Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 232)
- Language
- German
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Kreises Josef Joachim Vancura von ftehnitz, der Prager Erzbischof Graf Manderscheid und dessen Generalvikar.78 Von der Erneuerung der Religionskommission und von der Religionsverfolgung, zu der es unter dem Eindruck der Aufdeckung der Sekte der sog. Bidschower Israeliten kam, wurde die böhmische Judenschaft nur insoweit berührt, als sich das alte Bemühen um eine völlige Separierung der christlichen und der jüdischen Bevölkerung wieder bemerkbar machte. Es äußerte sich zunächst in der Anlegung einer bezüglichen Konsignation,79 sowie darin, daß hie und da neue Verhaltungsmaßnahmen für die Juden (Judenordnungen) erlassen wurden, wie dies z. B. in der Nachbarschaft von Bidschow, in der Stadt Hofitz der Fall war.. .80 Mit Jahresende 1750 wurden die drei Pitaschen Parteigänger Georg Psenicka, Georg Krcmaffk und Lukas Voln^ in Freiheit gesetzt, denen die ursprüngliche Todesstrafe in dreijähriges Zuchthaus umgewandelt worden war; dadurch wurde der Prozeß mit den sog. Bidschower Israeliten aus dem Jahre 1747—1748 völlig liquidiert.81 Die Sekte selbst war aber dadurch nicht aus der Welt geschafft; trotz der strengen Befehle Maria Theresias, trotz der Maßnahmen der Religionskommission und trotz der erhöhten Wachsamkeit der dem Königgrätzer Konsistorium unterstehenden Seelsorger war die Sekte der sog. Bidschower Israeliten nicht unterdrückt . Die strengen Blutstrafen, welche die Rädelsführer ereilt hatten, hatten die Gesinnungsgenossen nicht abgeschreckt. Die Sekte lebte unterirdisch weiter, hielt sich vermutlich vorsichtig verborgen, und erhob besonders nach der Kundmachung des Toleranzpatentes im Jahre 1781 wieder ihr Haupt. Ihr Zentrum war freilich nach dem Tode Pitas vom Bidschower auf Chlumetzer Gebiet übergegangen, wo sie sich besonders fest im Städtchen 2izelitz in der Familie Vrbicky einwurzelte; einzelne Mitglieder dieser Familie waren bereits im Jahre 1747 in Untersuchung wegen Gesinnungsgenossenschaft mit Pita. Ein Beweis dafür, daß die im Jahre 1748 über Pitas Gesinnungsgenossen gefällten Strafen nicht eingeschüchtert haben, ist einmal der uns bereits bekannte Fall der Magdalena Rockin aus Neu-Bidschow, die durch das kirchliche Urteil des Königgrätzer Konsistoriums vom 23. März 1752 als der Ketzerei stark verdächtig erklärt wurde, unter anderem auch aus dem Grunde, daß sie Pitas Sekte verteidigt hatte;82 ferner das bereits angeführte Urteil des Königgrätzer Konsistoriums vom 18. Dezember 1758 über den 2izelitzer Johann Vrbicky,88 der im Prozeß mit der Sekte der sog. Bidschower Israeliten durch Urteil vom 12. Jänner 1748 zur Ablegung des katholischen Glaubensbekenntnisses verurteilt worden war. Und um die Jahresmitte 1774, vermutlich im Zusammenhange mit der steigenden Gärung unter den geheimen Akatholiken Böhmens und in der Atmosphäre des vorbereiteten Bauernaufstandes, tauchten „jüdi- 85 231