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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 351

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 351)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3728-2648076
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Christen trennenden Schranken niedergerissen werden sollen. Es könne ja vielleicht eingewendet werden, daß den Juden nicht zustehe, Namen von christlichen Heiligen, wie Marie, Josef, Johann, Mathias, Thomas, Bernhard, Bartholomäus, Anna, Cäcilie u. dgl. zu gebrauchen; dann aber hätten diese Namen in dem Verzeichnisse erlaubter Namen nicht erscheinen dürfen, dafür aber hätten darin Namen stehen sollen, wie Hugo, Eduard, Wilhelm, Eugen, Gustav, Arnold, Mathilde, Angela, Albertina, Aurelie, Klaudina, Emilie, Flora usw., die nicht Heiligennamen seien. Nach all dem Vorausgeschickten brachten die jüdischen Bittsteller ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß man den Juden eigentlich überlasse, nach ihrem Belieben irgendwelche deutschen Namen zu wählen, und daß eine Beschränkung nur für den Fall gelte, daß sie sich keinen deutschen Namen wählen wollten; in einem solchen Falle sollte ihnen das Verzeichnis erlaubter hebräischer Namen Berater sein. Um auch die Juden von der Nützlichkeit des Gebrauches christlicher Namen zu überzeugen, schreiben sie in ihrem Gesuche direkt: „Es kann für den Staat so wie für die christlichen Unterthanen unmöglich von dem mindesten Nachtheil sein, wenn die Juden sich christliche Vornamen beilegen dürfen, wohl aber ist das Verbot derselben von großem Nachtheil für den gesellschaftlichen Stand des Juden, denn noch ist bei dem gemeinen Manne das Vorurtheil gegen Juden nicht beseitigt, noch dient oft schon der Name, da er selbst ins Deutsche übersetzt, auffallend klingt, zum Spott und macht sich in Schulen, bei Lehrlingen und in so vielen anderen Gelegenheiten bemerkbar, weil schon der bloße Name bei der minder gebildeten Klasse das Vorurtheil rege macht, und auf den Besitzer desselben übel zurück wirkt." Wenn es des Kaisers Absicht gewesen wäre, die Juden auf eine kleine Zahl nichtdeutscher, aber einigermaßen verdeutschter jüdischer Namen zu beschränken, dann hätte es bis vor Kurzem nicht gestattet werden sollen, christliche Namen zu gebrauchen; es hätte in der ganzen Monarchie und in der Hauptstadt nicht geduldet werden sollen, daß den jüdischen Kindern allgemeine und ohne Beschwer auch christliche Namen gegeben wurden, so daß viele richtig jüdische Namen, wie Salomon, Moses, Isak, David usw., bereits zur Seltenheit geworden seien. Und es habe sich bisher noch kein Fall gezeigt, in welchem daraus jemandem irgendein Schaden entstanden wäre. Noch kürzlich, bei der Revision der jüdischen Familien in Böhmen, sei es niemandem auch nur eingefallen, gegen den jüdischen Gebrauch christlicher Namen aufzutreten. Das habe erst der Prager Magistrat durchzuführen begonnen, der die jüdischen Familienväter zu sich berufen und genötigt habe, die deutschen Vornamen ihrer Kinder, die diese schon viele Jahre von ihrer Geburt an getragen hätten, durch hebräische Namen zu ersetzen. Beschwerden an den Magistrat seien vergeblich gewesen. Nunmehr aber 350 42

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