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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 243

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 243 (sequence 244)
Language
German
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IRI
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Ein Beitrag zur Kenntnis der Judensiedlungen in Böhmen in den Jahren 1650 und 1674 Von Dr. Josef Hrdskj) Ins Deutsche übertragen von Oberfinanzrat i. R. Dr. jur. et phil. Friedrich Karl Pick Bis zum Ausgang der Zwanzigerjahre des 17. Jahrhunderts wurde der Frage der Siedlungsweise und Population der Juden seitens der Behörden keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Wenn wir von einigen zufällig erhalten gebliebenen Berichten über die Zahl der Juden in den Städten, resp. Herrschaften absehen, wurde die erste amtliche Gesamtkonskription der in Böhmen lebenden Juden, soweit dies wenigstens bekannt ist, erst im Jahre 1618 vorgenommen. Diese Auf Zeichnung kann jedoch nicht als eine tatsächliche Konskription im heutigen Sinne des Wortes bezeichnet werden, da sie weder Geschlecht, noch Alter und Namen der Juden anführte, sondern nur verzeichnete, wieviel Personen und Judenfamilien in dem betreffenden Kreise lebten.1 Diese Zählung, welche offenbar aus fiskalischen Gründen angeordnet worden war, um den Gesamtstand der kontributionszahlungsfähigen Juden in Böhmen festzustellen, geschah nach dem dreißigjährigen Kriege, als die antisemitische Stimmung auch in den amtlichen Wiener Kreisen trotz häufiger und eindringlicher Mahnungen der böhmischen Kammer ihren Höhepunkt, mit dem Aufkommen der Reduktionsbestrebungen erreichte, die auf dem böhmischen Landtag vom Jahre 1650 zum ersten Male deutlich in die Erscheinung traten. Die hohe und im Laufe des Dreißigjährigen Krieges ständig wachsende Steuerpflichtigkeit der böhmischen Judenheit, die auf einer offenbar übertriebenen Einschätzung der kontributionspflichtigen Juden beruhte — man schätzte sie in Böhmen auf 14.000 Seelen — gab nicht nur Veranlassung zu einem Proteste der Juden (1635) gegen diese Schätzung, sondern bildete auch den direkten Anstoß zu Anordnungen der Statthalter, daß eine detaillierte Konskription der jüdischen Bevölkerung in Böhmen, insbesondere aber im Prager Ghetto, und zwar nach Alter und Geschlecht, vorgenommen werde. Im Oktober des Jahres 1635 trugen die Statthalter einer eigenen dreigliedrigen Kommission mit dem Altstädter Richter an der Spitze, auf, eine Zählung der Juden in Prag zu veranstalten; zur Durchführung dieses weitgesteckten Programmes kam es — wenigstens in Prag — erst über einen neuerlichen Befehl der Statthalter im Jahre 1638.2 Aus einem vereinzelten Berichte des Neul 243

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