Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 456)
- Language
- German
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Auskunft mit der göttlichen Hülfe erworben habe, zu versorgen und daß dieselbe nach meinem Hintritte, da ich leider mit keinem Leibes-Erben gesegnet worden bin, im mindesten vor meinen andern Freunden nicht bekränket werden möge." Simon Josl schreibt: „Nachdeme ich hier in Gottes macht liege, und so wenig, wie alle gesunde Menschen wissen können die Stund, wann Gott meine Seele von mir erfordern wird: So erklere ich mich vor Euch, Zeugen, nach reifer Überlegung und besten Verstände, um allen Streitigkeiten, die sich nach meinem Abscheiden ereignen könnten, vorzubeugen, wie es in Betreff meines Vermögens nach meinem Ableben gehalten werden soll." Die Jitschiner Juden bedachten in ihren Vermächtnissen auch ihre Synagoge; auch die Erben handeln in diesem Sinne. Im Jahre 1810 einigten sich die Erben des verstorbenen Simon Josel, von den vermachten vier Stuhlsitzen jährlich zwei (Männersitz Nr. 16 und Frauensitz Nr. 4) zu versteigern und aus dem Erlös für die Synagoge Licht und andere Erfordernisse anzuschaffen. Die Totenmatrik der Jitschiner Juden beginnt i. J. 1788 und schließt mit 1848.2 Angeführt werden darin: Todestag, Name und Zuname des Verstorbenen, sein Alter, Beruf, Wohnort und die Todesursache. Verhältnismäßig die meisten Juden starben im Alter von 54 bis 66 Jahren. Aber auch die Kindersterblichkeit im Alter von einem Halben bis vier Jahren ist verhältnismäßig hoch; sie erklärt sich freilich leicht daraus, daß die Präventivheilmittel, namentlich bei Erkrankungen an Scharlach, unterschiedlichen Katarrhen und Auszehrung nicht hinreichend bekannt waren. Das höchste Alter, das wir feststellen konnten, waren 87 Jahre bei der Jüdin Barbara aus Wokschitz bei Jitschin. Die häufigsten Todesursachen waren: Altersschwäche (31 Fälle), sog. „Fraaß" oder „Freißen" (28), Lungenentzündung und Auszehrung (23), Nervenschwäche und Nervosität (12), Blattern (12), verschiedene Katarrhe (8), kaltes Fieber (4), Asthma (5), ferner Schlag, Kindbettfieber, Gelbsucht, Leber- und Magenverhärtung, Beulen, Scharlach, Rheuma, Wassersucht, Krebs, Mandelentzündung, Gehirnhautentzündung, Darmentzündung u. a. - Fälle von unnatürlichem Tod begegnen nur dreimal, durchwegs Ertrinken; es ist jedoch nicht ausgemacht, ob es sich um Selbstmord oder um Unfälle handelt. Die Geburtenmatrik der Jitschiner Juden beginnt mit 1788 und schließt mit 18. VII. 1849.8 Die einzelnen Rubriken sind: laufende Zahl, Geschlecht des Kindes, Name des Kindes und der Eltern, ehelich oder unehelich, gewöhnlich auch Hausnummer und Zeugenunterschriften. Seit dem 16. März 1798 wurde laut kreisämtlicher Verordnung bei Knaben auch der Name dessen vermerkt, der die Beschneidung vollzogen hatte, und auch der sog. „Saudek" neben dem Namen der Eltern; bei Eintragungen von Mädchen war verordnet, „daß (dieses) von dem Schames 445