Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 409)
- Language
- German
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wohnen, in Prag hätten sie ihren eigenen Bezirk, auf dem Lande dürfe sieh nur eine genau festgesetzte Zahl von Judenfamilien aufhalten und außerhalb des ihnen gestatteten Familiensitzes sei ihnen der Aufenthalt nur dort gestattet, wo sie ein Branntweinhaus, ein Brauhaus oder eine Maut gepachtet haben.Trotz dieser Beschränkungen, deren Notwendigkeit weiterbestehe, verstünden es aber die Juden, sich der Konskription und den Assentierungen zu entziehen, zögen von Ort zu Ort, verlockten das gemeine Volk zu Geschäften, Tauschhandel und Verschwendung. Nach Aufhebung dieser Wohnbeschränkungen würden sie sich zum Schaden der christlichen Bevölkerung über das ganze Land verbreiten. Hinsichtlich ihres Lebensunterhaltes betonte Karg, die bisher geltenden Einschränkungen seien im ganzen geringfügig: untersagt sei ihnen der Pacht von Schankstätten, Zehnten und Mühlen, der Hände] mit Salniter und Salz, mit Kirchengeräten und Paramenten und die Ausübung des Apothekergewerbes . Der Votant sah unter den gegebenen Verhältnissen keine zwingende Veranlassung, etwas an diesen Vorschriften zu ändern; denn es sei einmal gegen den Charakter der Juden, sich anders zu nähren als durch Handel und Wucher auf Kosten der christlichen Bevölkerung. Hinsichtlich des Grundbesitzes wiederholte auch Karg die Argumente, die wir schon oben vernommen haben: die Juden täten persönlich keine landwirtschaftliche Arbeit und pachteten Ackergründe nur darum, um den Ehekonsens zu erlangen. Schon jetzt seien viele Juden unter fremden Namen Eigentümer mancher Häuser und Bauerngüter — wie wäre es erst, sobald diese gesetzlichen Schranken einmal gefallen wären! Die Juden würden sich binnen fünfzig Jahren in den Besitz der meisten untertänigen Häuser und Feldersetzen, durch Geldleihen, Handel und Schacher, und würden bald Gläubiger des ganzen Dorfes, der ganzen Stadt, denn die ewige Sucht nach Geld und Wucher sei ihnen angeboren. Karg empfahl in dieser Richtung nicht nur keine Zugeständnisse, sondern verlangte im Gegenteil eine Verschärfung der Kontrolle über die Beobachtung der bisherigen Beschränkungen. Auch von der Eheschließungsfreiheit befürchtete der Kreishauptmann eine allzu starke Vermehrung der Judenschaft zum Nachteil der Christen und ließ diesbezüglich nur gewisse Ausnahmen bei hervorragenden Juden zu. Schließlich suchte er zu zeigen, daß auch in Sachsen und Preußen die Juden bisher die Staatsbürgerschaft nicht besäßen und daß hiezu auch in Österreich die Zeit noch nicht gekommen sei. Der Prager Bürgermeister Sporschil entledigte sich der gestellten Aufgabe am allerbündigsten. Unter Hinweis darauf, daß die Regierung schon jetzt die Verdienste hervorragender Juden durch besondere Gnadenerweise belohne, betonte er, daß eine völlige Gleichstellung der Juden gegen das Landrecht und die Stadtrechte verstoßen würde und 414 102