Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 399)
- Language
- German
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Aus einem jüdisch-deutschen Lehrbuche der Medizin. Von Heinrich Flesch. Die Papierhandschrift, nicht paginiert, 264 Quartseiten von mir gezählt, welche mir zur Beschreibung vorliegt, ist für die jüdische Volkskunde von großem Wert. Eine Überprüfung der Quellen,aus welchen der Abschreiber geschöpft, die genaue Kenntnis des Arzneischatzeswelchen er angewendet und zu welcher Zeit die Arzneimittel zur An wen, dung gelangten, was für die Geschichte der Medizin sicher von Wert wäre, muß einem Fachmanne auf diesem Gebiete überlassen werden. Das Manuskript stellt sich als Lehrbuch der Medizin dar, welches die Anatomie, Physiologie, Chirurgie und zum Teile auch die innere Medizin, sozusagen das ganze weite Gebiet der Heilkunde umfaßt. Nicht uninteressant ist die Katechismusform, in welcher das Manuskript abgefaßt ist. In 474 Fragen und Antworten — die Fragen sind mit laufenden arabischen Ziffern versehen, Nr. 1—30 fehlen, ebenso einige Blätter am Schlüsse — wird der Lehrstoff der Heilkunde, soweit er Wundärzten, zum Teile auch den jüdischen Badern jener Zeit bekannt war, erschöpfend dargestellt. Die Handschrift ist als ein Nachschlagwerk für die Praxis eines jüdischen Wundarztes oder Baders gedacht, ist vielleicht auch Studienbehelf für jüdische Baderlehrlinge gewesen. — Das Lehrbuch hat ein jüdischer Wundarzt niedergeschrieben, nennt er sich ja an verschiedenen Stellen des Manuskriptes „Wundarzt". Ob er zur Führung dieses Titels berechtigt war, oder sich diesen selbst zugelegt, entzieht sich meiner Beurteilung. Es ist wahrscheinlich, daß der Verfasser des Manuskriptes aus alten medizinischen Werken und Kräuterbüchern abgeschrieben hat, mit vielen Fachaasdrücken, die ihm sehr geläufig sind, auch mit den von Wundärzten getroffenen Anordnungen und Heilmethoden den Titel übernommen hat. Der Verfasser, besser gesagt, der Schreiber schildert am Ende des 2. Teiles in Nr. 273, wie der Wundarzt sich zu dem Patienten verhalten soll. Dort heißt es: Frag: Wie soll ein Wundarzt gegen sein Verwunden (seinen Verwundeten) sein Gesicht und wie soll er sich gegen ihn verhalten. Antwort: Er soll ihm freundlich zusprechen, ihm (ihn) auch unterrichten, wie er sich in der Kur verhalten soll, die Diät fleißig den Umständen zusprechen, ohne sein Wissen den (dem) Kranken nichts zulassen, so wird er in seinem Gewissen Ruh haben." Schrift und Stil des Manuskriptes verweisen auf die erste Hälfte des XVII. Jahrhunderts, 1 399