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Volk und Land · 1919-01-16 · Heft 3 (16.1.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 3 (16.1.1919)
Date
1919-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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VOLK LAND ■JUEDISCfciMgÜMI^iSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^^UND PALAESTIN AARBEIT HERAUSGEGEBEN VON OAVIS TRIETSCH 16. JANUAR 1919 HEFT 3 I. JAHRGANG MASSENWANDERUNO UND MASSENSIEDLUNO Von Davis Trietsch. (Fortsetzung). Bevor wir uns mit der Organisation der Ueberfahrt zu befassen haben, taucht die Frage auf, .welche Elemente für Palästina geeignet sind, und welche Möglichkeiten das Land bietet. Hier gilt es, grundlegende Fragen zu klären, die leider bis heute noch im Streit der Meinungen stehen. Trotz ungefähr vierzigjähriger Dauer der neueren jüdischen Palästinabestrebungen ist über die Möglichkeiten des Landes und die Fähigkeiten des jüdischen Einwandererelementes auch das Primitivste noch weitgehend ungeklärt. Es wird daher gut sein, wenigstens einige der wichtigsten Fragen dieser Art hier zunächst ein wenig zu beleuchten. Zunächst was Palästina betrifft: Die Hauptfehler, die von jüdischer Seite bisher in dieser Hinsicht gemacht wurden, liegen darin, daß man sich vorstellte, die einwandernden Juden müßten unbedingt zunächst den Acker bestellen, um Brot zu haben. Nun ist Palästina von jeher — auf alle Fälle während der ganzen Zeit der neueren jüdischen Palästinabestrebungen — ein Agrarland mit bedeutendem Export an Getreide und anderen Bodenprodukten gewesen. Dies ist nicht hinreichend bekannt. Und wer es bezweifelt, kann sich sogar auf die Import- und Exportziffern berufen. Es wird dabei nur übersehen, daß eine starke Ausfuhr Palästinas auf dem Landwege nach anderen türkischen Gebieten ging, was in der Hafen- und Handelsstatistik natürlich nicht zum Ausdruck kam. Aber alle Unterlagen, die wir haben, lassen erkennen, daß schon allein der H a u r a n mehr Getreide produziert als mindestens das dreifache der gegenwärtigen Gesamtbevölkerung Palästinas aufessen könnte. Das Land hat also wirklich keinen dringenden Bedarf an erhöhter Getreideproduktion. Aber selbst wenn es so wäre, wie die meisten glauben, daß nämlich eine stärkere Einwanderung sich aus der bisherigen Produktion nicht ernähren könnte, würde immer noch nicht daraus für diese Einwanderung die Notwendigkeit folgen, sich selbst mit Getreidebau zu befassen. Palästina gehört in landwirtschaftlicher Hinsicht zur Zone hochrentabler Spezialkultnren, und man braucht sich nur in einer ganzen Anzahl benachbarter und klimatisch ähn- ' lieh begünstigter Gebiete umzusehen, um zu finden, daß alle diese mehr oder weniger rein agra-! rischen Bevölkerungen es a b I e h n e n, ihren Brot- I bedarf aus eigenem Landbau zu decken. Dazu sind diese Länder zu schade! Man produziert hochwertige Bodenfrüchte, erzielt im Export gute Preise und deckt den Brotbedarf von anderwärts her. Ein gutes Beispiel für solche Landwirtschaft bietet die Insel Kreta. Dort dürfte im großen und i ganzen die Hälfte des Brotgetreides eingeführt werden. Die Bevölkerung ist so wenig auf Getreidebau eingestellt, daß auf fünf Landwirtsfamilien ein paar Ochsen zu kommen pflegt, die eben dann auch für die Pflugarbeit der fünf Besitztümer ausreichen. Also selbst landwirtschaftliche, alteingesessene Bevölkerungen finden es praktischer, die Gunst . des Klimas mittelst solcher Kulturen auszunutzen, die lohnender sind als Körnerbau. Um wievielmehr müßten die in Palästina neu einwandernden und zu mindestens neun Zehntel der Landarbeit ungewohnte Juden ihrer großen Mehrzahl nach den! Ackerbau prinzipiell ablehnen, auch wenn das Land nicht selbst bereits einen Getreideüberschuß hätte. So wie der Fall liegt, wäre es ganz I unsinnig, wenn die des Ackerbaus unkundigen Juden in einem Getreideüberschußlande durchaus im Ackerbau ihren Hauptberuf erblicken wollten. So unglaublich es scheinen mag, ist aber gerade das der Fall! Die ganzebisherigejüdische Kolonisationstätigkeit ging unterdem Bann der Idee vor sich, daß erstdurch i den .Pflug in jüdischer Hand unsere | Frage zu lösen sei.! Zudem hat man dabei buchstäblich an den Pflug und an den primitiven Ackerbau gedacht, wie er in unentwickelten europäischen Ländern oder auch in Palästina selbst betrieben wird. Weil man glaubte, allzulange und zu Unrecht von der Landwirtschaft ferngehalten worden zu sein, fühlte man sich zu ihr hingezogen und erblickte ein Ideal in demjenigen Berufe, den doch (die darin Tätigen in den meisten Ländern fliehen. Die ganze bisherige Entwicklung unserer Kolonisation

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