Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 336)
- Language
- German
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ERSTER TEIL KAPPERS LEBEN UND WERKE /. Kappers Werdegang Kindheit und Gymnasialstudien. Die beiden philosophischen Jahrgänge und literarische Anfänge. Studium der Medizin in Wien und weiteres literarisches Schaffen. Kapper als Arzt in Karlstadt Die tschechische Intelligenz - sowohl die jüdische wie auch die nichtjüdische - kennt Siegfried Kapper nur als Verfasser der Gedichtsammlung „Ceske listy", als den Bahnbrecher der tschechisch-jüdischen Bewegung. Daß er als tschechischer, aber weit mehr noch als deutscher Schriftsteller ein Werk schuf, das seinerzeit auch von berufener Seite anerkannt wurde, daß seine deutschen Arbeiten in den 50 er und 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen ebenso ehrenvollen Platz innehatten wie seine tschechischen ein Jahrzehnt später, das ist breiteren Kreisen der tschechischen Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Siegfried Kapper2 wurde am 21. März 18203 in Smichov, damals ein Dorf in der unmittelbaren Nähe Prags,4 als Sohn des Glasermeisters Joseph Herrmann Kapper5 geboren. Kappers Vater stammte aus Smichov,6 lebte aber von etwa 1800 bis 1816 im Ausland. Er war zuerst Offizier (?) in der französischen Armee, später (unter dem Namen Fischer) Lehrer an verschiedenen Lehranstalten in der Schweiz.7 In die Heimat zurückgekehrt, wollte er heiraten. Als Zweitgeborenem stand ihm aber nach dem damaligen Familiantengesetz das Heiratsrecht nicht zu. Um es zu erlangen, lernte er als hoher Dreißiger das Glaserhandwerk und brachte es in der königlichen Bergstadt Eule zum Meister. Nun stand seiner Verehelichung nichts mehr im Wege. Er heiratete die Tochter des angesehenen Kaufmanns Rosenball aus Neubydzov.8 Siegfried Kapper war der Älteste von neun Geschwistern. Er erhielt den ersten Unterricht vom Vater selbst. Mit fünf Jahren begann er die Bibel in der Ursprache zu lesen. Der Vater benützte die Schöpfungsgeschichte dazu, um dem Kind die ersten Kenntnisse in der Geographie, Astronomie, Naturgeschichte und Naturlehre zu vermitteln; die Geschichte der Pharaonen gab ihm Veranlassung, den Knaben mit den Elementen der Weltgeschichte vertraut zu machen. Am wichtigsten aber war bei dem väterlichen Unterricht die Erziehung der Kinder zum Denken und zur Korrektheit im Sprechen, wozu sich reichlich Gelegen- 325