Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 103)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2644300-2644315--2507-2646853
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

(1917), S. 45 zu Nr. 1039: „Ljuboschitz in Lithauen"; vgl. dazu die folgende Anmerkung. 210 Lieboschütz, in den Promotionsakten als „Pragensis, gente Judeus" bezeichnet, studierte viereinhalb Jahre von 1768 bis Juni 1772 an der Universität Halle, wo er am 17. und 18. Juni 1772 sein medizinisches Examen bestand; Promotionsgesuch vom 20. Juni 1772, GStA. Berlin Rep. 52, 159 n. 1; Konzessionsreskript vom 24. Juni 1772, daselbst. Die Ermittlung des Titels seiner Dissertation ist nicht gelungen. 211 Ich lasse hier die ihn betreffende Stelle, ausFünn, Kirja-Neemana, § 117b, S. 260 f., der die obigen Angaben, sowie der im Text folgende Ausspruch entstammen , in deutscher Übersetzung folgen; vgl. oben Anm. 144: § 117b. Der bekannte gelehrte Rabbi, der berühmte Arzt, der angesehene Herr R. Jakob, Sohn des R. Scholom ha-Kohen Liboschitz, einer der bedeutendsten Ärzte unserer Gemeinde, als die Universität [ha-Universität] noch blühte, war geboren 501 [1741]. Er studierte an der Universität zu Halle [be-bet midrasch ha-chochmot be-Halle] und erhielt dort den Doktorgrad der Heilkunde. Er kam in die Residenzstadt Petersburg, aber es gelang ihm nicht, sich dort ansässig zu machen. Da kam er auf den Rat des berühmten Gelehrten R. Abraham Gordon (§ 93, 13) nach Wilna, der ihn unterwegs getroffen hatte. Der Arzt, der eine Stätte für seine Niederlassung ausfindig zu machen suchte, gefiel ihm. Der Gelehrte Gordon erwies dem Gelehrten Liboschitz in der ersten Zeit, als er nach Wilna kam, viel Liebe. Er nahm ihn bei sich auf und machte seine Kunst bekannt. Da ließ sich Liboschitz in unserer Gemeinde nieder und wohnte dort bis zu seinem Tode. Die Weisheit dieses Gelehrten wurde bekannt, indem er fast alle Ärzte Wilnas übertraf, welche der Wahrheit die Ehre gaben und ihn besonders verehrten. Ich habe von zuverlässigen Leuten gehört, daß als der berühmte Professor Frank der Erste von Wilna wegzog, da fragten ihn seine Bekannten: „Wem überläßt Du uns, mein Herr, wenn Du von uns wegziehst, und wer soll uns nun helfen?" Da antwortete er: „Gott und der Jude (Deus et Judeus)". Durch seine Kunst erwarb er sich großen Reichtum. Wir finden bei ihm Gelehrsamkeit und Reichtum vereinigt. Abgesehen von der Heilkunst besaß er Kenntnisse in jedem Wissenszweig. Er war ein logisch denkender und scharfsinniger Mann und ein bedeutender Politiker. Der Ruhm seiner Kunst und sein Reichtum verringerten nicht die Liebe zu seinem Volke und zu dessen Weisen. Er nahm teil an sämtlichen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde mit Rat und durch Geld wie alle ihre großen Wohltäter. Er bezeugte Liebe und Verehrung den Großen der Stadt. Er nahm teil am Leid Israels. Aus seiner nächsten Umgebung erzählte man mir, daß ihm, als er alt geworden war und seine Augert geschwächt waren, seine sehr gelehrte Tochter die Geschichte des jüdischen Krieges und der Zerstörung Jerusalems aus den Büchern des Josephus Flavius in den drei Trauerwochen vorgelesen habe. Die Weisheit verleiht langes Leben; er ist 86 Jahre alt geworden. In vollkommener Redlichkeit übergab er vor seinem Tode seine Seele dem Arzt alles Fleisches, am 13. Schewat 587 [1827]. 212 Bei Maos Neuburger, Die ersten an der Wiener medizinischen Fakultät promovierten Ärzte jüdischen Stammes, MGWJ. 62 (1918), S. 221, wird ein Salomon Liboschütz (Lüboschütz) aus Wilna genannt, der am 30. Mai 1799 in Wien promoviert wurde. Es ist vermutlich ein Sohn von Jacob Salomon Lieboschütz. 213 Professor Dr. Johann Peter Frank folgte 1804 von Wilna einem Rufe als kaiserlicher Leibarzt nach Petersburg; über ihn Wurzbach, 4. Bd., S. 320 ff.; Meyer-Steineg und Sudhoff, Geschichte der Medizin im Überblick, S. 352. 214 Ernst Friedländer, Matrikel der Universität Frankfurt an der Oder II. Bd., Leipzig 1888, S. 308; oben Anm. 131 und folgende. 215 Oben S. 21 f., 26. 216 Friedländer IL, S. 369; Kaufmann-Freudenthal, S. 379, Anm. 2; Lewin, Die jüdischen Studenten an der Universität Frankfurt an der Oder, JJLG. 15 (1923), S. 67. Die bei Lewin genannten Gumpel und Gumprecht sind mit der Familie Gumpertz wohl kaum in Verbindung zu bringen. 98

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.