschaft Eine Anleitung (1916). Bell, Miss G. L.: Durch die Wüsten und Kulturstätten Syriens (1908). Benzinger: Geschichte Israels bis auf die griechische Zeit. — Bibel-Atlas. *) Im Welt-Verlag, G. m. b. H., Berlin W. 35, Kurfürstenstr. 150. Preis vierteljährlich 3 M. Einzeüiefte je 60 Pf. **) Der „Welt-Verlag“ (Berlin W. 35, Kurfürstenstraße 150) übernimmt die Lieferung einzelner Werke wie auch ganzer Bibliotheken über Palästina, Kolonisation, Judenfrage usw. Auf Wunsch werden an Private, an Vereine, Gesellschaften usw. größere oder kleinere, rein wirtschaftliche wie auch weiterfassende Bibliotheken zusammengestellt. Es wird gebeten, Interessenkreis und Preisgrenze anzugeben. Spezialangebote zu Diensten.