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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 432

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 432)
Language
German
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Prag, 17. Feber [1857] Bester Freund! Vielbeschäftigter Stadtarzt! Zu meiner größten Verwunderung ist aus Wien noch immer nichts angekommen . Willst Du nicht wieder anfragen oder Dich wo anders hinwenden? Was macht der Deiner ärztlichen Pflege anvertraute Baron? Genest er von seinen mannigfachen Gebrechen? Laß mich bald etwas von dem mir teuren Mann hören. Daß Du mir nicht ein Exemplar Deines Albums gesandt, ist mehr ökonomisch als schön. Aber Du wirst mir sagen, es sei mehr ökonomisch als recht von mir, es nicht selbst gekauft zuhaben. Das ist eine offene, die Debatte herausfordernde Frage. Lebe wohl, lieber alter Freund, und laß mich bald etwas hören. Der arme Tom fühlt sich recht einsam in Prag und friert am Herzen. Ich bin eigentlich hier so einsam, als wenn ich in Dobfis lebte und Du hier. Adio caro! Meißner Prag, 16. März |1857] Mein bester Siegfried! In Erwiderung Deiner ausgesprochenen Besorgnis - darf ich wirklich ein mir so schmeichelhaftes Wort hier gebrauchen? - sag ich Dir: ich werde unter keiner Bedingung in Deinem Almanache fehlen. Ich werde dabei sein und mit dem Besten, das ich irgend habe. Bestimme nur den längsten Termin, den Du für Prosa stellen kannst, Liebster! Ich habe ein Schauspiel erfunden und fast beendigt - das hat mich aufgehalten, sonst wäre ich schon mit meinem Beitrage eingetroffen. Ich dächte bis Ende April könntest Du mir Zeit lassen - dann gewiß. Herzlichen Dank für Deine Mühe mit Hostivin! Ich bin sehr neugierig, ihn vor mir zu sehen. Du tust da eine Arbeit, wie ich ihrer viel ähnliche tue. Diese Woche muß ich die ersten Verse, jene Woche das erste Drama eines mir vertrauenden Poeten lesen - das Zeug hat kein Ende. Heute früh ist mir eine „Sophonisbe" zugesandt worden, gegen die alle Gewalttätigkeiten und Bizarrerie Hedrichs Milchsuppe sind. Sende den ersten Band, den Du fertig hast, unfrankiert, so gehts am sichersten. Kömmst Du denn gar nicht einmal hieher? Komm, sei ein lieber Kerl, komm, im Mai reise ich. Totus tuus M. Wann wird Bellmann den Moccaakt honorieren können? Hedrich bleibt der alte „Ritter von der leeren unheilbar löchrigen Tasche". Prag, 26. März [1857] Bester Freund! Tausend Dank für Deine große Arbeit mit Hostivin. Du hast mir damit einen großen, großen Dienst geleistet. Früher oder später, hoffentlich schon im nächsten Winter, will ich nämlich den vollständigen Roman erscheinen lassen. Es war ein törichter Streich von mir, die ersten Partien (ein Dritteil) separat zu publizieren. Wie es mir dabei bei der Kritik ergangen, weißt Du, und daß das Buch dessenungeachtet nicht ganz wertlos, wirst Du mir, nach genauer Prüfung, zugestehen können. Dem jetzigen moralisierenden deutschen Geschmack ists freilich zuwiderlaufend. Daß ich nicht bei Dir mit einer Novelle erscheinen kann, ist mir höchst unangenehm. Eben hatte ich eine Erzählung „Der Spieltisch Peter des Großen" in der Absicht, sie Dir zu schicken, geschrieben, sie ist fast fertig; in acht Tagen hättest Du sie haben können. Nun denke ich Dir ein erzählendes (einen Druckbogen langes) Gedicht einzusenden . Zur Vollendung gönne mir noch zwei Wochen. Bringe ich's in dieser Zeit nicht fertig, erhältst Du eine Anzahl lyrischer Sachen. Ists Dir so recht? Kannst 421

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