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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 271

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 271 (sequence 272)
Language
German
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IRI
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Die Brandkatastrophe in Nachod und die Austreibung der Juden aus Böhm.-Skalitz (1663-1705) Von Dr. Tobias Jakobovits Die Judengemeinde in Nachod zählt zu den vier ältesten jüdischen Landgemeinden Böhmens.1 Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts dürften hier Juden gelebt haben. Die erste Eintragung eines Juden in den Nachoder Stadtbüchern stammt aus dem Jahre 1455, wobei es sich um einen Hauskauf des Juden Rüben handelt.2 Wenn wir auch über die Häuserkäufe der Nachoder Juden im 16. und 17. Jahrhundert durch bereits erfolgte Publikationen unterrichtet sind,3 wollen wir sie doch, soweit sie die wichtigsten Einrichtungen der Nachoder Judengemeinde betreffen, kennenlernen. Die Zahl der Juden nahm daselbst im 16. Jahrhundert stark zu, so daß sie bereits im Jahre 1547 eine eigene Schule, eine Synagoge aus Holz und einen Kantor hatten, der auch die Kinder unterrichtete. Im Jahre 1596 verkaufte der Jude Salomon Campa dem Johann Vodicka ein Haus mit einem Garten, woselbst die alte Judenschul gestanden ist.4 Vorher, am 29. Jänner 1596, hatte der Jude Isak und seine Frau Anna der Nachoder Judenschaft einen Teil seines Gartens zur Erbauung einer neuen Synagoge aus Stein verkauft. Diese Synagoge bildete den Stolz der Nachoder Juden und jeder von ihnen war nach Kräften bemüht, ihr ein Geschenk zu weihen: sei es eine Thorarolle, ein Thoramäntelchen, einen teuren Vorhang für den Thoraschrank oder eine goldgestickte Decke, einen kostbaren Silberschmuck für die Thora oder einen silbernen Weinbecher. Die Nachoder Judengemeinde besaß auch einen eigenen jüdischen Friedhof, der im Jahre 1550 zuerst erwähnt wird.5 Dort hatten sie auch ein Haus mit zwei Zimmern; in dem einen wohnte der Totengräber, das andere war für die Unterbringung der fremden Juden bestimmt, die sich vorübergehend in Nachod aufhielten. Wenn es in einem Aktenstücke des Schloßarchives vom Jahre 1630 heißt,6 daß die Nachoder Judenältesten von Wenzel Schamseha „ein Stück zur Aufrichtung ihres Kirchhofes" gekauft haben, so kann darunter nur dessen Erweiterung gemeint sein, wie sie auch im Jahre 1661 eine solche vornahmen. Seit 1592 besaßen die Nachoder Juden auch ein rituelles Bad. Somit hatten Nachoder Juden bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts alle religiösen Institutionen, die zum Wesen einer Judengemeinde gehörten. 1 271

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