Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 384)
- Language
- German
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32 Dekret des Prager Magistrates vom 16. April 1832. 83 Landau erklärte dies mit den Worten: ,,.. .daß, wenn dieß nicht der Fall gewesen wäre, sie auch gewiß davon Gebrauch gemacht hätten, auch noch der Umstand, nachdem es bei den Israeliten bekannte Sitte ist, ihren Kindern den Namen ihrer verstorbenen Vorfahren, und öfters auch jene von großen, heiligen und ausgezeichneten Personen beizulegen, so stellt sich dadurch klar dar, daß auch jene bei den Israeliten vorkommende nichtbiblische Namen, sich dennoch immer auf eine gewisse Achtung, dankbares Andenken und ehrwürdige Erinnerung gründen müssen, und daß demnach der Namen desjenigen, wer es auch gewesen sein möge, wenn ihn ein Israelite fuhrt, dadurch für ihn keine Profanisirung oder gar Herabwürdigung sein kann, sondern im Gegenteil die Tragung dieses Namens eine gewisse Achtung noch voraussetzt." 34 Sieh die Zuschrift des Guberniums an den Magistrat vom 14. Juli 1832. 35 Der Magistrat forderte den Landau am 6. August 1832 auf. 36 Mit ihrem Verzeichnisse kann sich der Leser in der Beilage zu dieser Studie näher bekanntmachen. Er wird daselbst finden, wie die Prager jüdischen Vorsteher die einzelnen christlichen Namen, die die Juden als Vornamen für sich gebrauchen wollten, auslegten und erklärten. Ich habe das Verzeichnis mit dem späteren ausführlicheren Verzeichnisse Landaus zu einem Ganzen vereinigt. Aus der Beilage wird der Leser auch die Naivität mancher der etymologischen Auslegungen sowie die sachlichen Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen den beiden Verzeichnissen erkennen. 37 Die Schreiber des Gutachtens fügten hinzu: „Der Hauptzweck konnte kein anderer sein als die Israeliten auch dieser Verachtung und Spott erweckenden Gewohnheit zu entziehen, und sie durch ächte deutsche Namen der öffentlichen Gesellschaft näher zu bringen, wie sich auch der Eingang des allerhöchsten Systemalpatentes vom Jahre 1797 kräftig ausspricht." 38 Sieh die Beilage. 39 Aus dem Texte der Landauschen Äußerung hebe ich hervor: „Was daher jene von den Gemeindevorstehern vorgelegten Verzeichnissen betrifft, so kann der Unterzeichnete aus den eben auseinandergesetzten Ursachen nicht zugestehen, daß diese Namen bei den Israeliten einen besonderen Werth gegen andere bei ihnen ebenfalls gebräuchliche deutsche Namen haben, so wie es überhaupt einleuchtend ist, daß solche ethymologische Hypothesen aus den Köpfen von Ethymologen und Alterthümlern, von denen sie entlehnt sind, an ihren Schreibepulten ausgeschwitzt werden können, aber keinen Israeliten, wer er auch sein möge, etwas ähnliches, wenn er seinem Kinde einen deutschen Namen gibt, jemals einfallen kann oder wird, und diese spitzfindigen Theorien in der Ausübung sich nicht bewähren können." 40 Das Verzeichnis sieh in der Beilage, wo es mit dem Verzeichnisse der Prager jüdischen Vorsteher zu einem Ganzen vereinigt ist. 41 Entscheidung des Guberniums vom 23. Juli 1833. 42 Sieh die Äußerung des Fischer vom 12. August 1833. Wir lesen dort: „...daß nach seiner angestellten Prüfung die in einigen... Verzeichnissen der Oberjuristen und Gemeindevorstehern, vorzüglich in jenen, welche die letztern mit vieler Belesenheit und Umsicht verfaßt und zur hohen Einsicht vorgelegt haben, angeführten hebräischen Vornamen mit den beigesetzten Heiligen und übrigen Namen allerdings einerlei Bedeutung haben, und da die von den erwähnten Vorstehern erstattete Äußerung auf Wahrheit gegründet ist, so verdient insbesonder ihr ausgesprochener Wunsch, daß die Führung wohllautender deutscher Namen denen Israeliten im Königreiche Böhmen zur Gleichstellung mit ihren Glaubensgenossen in den andern österreichischen Staaten möchte gestattet werden, gewürdigt und berücksichtigt zu werden." 43 Diese Urgenz unterfertigten 15 Prager Juden: Jacob M. Jerusalem, Joseph Taussig, G. Fischel, Gottlieb Wehle, M. Edler von Hönigsberg, Jos. Hirsch, I. Epstein, MUDr. Adolf Wehle, Wolfgang Löwenfeld, Salomon Schmelkes, 75 383