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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 115

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 115)
Language
German
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Geschmeidler: Der Aufenthalt der Judenschaft auf dem Lande verursache ihnen Schaden, da diese draußen ihre Ware verschleißen und niemand hereinkomme, ihnen ihre eigene Ware abzukaufen. Es wäre nützlicher, wenn die Juden wieder nach Prag kommen möchten. Schneider: Die Juden verfertigen auf dem Land Arbeit, sodaß kein Fremder nach Prag komme, sich was anzuschaffen. Sie würden es lieber sehen, wenn diese in Prag oder ganz aus dem Lande wären. Schuster: Ihr Schaden durch die Emigration besteht darin, daß sie den Prager Handelsleuten für die von ihnen benötigten Waren einen höheren Preis zahlen müssen als früher den Juden. Riemer: Die Juden kaufen auf dem Lande das Leder ein, verfertigen und verkaufen dort das Riemerzeug, während sie keine Landarbeit mehr erhalten und das Leder hier um das Doppelte einkaufen müssen. Es wäre nützlicher, wenn die Juden in Prag wären. Strumpf Stricker: Vom Lande kaufe keiner ihre Ware, da die Juden das Land damit versehen. Zimmerleute: Durch die Abwesenheit der Prager Juden erleiden sie einen Schaden, weil ihnen in der großen und weiten Judenstadt viel Arbeit und Nutzen entgehe. Gürtler: Der Landaufenthalt der Juden schadet ihnen mehr, als wenn sie in Prag wären. Sie verkaufen dort ihre Ware und kein Landmann kommt herein, ihnen Ware abzukaufen. Ziegeidecker: Sie haben weder Schaden noch Nutzen. Binder: Die Abschaffung der Juden verursachte ihnen großen Schaden, da sie von ihnen viel Arbeit und Nutzen gehabt haben. Barbierer-Confraternität: Durch ihre Abwesenheit erleiden sie einen merklichen Schaden. Bei den Juden war alles wesentlich wohlfeiler zu haben gewesen. Glaser: Sie erhalten in den umliegenden Ortschaften keine Arbeit mehr, die Juden sollten wieder nach Prag kommen oder in ihrer Nahrung eingeschränkt werden. Im übrigen ist es allgemein bekannt, daß man bei den Juden alles billiger erhalten kann. Kleinuhrmacher: Wenn die Juden in Prag wären, würden sie zwar einen Schaden in der Handlung, nicht aber in der Arbeit erleiden. Lebzeltner: Die Vertreibung der Juden verursachte ihnen den größten Schaden. Wenn die Juden noch zwei Jahre ausblieben, würden sämtliche bürgerliche Lebzeltner außerstande sein, die öffentlichen Lasten zu tragen, ja sie müßten zum Bettelstabe greifen. Auch ihrer Majestät entgehe dabei für den eingeführten Sirup ein bedeutender Aufschlag, dessen Verbrauch jetzt 100 Zentner gegenüber von 300 Zentner von früher ausmache. Es wäre ihnen sehr lieb, wenn ihre Majestät den Juden erlauben möchte, wieder nach Prag zu kommen. 114 58

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