Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 402)
- Language
- German
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Der Verfasser ist strenggläubiger Jude, er betont an verschiedenen Stellen, daß der Arzt Gott zu Hilfe nehmen muß, bei Amputierung von Gliedmaßen, Trepanierung der Hirnschale steht das Gelingen bei Gott, aber sympathetische Mittel, wie sie das Buch Mifalot Elokim4 kennt, wendet er nicht an. Das Buch diente ursprünglich als Einlegebuch5 der Almosenkasse oder eines Wohltätigkeitsvereines, denn die hebräischen Namen der Gemeindemitglieder, welche an der Spitze der Blätter stehen, so z. B. Mose SGL (Abbreviatur für Segan Levojoh, Fürst der Leviten, Titulatur für Leviten), Mose Kazew (= Fleischhauer) sind noch erhalten, auch der Name einer Frau Sarel Sagendels wird überliefert, später wurden die noch unbeschriebenen Blätter zur Aufzeichnung von Fragen und Antworten verwendet, welche die Arzneikunde betreffen. Das Manuskript ist schlecht erhalten, die Buchdeckel sowie die ersten und letzten Blätter fehlen; das Papier ist morsch und brüchig. Die Handschrift zerfällt in vier Teile. Die Überschrift zum ersten Teile von Nrn. 1 bis 81 sowie die ersten Seiten des Manuskriptes fehlen, dadurch ist uns auch der Titel des Buches sowie der Name des Autors unbekannt geblieben. Die Überschrift des zweiten Teiles lautet: „Folgt der andere (zweite) Teil, Fragen samt dero Beantwortung betreffend die Wundarznei (Frage 82-273)." Die Überschrift des dritten Teiles lautet: „Folgt der dritte Teil von Beinbrüchen und Ausgewing (Ausgewöhnung, Ausrenkung der Glieder (Nrn. 274-336)." Die Überschrift des vierten Teiles lautet: „Der dritte Teil zu End, fangt der viert(e) Teil an von allerhand Schuß und Brand (337ff)." I. Der erste Teil des Manuskriptes, wie es mir von Nr. 31 an vorliegt, ist mehr allgemeiner Natur. „Dem zur Ader lassen" wurde zu jener Zeit noch die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Der Autor beschäftigt sich mit dieser Frage sehr eingehend und berichtet folgendes: Der Jugend von 12 Jahren und dem Alter nach 60 Jahren mag man nich(t) lassen (zur Ader), denn es fordert solches (es sei denn es erfordert) die höchste Not sofort. Ist eine Frau in Argwohn, daß sie mit einem Kinde geht und wüßte es nicht für gewiß? Ich wollte fleißig erforschen, wie lange solche Zeit um sich wäre und so es halb um sich wäre, sie aber nicht spürt das sich was rührt und wäre der Mond im Zunehmen, so wollt ich ihr ein Luft „Lemi" (?) thun auf den rechten Arm, nämlich der Leberader. So einer schwangern Frau ihre Rechnung herbei von der Geburt komme, sie begehrt man soll ihr zur Ader lassen, wo ist ihr zu lassen und was 402 4