Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 316)
- Language
- German
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den Abend ein Freudenfest gefeiert und diese Megilla verlesen werden sollte. Das Ereignis hat auch der Chronist in meinem „Handschriftliches zur Geschichte der Juden in Prag II", S. 33, geschildert. 12. Megillath Wekele.11 Dem R. Isak Leb Schulhof wurden im Jahre 5524 (1764) 350 fl. gestohlen; der Verdacht fiel auf die Köchin Rechele Lasch. Diese behauptete nach dreiwöchiger Gefangenschaft, sie habe das Geld der Wekele, der Gattin des Salkind Schmelkes18 gegeben. Diese wird verhaftet und verhört. Nach langer Zeit stellt sich eine Christin, die zufällig nach Wekele gefragt und gehört hat, unter welchen Umständen sie verhaftet worden sei, als Zeugin zur Verfügung. Sie erinnert sich nämlich von der Köchin Rechele gehört zu haben, daß Wekele, als Rechele mit ihrer Tochter, die einen unsittlichen Lebenswandel führte, an ihrem Laden vorbeigegangen sei, ausgerufen habe: „Man sollte dich und deine Kinder verbrennen, ihr Hurengesindel". Rechele habe hinzugefügt, das müsse sie ihr heimzahlen, sie wolle ihr Leben daran wagen. Daraufhin wurde Rechele zum Tode verurteilt und sollte am 5. Adar geköpft werden. Über Verwendung von Wekeles Verwandten wurde sie zu drei Jahren gemeiner Arbeit begnadigt, hernach sollte sie des Landes verwiesen werden. Sie wurde auch wirklich nach Ablauf der dreijährigen Arbeitszeit ausgewiesen, wurde aber bald hernach samt ihrer Tochter wegen eines anderen Verbrechens in Nikolsburg mit dem Tode bestraft. Wekele ließ diese Begebenheiten niederschreiben und setzte den 9. Adar — den Tag ihrer endgültigen Befreiung für ihre Nachkommen als Festtag ein. 13. Megilla aus Golcjenikau.1** Am 12. Ijar 577 (Mai 1817) um Mitternacht stürzte in der Wohnung des Simon Meir und seiner Frau Rina der Ofen und ein Stück der Mauer ein und fielen auf das Bett, wo ihr kleines Kind schlief. Drei Stunden dauerte es, bevor die Steine und der Schutt weggeräumt werden konnten und die Eltern hatten jede Hoffnung begraben, das Kind lebendig zu finden. Um so größer war ihre Freude, als das Kind völlig unversehrt geblieben war; aus Dankbarkeit wurde diese Megilla geschrieben. 14. Megillath Schattenhofen.1** Jakob, Sohn des gelehrten Salomon Zucker aus Schüttenhofen, beschreibt die Judenunruhen in Schüttenhofen am 25. Adar 620 (12. März 1860), bei denen die Ortsbehörden machtlos der Plünderung der meisten 312 6