Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 409)
- Language
- German
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erhalten ist, in der das Mittelschiff geringere Breite hat als die seitlichen und bei der (im Gegensatz zu den Kreuzgewölben des älteren Lemberger Typs) bereits „böhmische" Kappengewölbe verwendet wurden. Der Almemor sitzt nicht mehr wie in Lemberg lose innerhalb der vier Säulen; diese sind vielmehr als dessen Eckpfeiler anzusehen. Man kann also die „alte Synagoge" in Rzeszöw als direktes und mutmaßlich bewußt kopiertes Vorbild für Soborten ansehen. Ursprünglich und zugleich mit dem Hauptraum errichtet, bestand an der Südseite ein Anbau, der der Chewrah vorbehalten war; hier wurden auch die Särge gezimmert. Wie überall, sind auch hier die Frauenemporen später eingerichtet worden: im Raum der Chewrah, sowie oberhalb des langgestreckten, später eingebauten westlichen Windfanges. Oberhalb des ersteren ist (vermutlich mit Einführung des liberal-reformierten Gottesdienstes) ein Raum für Orgel und Chor geschaffen worden. Eine Seidenfahne, die auf der Vorderseite das Clary'sche Wappen aufweist, wurde von Edmund Fürst Clary-Aldringen 1841 für die Sobortner jüdische Nationalgarde gestiftet, die sich auf dessen Wunsch zum Schutz des grundherrlichen Besitzes gebüdet hatte. Die gleichfalls bemalte Rückseite der Fahne zeigt die Steintafeln des Dekalogs, gekrönt von der Fürstenkrone und (eigenartigerweise) die jüdische Jahreszahl 5601 (1841) in römischen Buchstabenziffern. Die Gesetzestafeln schweben in einem Wolkengebilde mit der Inschrift: Be-schem Elohenu nidgal (Ps. 20, Vers 6) — „Im Namen unseres Gottes wollen wir das Panier erheben." Ein Opferstock mit der hebräischen Jahreszahl 5580 (1820), sowie eine Bronzekrone mit der eigenartigen Inschrift: „£ubbusische Ambt Äkirche, Anno 1654" ergänzen das Inventar des in seiner Bauart so landfremden Gotteshauses. d) Nikolsburg. Die große Bedeutung Nikolsburgs für die Geschichte der Juden liegt nicht nur in dem Umstände, daß im 16. Jahrhundert der Sitz des mährischen Landesrabbinats hierher verlegt worden war und sich hier durch 300 Jahre erhielt, sondern auch in den führenden Persönlichkeiten jüdischer Wissenschaft, die in der Gemeinde als Rabbiner wirkten. Der Hohe Rabbi Low, R. Lipmann Heller, R. David Oppenheim und viele sonstige Größen jüdischer Gelehrsamkeit hatten in Nikolsburg ihre Wirkungsstätte. Die Entstehung der Gemeinde wird in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts verlegt.12 Über die Bauzeit der alten, noch bestehenden Synagoge geben uns zwei Inschriften Aufschluß. Willmann hat aus der Punktierung des hebräisch abgefaßten Verses: „Ich habe geheiligt dieses Haus, auf daß mein Name dort sei bis in Ewigkeit", die Jahreszahl 5310 (1550) herausgelesen und nimmt an, dies sei die Zeit der Renovation, da der Bau viel älter sein müsse. Und das ist glaubhaft, da urkundlich berichtet wird, die Synagoge sei 1450 unter dem Schloßberg errichtet worden. An dieses Gotteshaus wurde sodann 1689 ein für die Frauen bestimmter Zubau angefügt. Für die vorstehende Forschung dürfte aber die zweite, von 407