Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 382)
- Language
- German
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wurde mit Gubernialdekret vom 22. V. 1819, ZI. 7879 (Mag. Dekr. vom 4. VI. 1819, ZI. 12.029) errichtet. Im Jahre 1819 wurde auch eine außerordentliche religiös-moralische Lehranstalt für erwachsene Israeliten errichtet, vor allem zur Prüfung von Brautleuten aus „Bnezion" und Erteilung von Moralunterricht an Lehramtskandidaten, doch erwies sich die Anstalt als zwecklos und ihre Tätigkeit wurde der Hauptschule übertragen. Mit Gubernialdekret v. 1. X. 1835, ZI. 41.215 wurde der 2. Jahrgang der 4. Hauptschulklasse errichtet, mit Gubernialdekret vom 12. XII. 1845, ZI. 67.429 die 3. Klasse der Mädchenschule. Jetzt zählt die Hauptschule samt der Vorbereitungsklasse 6 Klassen. Direktor M. Winternitz, 3 Lehrer, 1 Zeichenlehrer, 2 Lehrer-Gehilfen. Mädschenschule: 2 Lehrer, 2 Lehrer-Gehilfen, 2 Industriallehrerinnen, 1 Gehilfin, Hausmeister, 2 Sonntagsschullehrer. Aus dem Ertrag der Judensteuergelder erhalten. Aufwand für beide Schulen: Personal 5731 fl. 44 kr., Sachen 1050 fl., zusammen 6781 fl. 44 kr. Der Vorsteher der Judengemeinde Landau errichtete außerdem auf Anregung des Oberstburggrafen Gr. Chotek auch einen Kindergarten in NC. 208. Jüdische Vereine in Prag: 1. Beschneidungsgremium; 2. Zirkel von 9 Personen zur Verrichtung von Gebeten, Chuke Chajem, seit 1786; 3. Verein Derach hachajem zur Unterstützung von Bedürftigen mit Nahrungsmitteln, seit 1786; 4. Verein Derach jeschara für Hauskrankenpflege, seit 1788, genehmigt mit Gubernialdekret v. 6. VII. 1821, ZI. 21.993 und v. 2. IV. 1833, ZI. 7516, i. J. 1850 Fondshöhe 17.400 fl.; 5. 40gliedrige Gesellschaft Kerchesarwe (?) oder Hebron, seit 1790; 6. Bekleidungsverein Marbuchaumin; 7. Suppenverein Mechalke tarnegolim seit 1786; 8. Verein Mellasim oder Hachnosses zur Begleitung von Verstorbenen seit 1790; 9. Verein Menachem awelim zur Tröstung Trauernder seit 1724; 10. Verein Mewake cholim zur Unterstützung der Kranken seit 1724; 11. Gesellschaft zur Verrichtung von Gebeten fast in jeder Synagoge: Nessives hachajem seit 1790, vormals Schomrim laboker oder Chehos hajem (?), auch Nesives nefesch; 12. Gebetsverein für das Seelenheil, Weg zur Seligkeit, Orah lachajim, seit 1786; 13. Verein Bikor cholim zur Beschaffung von Arzneien, seit 1786; 14. Verein Sandikos für Gevatterschaft seit 1786; 15. Verein Tikon nefesch zur Verrichtung von Gebeten für Sechswöchnerinnen, seit 1784; 16. Verein Zorche mezim zur Unterstützung der Armen, seit 1786; 17. Verein Zorche schabes zur Unterstützung der Armen, seit 1790; 18. Verein Sekenim zur Unterstützung der Kranken; 19. Verein zur Unterstützung der Frauen; 20. Religiöser Verein in der Altschule, begründet i. J. 1835 von Landau; 21. Kindergarten an der Hauptschule, begründet i. J. 1835 von Landau auf Anregung des Oberstburggrafen Gr. Chotek; 22. Verein zur Unterstützung von Brautleuten, seit 1837, 53 Mitglieder; 23. Kabronim oder Beerdigungsbruderschaft, seit 1564, der auch ein ausgedehnter, 2833 Quadratklafter messender und unbenützter jüdischer Friedhof gehörte und die auch die Totenmatriken führte. Die nach dem Jahre 1837 entstandenen Vereine wurden vom Magistrat in seinem Berichte nicht angeführt. Stiftungen: Über 300 Stifter, über 1,000.000 fl. WW. Stiftungsvermögen, von dessen Ertrag das Spital, das Waisenhaus, die Synagogen, die Armen, die Brautleute, die Studenten, die Schüler, die Stiftungsverwaltung, das Mehl zu Ostern, der Baufonds u. dgl. bezahlt wurde. Verwaltung der Judengemeinde: I. Politische und Wirtschaftsverwaltung : erster Vorsteher (M. I. Landau, 1000 fl., gest. 4. V. 1852, dann Ernst Wehli), zweiter Vorsteher (500 fl.), dritter Vorsteher (unbesoldet), Aktuar, Protokollist, Kanzellist, Diener, Aufseher über die Gassenreinigung, Konskriptionsdiener, 4 Nachtwächter, Wächter auf dem Rathausturm, Gefangenenaufseher. Beim Gemeindevorstand auch ein Depositenamt zur Aufbewahrung der Stiftungsurkunden, wichtiger Rechtsdokumente u. dgl. Die Totenmatriken führte die Beerdigungsbruderschaft. Die Jahresausgaben der Prager Judengemeinde betrugen damals 21.096 fl. 29 kr. CM.