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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 4

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3381-2647729
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Hussitentum und Judentum Von Dr. Ruth Kestenberg. Die hussitische Bewegung verursacht tiefgreifende Veränderungen — auch in der Betrachtung der Judenfrage. Im Mittelalter ist für das Verhalten zu den Juden die Tatsache maßgebend, daß die Juden Jesus Christus gekreuzigt haben. Darum hat Gott das früher auserwählte Volk aus seinem Herzen und aus seinem Vaterlande verstoßen. Von dieser religiösen Überzeugung aus formt sich die christliche Einstellung gegenüber den Juden im Mittelalter. Die Juden haben nicht nur in der Vergangenheit gefrevelt, sie sündigen ununterbrochen weiter, indem sie die Gottheit Christi und die christliche Religion überhaupt leugnen. Nicht minder als ihre Religion erregt die soziale Existenz der Juden das Mißfallen der christlichen Umwelt. Für die Christen war das kanonische Zinsverbot verbindlich.1 Der Jude ist der allein zugelassene Geldverleiher, ohne den man auch im Mittelalter nicht auskommen kann. Er macht sich durch diesen seinen Beruf allgemein verhaßt. Je schlechter die Lage infolge des Zusammenbruchs des mittelalterlichen Wirtschaftssystems wird, desto grausamer werden die Judenverfolgungen, und desto mehr sehnen sich die Menschen nach dem Ende der krisenhaften Verhältnisse. Biblische Weissagungen nähren diese Sehnsucht. Die jüdischen Propheten hatten ein messianisches Zeitalter geweissagt. In der Zeit des Messias wird ewiger Friede herrschen, wird das Lamm neben dem Wolf weiden, und niemand wird mehr arm sein. Das Neue Testament, insbesondere die Johannes-Apokalypse, hat diese Prophezeiungen aufgegriffen und die Wiederkehr Christi in der Endzeit in einem tausendjährigen Reich des ewigen Friedens und der ewigen Glückseligkeit verkündet. Vor Beginn der Endzeit aber sollte — ebenfalls in Anlehnung an alttestamentarische Weissagungen — ein schrecklicher Drache mit sieben Köpfen aus dem Meere aufsteigen und alle, die nicht auserwählt sind, um sich versammeln. Mit diesen wird er die Auserwählten bekämpfen und sie überwinden. Nach kurzer Zeit aber wird der Drache in den Abgrund fahren, und die Endzeit wird beginnen. Um zu bezeichnen , daß der Drache das absolute Gegenteil des Erlösers Jesus Christus ist, wird er Antichrist genannt. Die Juden spielen in der Endzeitvorstellung eine entscheidende Rolle. Nach dem Glauben der Kirchenväter werden sie zum Heer des Antichrist gehören ,2 Der Antichrist selbst wird aus jüdischem Geschlecht hervorgehen. Diese Vorstellung ist — so absurd dies klingt — aus der 1 1

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