Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 378)
- Language
- German
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söhnungstage 1800 in den Synagogen zur Verlesung und wurden an die Synagogentüren angenagelt oder aufgeklebt. Flekeles hatte schon vorher in seinen Predigten angedeutet, daß eine solche Verfügung geplant sei. Die Aussprecher des Banns gingen sehr vorsichtig zu Werk, als sie öffentlich an die erste Verfluchung des Sabbatianismus in Prag vom Jahre 1726 anknüpften.35 Sie ließen daher auf ihrer Kundmachung zuerst den Text des Anathems vom Jahre 1726 samt allen Unterschriften der damaligen Rabbiner und der Prager Gemeindevorsteher abdrucken und schlössen erst an zweiter Stelle ihre neue Verfluchung des Frankismus und seiner Anhänger an. Die Verfluchung sprach von einem Schandfleck am Judentum, der sich wieder als Folge der jüdischen Sünden gezeigt habe. Das geistige Gleichgewicht des Judentums sei von einer kleinen Gruppe sündiger Menschen bedroht, einem Verbrechergezücht, das nichtswürdig und verirrt handle, töricht und verwirrt, und irreleite durch die falsche Kabbala und besessen sei vom unreinen Geiste der drei Hirten Sabbatai Zewi, Berachja aus Saloniki und Jakob Frank.36 Diese drei Bösewichter und Lügner, der ewigen Verdammnis wert, spiegeln allen Völkern und den Bekennern aller Religionen vor, wie rein und heilig sie seien, und haben Natterngezücht in ihren Händen verborgen; sie klügeln eine neue Religion aus, um der Geilheit und der Blutschande beiderlei Geschlechts die Zügel schießen zu lassen, und verkaufen mit berechneter List und Lüge die Söhne und Töchter dieser Leute dem Teufel. Darum haben sich die Oberjuristen entschlossen, daß jeder einzelne von ihnen nach seiner Predigt die Verfluchving des Sabbatianismus vom Jahre 1726 den Gläubigen persönlich verlesen und kundmachen solle, damit sie ein jeder anhöre, sich fürchte und nicht verstockt sei. Für die schriftliche Kundmachung des Bannes war, wie die Oberjuristen erklärten, die Rücksicht auf die Zukunft maßgebend. Die Gassentumulte in der Prager Judenstadt steigerten sich und erreichten ihren Höhepunkt im September und namentlich im Oktober 1800. Über ihren Verlauf sind wir leider ziemlich lückenhaft unterrichtet.37 Über das Niveau der gewöhnlichen Belästigungen und Beleidigungen seitens der fanatisierten jüdischen Gasse erheben sich einige drastische Kundgebungen religiöser Unduldsamkeit, deren Verlauf sich einigen zeitgenössischen Berichten, darunter auch solchen von amtlichem Charakter, entnehmen läßt. Da ist zunächst einmal die Störung beim Begräbnis eines Frankisten in Prag. Es war schon an anderer Stelle die Rede davon, wie sich die Familie des Jonas Wehle eines alten Juden aus Soborten annahm, wie sie in den Tagen seiner schweren Erkrankung für ärztliche Behandlung sorgte, sowohl in ihrem Hause, als auch im Krankenhaus, bis zu seinem am 21. September 1800 erfolgten Tode.38 Sein Begräbnis — das Datum 374 32