Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 425)
- Language
- German
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Briefe an Kapper 16. Brief von Karl Egon Ebert^o Euer Wohlgeboren! Verehrtester Herr! Daß ich Ihnen auf Ihr freundliches Schreiben vom 18ten vorigen Monats erst jetzt antworte, bitte ich dadurch zu entschuldigen, daß es mir wirklich erst vor ungefähr 14 Tagen zukam, eben als ich eine Reise antrat. Wenn nun auch etwas später, danke ich Ihnen ebenso herzlich für die Dedication Ihrer Liederstimmen slavischer Stämme,51 die ich mit wahrem Vergnügen annehme, da ich Proben Ihrer sehr gelungenen Arbeiten bereits kenne, und sie sehr verdienstlich finde. Wenn Sie mir einen Einfluß auf die Dichtung Ihres Geschmackes zuschreiben, so bin ich darüber aufrichtig und besonders darum erfreut, weil ich bisher immer sah, daß es Ihnen um das Rechte und Echte in der Kunst zu thun ist, und daß Sie nicht nach bloßem Beifall ringen - eine Klippe, an der heut zu Tage so viele unsere jüngeren Talente scheitern. Es ist mir leid, daß sich während Ihres Aufenthaltes in Prag keine Annäherung zwischen uns ergab, vielleicht wohl darum, weil ich selbst mich gerne zurückziehe. Sollten Sie wieder in unsere Stadt zurückkehren, so hoffe ich, dieß soll anders werden. Lassen Sie sich nicht durch eine, unter unsern j ungern Literatoren ziemlich allgemeine Scheu vor mir zurückhalten; denn sie ist ungerecht, und wohl nur eben dadurch entstanden, daß mir das Ringen nach dem, was ich nie für das Echte und Rechte halten kann, mißfällt, und daß ich dies stets offen ausspreche. Dagegen kenne ich wirklich keine größere Freude, als die an einem, den rechten und allein selig machenden Weg gehenden Talente, wobei dasselbe freilich einige Resignation beweisen und oft längere Zeit auf Anerkennung verzichten muß. Dafür ist sie aber dann, wenn sie endlich erscheint, wertvoller und dauernder, aber man hat mindestens das erhebende Selbstbewußtsein eines echten Strebens gerettet. Es gibt heut zu Tage gar viele Mittel, bald zu einem Namen zu kommen, allein ich möchte weder einen Namen dieser Art errungen, noch eines jener Mittel angewendet haben. So denke ich, und freue mich, bei Ihnen erkannt zu haben, daß Sie gleicher Gesinnung sind, und eben darum ist mir Ihre Dedication wahrhaft erfreulich. Ich bemerke nur noch, daß ich Sie bitte, bei derselben jede Titulatur zu vermeiden. Indem ich Ihrem Werke den Beifall der Besten und die nötige Verbreitung wünsche, bin ich in der Hoffriung, Sie in der Folge persönlich näher kennen zu lernen, mit aufrichtiger Hochachtung Euer Wohlgeboren ergebenster Prag, den 23. August 1843. K. E. Ebert. Adresse: Seiner Wohlgeboren Herrn Siegfried Kapper, Kandidaten der Medizin, in Wien, Leopoldstadt, große Ankergasse Nr. 27. 17. Brief von Alexander v. Humboldt** Herr Dr. Siegfried Kapper aus Serbien, Friedrichstr. 56. Es wird mir eine große Freude sein, Herrn Dr. Siegfried Kapper zu empfangen und ihm zu danken für seine edlen Bestrebungen um die poetischen Schätze, die ein kräftiger, zu einer großen Zukunft sich entwickelnder Volksstamm besitzt. AI. Humboldt. 414