Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 202)
- Language
- German
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Die Entstehung des Juden-Systemalpatentes von 1797. Von Prof. Dr. Ludwig Singer. Vorbemerkung. Wenn man die Akten des Wieners Staatsarchivs, die des Ministeriums des Innern, die Indices und Protokolle der Vereinigten böhmisch-österreichischen Hofkanzlei und ihres Nachfolgers, des „Directorium in Cammeralibus et Publico-Politicis", mit Rücksicht auf die Entwicklung der böhmischen Judenfrage in den Jahren 1790 bis 1797 durchsieht, wird man in den Erledigungen von Ansuchen, Bitten, Beschwerden immer wieder den Hinweis auf das künftige Systemalpatent finden. Die Ordnung der Verhältnisse der böhmischen Judenschaft war eine der Aufgaben, die die Regierung Leopolds von der Josefinischen übernommen hatte, aber infolge des jähen Hinscheidens des Kaisers nicht vollenden konnte. So blieb auch diese Angelegenheit der Entscheidung Franz des Zweiten vorbehalten. Zweierlei kam in Betracht: der politische Teil, die Festlegung der Rechtsverhältnisse, und die Neuregelung der Besteuerung, denn die Ordnung von 1789 bewährte sich nicht. Beides wurde gleichzeitig verhandelt, wie es ja auch dem sachlichen Zusammenhange entsprach, aber daraus ergaben sich mannigfache Hemmnisse. Auch viele Bittschriften einzelner und ganzer Körperschaften, Denkschriften und Vorschläge verschiedener Art beeinflußten den Gang der Verhandlungen. Wir wollen der leichteren Übersichtlichkeit halber die beiden Hauptgebiete getrennt behandeln. I. DIE EIGENTLICHE JUDENORDNUNG. Wir haben schon gesehen, welche Stellung die Judenschaft Böhmens der galizischen Judenordnung gegenüber einnahm, wie in wichtigen Fragen durchaus keine Übereinstimmung herrschte, so insbesondere in der des Militärdienstes und in denen des Unterrichtes.1 Aber es gab auch Gebiete, auf denen die bestehenden Gesetze und ihre Handhabung von allen als gleich drückend empfunden wurden, so vor allem die über die Familiengründung. Wie sehr die Juden darunter litten, 199