Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 344)
- Language
- German
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Kapper über die Schwierigkeit dieser Arbeit, bei der er nur um der reichen musikalischen Belehrung willen ausgeharrt habe, die ihm in ihrem Verfolge in dem täglichen stundenlangen Verkehre mit Nikolai zuteil wurde. Er schlug dem Komponisten öfters historische Stoffe für seine Kompositionen vor und machte ihn auf den musikalischen Kern aufmerksam, welcher der Erscheinung Falstaffs innewohnt. Kappers Verkehr mit Nikolai spricht für seine musikalische Begabung. Er schrieb auch noch den Text zu den Opern „Virginia" für Wänner in Fünfkirchen und „Philippine Welser" für Josef Netzer51 und schickte an „Ost und West" Konzertberichte aus Wien .52 Für Kappers späteres Schaffen war sein Verkehr mit dem berühmten serbischen Schriftsteller Vuk Stefanovic Karadzic entscheidend. Schon in Prag hatte er sich, durch die Talvjsehe Übersetzung der serbischen Heldengesänge angeregt und durch das Vorbild Jakob Grimms, der sich gründlichen Studien der serbischen Sprache und des serbischen Volksliedes hingab, bestärkt, mit der Sprache, Geschichte und den Sitten der Serben beschäftigt. Von Vuk väterlich aufgenommen und in dessen Hause als Genosse des engeren Freundeskreises verkehrend, lernte er nun den Reichtum des serbischen Volksdichtungsschatzes im ganzen Umfange kennen und machte sich die serbische Sprache in einem Maße zu eigen, daß sie ihm das Verständnis jener Schätze in lebendigster Weise erschloß ,53 Kappers Freundschaft mit der Familie Vuk Karadzics dauerte auch nach dessen Tode54 an. An der Wiener Universität studierten vielfach nationalbewußte Studenten aus Prag und Brünn. Sie verkehrten im slawischen Kaffeehaus IX., Währingerstraße 18 (Ecke Berggasse). Aber auch das von Gerlovic am Bauernmarkt geführte Kaffeehaus wurde von slawischen Studenten, von Tschechen, Kroaten, Serben und Slowenen gerne besucht. Derjenige von ihnen galt als der angenehmste Gesellschafter, der neue, in der Gesellschaft noch unbekannte nationale oder patriotische Lieder brachte. Diese neuen Lieder schrieb sich jedes Mitglied der Gesellschaft ab. Es ist nicht anzunehmen, daß Kapper in einem Kreise, wo das slawische Volkslied gepflegt wurde, fehlte. Dort dürfte er auch mit seinem Landsmann, dem Studenten der Philosophie Wenzel Nebesky, zusammengetroffen sein, mit dem er innige Freundschaft schloß. Dieser Freundschaft entsprang der erste Gedanke des Tschechojudentums. Wenzel Bolemir Nebesky kam im Jahre 1843 als fünfundzwanzigjähriger Mann nach Wien. Er und Karl Sabina waren nach Macha die Hauptvertreter des Byronismus in der tschechischen Literatur. Sie standen, wie bereits erwähnt wurde, den jungböhmischen Dichtern vom Roten Turme, die für Byron, Lenau und das junge Deutschland schwärmten, sehr nahe. Liberale Gesinnung und Eintreten für die Emanzipation 333