Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 357

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 357)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2644300-2644311--3734-2648082
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Veranlassung anzeugt, analog war, und wenn wir im alten Testamente ja Namen finden, wo ihre Bedeutung nicht angeführt ist, und daher solche nicht wissen, so muß wahrscheinlich dennoch immer eine Veranlassung dagewesen sein, warum man diesen oder jenen so oder so nannte." Aus dem alten Testamente erführen wir auch, daß die Juden, wenn sie unter fremden Völkern lebten und dort Würden und Ämter annahmen, auch die einheimischen Namen gebrauchten. („So gab der König Pharo Joseph den egyptischen Namen Zophnath Pancach u. dgl. m.") Als die Juden dann später als selbständiger Staat mit den übrigen Nationen in regen Verkehr traten, von denen sie später abhängig geworden seien, hätten sie auch die Namen dieser Völker verwendet. Viele hervorragende jüdische Männer und namhafte Rabbiner hätten mit Vorliebe babylonische, persische, arabische, griechische und lateinische Vornamen geführt. „Und als das Christenthum entstand, die Israeliten keinen Anstand nahmen, ihren Kindern den Namen des Stifters und dessen Aposteln zu geben, so wie damals noch heute sich viele Israeliten Jesu, Johann, Peter und dergleichen sich nannten und noch nennen." Aus dem Talmud und anderen späteren jüdischen Kirchenschriften sei zu ersehen, daß die Juden bei der Wahl ihrer Namen nie auf die biblischen Namen beschränkt gewesen seien, im Gegenteil, sie hätten auch die Namen anderer Völker und die Namen christlicher Heiliger gebraucht und gebrauchen können, und diese Namen seien auch von ihnen geschätzt worden ,33 Auf welche Art nichtjüdische Namen unter den Juden entstanden und welchen Ansehens sie sich bei ihnen erfreuten, weist Landau an dem Namen Alexander nach : Als nämlich Alexander der Große auf seinen großen Eroberungszügen gegen Jerusalem zog und sich anschickte, es einzunehmen, habe sich ein jüdischer Fürst, Juda der Gerechte, aus der Stadt zu ihm begeben, um ihn vom Angriffe auf Stadt und Tempel abzuhalten. Er wies ihm nach, daß die Einnahme der Stadt keineswegs zu seinem Ruhme ausschlagen werde; es würde vielmehr diesem eher förderlich sein, wenn er sich zu der bedrohten Stadt edelmütig verhielte und sie verschonte. Die Juden aber würden niemals dieser großmütigen und edlen Gesinnung vergessen, zu deren Gedächtnis alle in diesem Jahre in Jerusalem geborenen Knaben Alexander genannt werden würden. Der große Alexander habe sich der Stadt erbarmt, die angebotene Ehrung angenommen und sei weitergezogen . In jenem Jahre hätten alle in Jerusalem geborenen Knaben bei der Beschneidung den Namen Alexander erhalten. Landau fügte hinzu, daß dieser Name sich bis heute unter den Juden großer Beliebtheit und Achtung, besonders bei den Nachkommen des Stammes Aron, erfreue. Landau benützte das Beispiel des Namens Alexander, um darzutun, daß die Juden schon von urdenklichen Zeiten an nicht an den biblischen Namen festhielten, sondern daß sie in reichem Maße auch die Namen 356 48

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.