Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 262

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 262)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644317--2230-2646575
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gottesdienst (ein Minjan) hielten, bei dem auch eine Thorarolle verwendet wurde.77 Daß den Judenkindern die Beteiligung mit Stipendien aus den Unterrichtsgeldern gewährt wurde, ist schon erwähnt worden (s. o. S. 261). In Prag wurde schon am 2. Mai die jüdische deutsche Schule feierlich eröffnet. Unmittelbar nach dem Einlangen des Hofdekretes in Prag war der Schulenoberdirektor Probst Kindermann - in Wieners Buch und in den Akten wird er immer mit seinem Adelstitel „von Schulstein" bezeichnet - im Auftrage der damaligen k. k. Schulkommission mit den Vorstehern der Judenschaft zu einer Beratung zusammen getreten, die die nötigen Beschlüsse faßte. Ohne daß man noch wußte, wie die Kosten zu decken seien, wurde der Bau des Schulhauses begonnen und mit Hilfe eines namhaften Vorschusses, „den ein großmütiger Menschenfreund" unter den Hebräern tat, - es war, wie erwähnt, Lazar Grünhut - vollendet. Um Lehrer zu beschaffen, wurden „meistens die hierorts befindlichen Hausinformatoren zur Einholung des vorschriftsmäßigen Unterrichts in die ... Kleinseitner Hauptnormalschule abgeschickt, die Lehrstunden wurden festgesetzt und zwar für den Sommer täglich außer Freitag und Samstag von 10-12 Uhr vormittags und 5-7 Uhr abends, für den Winter von 5-7 Uhr abends. Die übrige Tageszeit wurde für den Unterricht in der Religionswissenschaft und für den Gottesdienst freigelassen. Die Schule war vierklassig; die Kinder sollten mit dem zehnten Jahre in die Schule eintreten 78 und sie nicht eher verlassen, als bis sie das Vorgeschriebene im Lesen, Schreiben, Rechnen und in der Moral erlernt hätten. Probst Kindermann nahm sich die Mühe, das Lesebuch für die Bedürfnisse der jüdischen Schüler umzuarbeiten, und jeder Bogen wurde dem Oberrabbiner vorgelesen und erst, wenn dieser ihn unterfertigt hatte, endgültig gedruckt, so daß jeder Anstoß vermieden wurde. Die Gehalte der Lehrer und Bediensteten wurden festgesetzt; um auch die wirkliche Auszahlung zu ermöglichen, mußte zunächst wieder „der tätige Schulfreund44 durch den Vorschuß einer bedeutenden Geldsumme helfen. - Zwei jüdische Schulaufseher wurden ernannt, „um über Zucht, Reinlichkeit, Ordnung und Befolgung der landesfürstlichen Verordnungen ein scharfes Auge zu führen". Der Tag der Schuleröffnung war ein Festtag für die Gemeinde. Schon beim Morgengottesdienste wurden in den Hauptbetschulen Lobgesänge und Psalmen gesungen, das Gebet für die glückliche Regierung des Monarchen verrichtet. Der eigentliche Festgottesdienst fand um neun Uhr in der sogenannten Mäuselbethschule" - gemeint ist die Meiselsynagoge ~ statt, bei dem ein von dem Oberrabbiner Ezechiel Landau verfaßtes - selbstverständlich - hebräisches Gebet in Versen von den berühmten jüdischen Vokalisten aus Manheim abgesungen wurde und ein langes Gebet für den Kaiser gesprochen wurde.79 Von der Synagoge ging der Zug in das 37 267

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.