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Volk und Land · 1919-01-09 · Heft 2 (9.1.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2 (9.1.1919)
Date
1919-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK umd LAMD JUEDlSC^I^mpmSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^^UND PALAESTIN AARBEIT HERAUSGEGEBEN v6n DAVIS TRIETSCH 9. JANUAR 1919 HEFT 2 1. JAHRGANG MASSENWANDERUNG UND MASSENSIEDLUNG Von Davis Trietsch. Die neue politische Situation, die sich für uns ergeben hat, und die uns Palästina ganz plötzlich in erreichbarer Nähe zeigt, stellt uns vor die Aufj gäbe, nun auch die Konsequenz zu ziehen und eine größtmögliche Ansiedlung in die Wege zu j leiten. Hierbei zeigen sich aber sofort zweigrundj verschiedene Auffassungen, die in Nachstehendem beleuchtet werden sollen. Während . die einen versuchen, dem keineswegs nur durch die neue politische Lage, sondern auch durch ge- I waltige ökonomische Veränderungen in der Judenschaft Osteuropas und anderer Länder hervorgerufenen Drang nach Auswanderung im weitesten Maße entgegenzukommen, fürchten andere, daß eine so starke Einwanderung aus Mangel an Möglichkeiten des Landes, wie auch an j Eignung des Menschenmaterials undi schließlich auch wegen Mangels geeigneter Vorbereitungen und Organisation nur zu Katastrophen führen müsse.! Diese versuchen daher, die Auswanderung, noch | bevor sie eingesetzt hat, einzudämmen. j Obwohl zweifellos eine Unzahl von Juden mit | erheblichen Kapitalien und gleichzeitig ein ebenfalls äußerst zahlreiches Arbeiterelement sich bereit macht, sobald der Weg offen ist, mach Palästina zu gehen, finden sich zahlreiche Warner, die sich nicht vorstellen können, daß diese Vereinigung von Kapital und Arbeit — unterstützt von der sich leicht auf neue Verhältnisse einstellenden Beweglichkeit jüdischer Köpfe — auch in Palästina die Grundlagen neuer Existenzen wird schaffen können. Mit erhobenem Zeigefinger 'stellen sich diese Warner vor den Auswanderungsstrom, den sie zurückzuhalten oder nach den bisherigen Eiriwanderungsländern zu lenken versuchen, um allenfalls einen verschwindenden Teil nach Palästina ziehen zu lassen. Es will uns scheinen, als ob diese Warner mit der inneren Verfassung der Juden, mit den Möglichkeiten Palästinas und vielleicht auch mit den Tendenzen der bisherigen Einwanderungsländer nicht hinreichend vertraut sind. Daneben sieht es noch so aus, als ob alle Erfahrungen, die der Weltkrieg hinsichtlich der Massenbewegungen, Massenverpflegung usw. gezeitigt hat, an diesen Warnern mehr oder weniger spurlos vorübergegangen sind. Wir sind uns nicht unklar darüber, daß wir mit dieser Kritik ungefähr das Stärkste sagen, was gegen diejenigen, die sich in jenem warnenden Sinne betätigen, gesagt werden kann. Aber die Dringlichkeit des Themas verträgt keine Verkleisterung der Gegensätze, keine Höflichkeiten und keine akademischen Redewendungen, hinter denen die Leserschaft ganz allgemein nicht mehr zu sehen pflegt, als kleine Meinungsverschiedenheiten. Im Nachstehenden sollen die wichtigsten Fragen, die hiermit inj Zusammenhang stehen, behandelt werden, wobei wir uns darüber klar sind, daß auch die ausführlichste Darlegung tatsächlicher Möglichkeiten keine feste Marschroute bieten kann. Die vor uns stehende Aufgabe kann auch von den größten Optimisten nicht als „ieicht“ angesehen werden. Auswanderung und Kolonisation sind Komplexe, die alle Verhältnisse normalen Lebens umfassen, und darüber hinaus noch vieles Unnormale, weil eben Auswanderung und Schaffung neuer Existenzen keineswegs das Uebliche sind und nur für den geringsten Teil der Menschheit in Frage zu kommen pflegen. Die tatsächlichen Schwierigkeiten sind also reichlich genug. Wir brauchen sie aber nicht durch eingebildete Hindernisse, wie die Mutlosigkeit und Unkenntnis sie zu sehen pflegt, noch zu vermehren! ■ Auf der anderen Seite sind aber auch d i e Schwierigkeiten nicht außer acht zu lassen, die aus dem Verbleib I jener Judenmassen in ihren jetzigen Aufenthaltsländern, oder aus ihrer Wanderung nach den bisher üblichen Emigrationszielen sich ergeben müßten. So kühn es klingen mag: — bei allen Schwierigkeiten bietet Palästina den zur Auswanderung gezwungenen jüdischen Massen den Ausweg des geringsten Widerstandes! Für so weitgreifenden Veränderungen, wie sie in solchem Falle nötig sind, kann es keine allgemein gültigen Richtlinien geben. Zur Leitung oder auch nur Beeinflussung solcher Dinge gehört ein klarer Ueberblick, eine weitgehende Erfahrung, wie vor allem eine Veranlagung und ein Temperament, das sich auch mit neuen Situationen

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