Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 423)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2644300-2644315--2827-2647173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ich habe bereits bei Gelegenheit der Uiberreichung dieses Buches dem hohen Werthe Worte gegeben, welchen ich auf die andauernde Gunst Euer Wohlgeboren lege, und um Ihre fernere Beteiligung an diesem, ausschließlich einem Kreise der besten Namen vorbehaltenen Jahrbuche, gebeten. Sei es mir nun, da die Redaktion des neuen Jahrganges bald beendigt sein wird, gestattet, diese meine Bitte zu erneuern, indem ich nur noch mir erlaube hinzuzusetzen, daß der Einsendungstermin für die noch zu hoffenden Beiträge bis Ostern d. J. anberaumt sei. Indem ich diesen Anlaß ergreife, Euer Wohlgeboren meine unwandelbare Verehrung auszudrücken, zeichne ich hochachtungsvoll Euer Wohlgeboren sehr ergebener Dr. Siegfried Kapper. 15. Brief an Dr. Ign. Hub*6 Euer Wohlgeboren! Sehr geehrter Herr Doktor! Ihrer freundlichen Aufforderung nachkommend beehre ich mich, Ihnen in der Anlage 1. eine Auswahl aus meinen Gedichten, 2. das Verzeichnis meiner bis nun erschienenen Schriften, 3. eine kurze Skizze meiner Lebenslauf bahn ganz ergebenst zu übermitteln. Zu der Gedichteauswahl habe ich zu bemerken, daß dergleichen für den Autor selbst stets eine ungleich schwierigere Aufgabe sei, als man dies vielleicht voraussetzen sollte. Ganz gewiß ist ihm vieles lieb, was anderen ziemlich unbedeutend erscheint, und unterschätzt er wieder manches, was andere vielleicht bevorzugen würden. Und ebenso gewiß habe ich auch hiervon mich nicht frei zu erhalten vermocht. Zur Entschuldigung dafür, daß die von mir getroffene Auswahl Ihren Erwartungen vielleicht nicht entsprechen sollte, habe ich freüich dann nur vorzubringen , daß ich mich als besseren Poeten ja doch selbst durch eine andere Auswahl nicht hätte geben können, als ich wirklich bin, und höchstens noch, daß ich gewissermaßen an eine genetische Reihenfolge mich gehalten. Sie finden mich aus meiner ersten lyrischen Zeit und so progressiv hinauf bis in die epische vertreten . Verfügen Sie im Weitern ganz nach eigenem besten Ermessen und Belieben. Nicht minder schwer war es mir mit der Lebensskizze und den gewünschten kritischen Daten, zumal ich von letzteren nie etwas gesammelt, nie etwas aufbewahrt habe. Ich habe mich daher an H. Dr. Lichtenstadt, einen gründlichen Kenner unserer Literaturzustände mit der Bitte gewandt, Ihrem Wunsche in dieser Richtung entsprechen zu wollen, und lege Ihnen, was er niedergeschrieben, treulich im Originale bei. Ich habe ihm ausdrücklich zur Bedingung gemacht, allen detaillierten Eingehens in meine Arbeiten sich zu enthalten und sich nur auf das möglichst Wenige zu beschränken, da ich, gottlob, der Unbescheidenheit stets völlig fremd war, mich für wichtiger zu halten als ich es vielleicht in der Rolle des Prager Poetentums scheinen möchte. Die Bemerkung, die er über den slavischen Grundzug der deutschböhmischen Poeten macht, ist neu und hat viel Wahres. Es wäre vielleicht am Platze, sie gelegentlich eingehender auseinanderzusetzen. Doch bin ich durchaus nicht so sehr slavisch, als er es betont! Meine Hauptarbeit ist die epische Dichtung „Fürst Lazar", von der ich Ihnen in Ermangelung eines anderen mein Handexemplar zugleich zu übermitteln mir erlaube. Schenken Sie dem Buche eine Stunde und wollen Sie es gefälligst zur Grundlage der Beurteüung meiner dichterischen Leistungsfähigkeit machen. Ich erkenne Ihr Urteil im Vorhinein als ein gerechtes an und füge mich unter dasselbe unbedingt. Die Kritik hat sich seiner Zeit durch 412