Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1919)
- Date
- 1919-01-02
- Page
- Seite 9-10 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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0 VOLK UND LAND ^- ■■ --- ■ ■ 10 die Qualität der „Zahl“. Wir meinen die örtliche Verteilung der Juden und ihren Anteil an den verschiedenen Berufen. Niemals könnte aus der bloßen Zahl der Juden und aiieh nicht aus der Mitbetrachtung ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Eigenart ein Bild von der Bedeutung der Juden im Weltganzen gewonnen werden, wenn wir nicht auch ihre eigentümliche Verteilung in Betracht ziehen. Die Juden sind nicht nur zu 96 °/o Städtebewohner, sondern in einem außerordentlich hohen Maße Bewohner gerade der H auptstädte, der Kulturzentren und der Städte, in denen Handel und Verkehr in besonders starkem Maße konzentriert sind. Diese Tatsache erhöht den wirtschaftlichen Wert und damit auch die politische Bedeutung der Judenheit in außerordentlichstem Maße. Man braucht sich nur vor Augen zu halten, wie weitgehend — besonders weltwirtschaftlich und politisch — die großen städtischen Zentren „aktiv“ sind, im Gegensatz zu dem passiven flachen Lande, um die Bedeutung dieser Verhältnisse zu würdigen. Aus der Fülle der Tatsachen, die zum Thema jüdischer Weltgeltung heranzuzienen wären, greife ich — vorbehaltlich eingehenderer Behandlung — diesmal noch die folgenden heraus: Es hat das Staunen der Welt erregt, daß die im Gefolge des Weltkrieges entstandenen Umwälzungen eine so große Zahl von Juden, besonders in Rußland, Oesterreich und Deutschland, an die Oberfläche und in die Führung gebracht haben. Trotz aller Hindernisse, mit denen die Juden gerade dieser Länder zu kämpfen hatten und die sie zu einer „negativ privilegierten“ Klasse gemacht hatten. Spricht hier nicht eine „unbändige geistige Kraft“ mit, die den Juden einen Weg finden ließ, während die Anderen die Verwirrung des Umsturzes längst noch nicht überwunden hatten? In wissenschaftlicher Hinsicht ist es bedeutsam, daß von den für die besten Leistungen erkannten Nobelpreisen auf die Juden ebensoviele gefallen sind wie beispielsweise auf Engländer und Franzosen zusammen genommen, trotz deren sechsfach größerer Menschenzahl. Hier spielt eben keine Parteilichkeit mit, und der überall zurückgesetzte Jude braucht ein solches Forum, um seine Qualitäten anerkannt zu sehen. Noch unparteiischer freilich waltet die Entscheidung beim Schach. Bei diesem königlichen Spiele ist der Sieg unweigerlich bei dem stärkeren Gehirn. Die Weltmeisterschaft ist seit langem eine innerjüdische Angelegenheit. Man kann es bedauern, daß so viel jüdische Fähigkeit, die bei „fair play“ sich in wichtigeren Dingen bahnbrechend betätigen möchte, sich auf dieses „Spiel“ zurückzog, als auf das einzige Königreich mit tatsächlich absoluter Gleichberechtigung auch für Juden! „Gleiches Recht“ ist die neue Losung, die nunmehr für adle Völker — auch die kleinen und schwachen — gelten soll. Unser Fünfzehn-Millionen-Volk ist nicht so klein und nicht so schwach. Wir werden es den großen Nationen vergelten können die uns heute helfen aus unserer unnatürlichen Lage freizukommen. Die jüdischen Sympathien sind auch in der großen Politik nicht ohne Gewicht. Vor allem aber dürfen wir auf Grund unserer besonderen Anlagen und des unter unnatürlichsten Bedingungen erreichten Standes hoffen, daß es uns vergönnt sein wird im eigenen Lande soziale und kulturelle Zustände aufzubauen, die der ganzen Welt zum Segen gereichen werden. GEDANKEN UND VORSCHLAEGE ZUR FRAGE EINER VOELKISCH - •JUEDISCHEN KOLONISATION IN PALAESTINA. Von S. Dyk, Administrator der Preuß. Domänenverwaltung. Die Idee des Zionismus, die für das jüdische Volk die politische Möglichkeit der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina erstrebt. Scheint der Verwirklichung entgegenzugehen. Od es! aber gelingen wird, ein jüdisches Gemeinwesen — in politischem wie auch sozial-wirtschaftlichem Sinne — in Palästina zu begründen, wird letzten Endes' von den Fähigkeiten der Juden selbst einen Volkskörper zweckmäßig organisieren und Verwalten zu können, abhängen. Es wird vor allem darauf ankommen, eine ländliche Bevölkerung, berufstüchtig und scholienfest, ZU schaffen und sic dauernd dem platten Lande zu erhalten. Darüber, daß zumindest rür die ersten Jahrzehnte dias jüdische Palästina in der Hauptsache ein Agrarland sein (muß., dürften sich alle im Klaren 9ein. Wenn nun auch eine vielhundertjährige unglückliche Geschichtsverumständung uns 'Juden vom platten Lande abgedrängt hat und uns gezwungen nat. vorwiegend städtischen Berufen nachzugehen, so hat sie dennoch es nicht vermocht, in uns die Liebe zur Scholle abzutöten, es nicht vermocht, unsere Eignung zur Arbeit auf dem Acker und imi Garten aufzuheben. Die jüdischen Bauern Bessarabiens, die Gutsbesitzer und Gutpächter Galiziens und der Bukowina, die Kolonisten und Agrararbeiter in Palästina und Argentinien zeugen dafür, daß wir Berufslandwirte, landwirtschaftliche Unternehmer und Landarbeiter sein können und als solche auch unter den schwierigsten politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen zu existieren vermögen. Die Unterstellung, daß für die in Palästina vorhandenen Kolonisten und Arbeiter die Triebfeder eines Idealismus allein die Ursache ihrer Berufswahl und ihres Durchhaltens auf der Scholle, daß für die jüdische Gutsbesitzer und Gutspächter nicht Idlie Landwirtschaft als Beruf, sondern die Bewirtschaftung von Gütern lediglich als kommerzielles Unternehmen Veranlassung Zu dieser ihrer ökonomischen Existenz ist, und daß die jüdischrussischen Bauern und die I. C. A.-Kolonisten in Argentinien nur durch einen sozial-wirtschaftlichen Notstand zur Betätigung auf der Scholle gezwungen wurden, beweist letzten Endes nichts weiter, als daß auch hier die drei normalen Motive alhnensfchlichen Tun und (Handelns — Idealismus ökonomische Zweckmäßigkeit und sorial-wirtscnaftiicher Zwang — zur Geltung kommen. Alle drei Kategorien — der landwirtschaftliche Unternehmer, der Bauer und der landwirtschaftliche Arbeiter — sind nötig, wenn in Palästina ein jüdisches Gemeinwesen entstehen soll, das aut Drei-