Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 388)
- Language
- German
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Das Buch wirkt keinen Augenblick ermüdend. Es sind nicht nur der lebendige Fluß der Sprache und der interessante Gegenstand, die den Leser anziehen, sondern auch die ironischen Bemerkungen, mit denen der Verfasser seine Erzählungen würzt. Kandlers kunstvolle Stahlstiche erhöhen noch den Wert des Werkes, das sich auch heute noch einer gewissen Beliebtheit erfreut und als nützlicher Behelf für Professoren der Geographie in den Lehrerbibliotheken unserer Mittelschulen vorfindet. VI. Prag Kappers ärztliche Praxis - Umeleckd Beseda - Konflikt mit der Prager Kultusgemeinde - „Die Glockenstürmer von Komotau" - Mitarbeit an tschechischen Zeitschriften - „Zpevy lidu srbskeho" - „Gusle" - „Pfimofske pohddky" - „Knez Lazar" - Kappers Ende Am Anfang des Jahres 1867 übersiedelte Kapper nach Prag. Er wohnte zuerst am Wenzelsplatz 792 (Ecke Wenzelsplatz-Wassergasse), später am Wenzelsplatz 774 (Nr. 6).184 Kaum hatte er sich hier niedergelassen, als er auch schon die Bosheit seiner Kollegen zu fühlen bekam. Er annoncierte in deutschen und tschechischen Zeitungen, daß er eine Heilanstalt für veraltete und vernachlässigte Leiden,#für Hautkrankheiten und geheime Krankheiten unterhalte. In Wirklichkeit handelte es sich um keine „Anstalt", sondern um eine ganz gewöhnliche Ordination. Es war der Reklametrick eines neuen Arztes, der die Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Daraufhin wurde er am 11. Feber 1867 von „mehreren praktischen Ärzten" bei Gericht anonym angezeigt, daß er ohne Erlaubnis eine Heilanstalt erhalte. Das Gericht trat die Anzeige dem Prager Magistrat ab und dieser erklärte nach gepflogenen Nachforschungen, daß sich Kapper keiner unerlaubten Handlung schuldig gemacht habe und legte die Anzeige ad acta.185 Prag war der erste Ort, wo Kapper mit seiner Stellung restlos zufrieden war. Am 2. Juni 1867 schrieb er an Hartmann: „Ich habe mir in rascher Zeit eine Praxis erworben, deren Erfolg alle meine Erwartungen übertrifft. Ich fühle mich auch ganz wohl und heiter und das umsomehr, als meine Praxis, die mich vier Stunden im Tage in Anspruch nimmt, während welcher ich in meiner Wohnung ein klinisches Ambulatorium halte, mir alle andere Zeit für Studium und literarische Arbeiten freiläßt.'4 Kapper trat bald nach seiner Übersiedlung zwei Vereinigungen bei, die den Sammelpunkt der vornehmen Prager tschechischen Gesellschaft bildeten, der „Mestanskd Beseda" und der „Umeleckd Beseda". Diese um- 377