Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 134)
- Language
- German
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Beiträge zur Geschichte der Jitschiner Juden im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert Von Josef Jircdk, deutsch von Dr. Anton Blaschka Der Geschichte der Jitschiner Juden hat bisher einzig und allein der verstorbene Ferdinand Mencik seine Aufmerksamkeit zugewandt. In den „Dejiny mesta Jicina"1 hat er eine knappe Schilderung ihres Lebens von der ältesten Zeit bis zum Ausgang des sechzehnten Jahrhundertes geboten. Menciks Werk blieb jedoch unvollendet und seitdem hat sich niemand mit der Geschichte der Jitschiner Juden befaßt. Die vorliegende Studie soll in gewissem Sinne eine Fortsetzung der Mencikschen Arbeit sein und will versuchen, das Leben der Juden in Jitschin im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert zu erfassen. Das Bild, nach Nachrichten aus dem Jitschiner Stadtarchiv gezeichnet, zeigt freilich zahlreiche Lücken. Von den Stadtbüchern und Amtsakten der Stadt Jitschin hat sich nämlich nur ein verschwindend kleiner Bruchteil erhalten, denn in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde ein Großteil der Bücher und Akten in die Stampfe verkauft... ★ Die alten Streitigkeiten zwischen der Stadt Jitschin und den dortigen Juden entbrannten zu Beginn des siebzehnten Jahrhundertes neuerlich mit ungewohnter Heftigkeit. Die Ratsprotokolle aus jener Zeit2 wimmeln von Beschwerden gegen die Juden, namentlich seitens der Zünfte; man warf ihnen unlauteren Handel und große Schädigung der Bürger vor. Diese Beschwerden wurden größtenteils damit begründet, daß es die Juden bei ihrem Handel und Wandel an Ehrlichkeit fehlen lassen und die christlichen Sonn- und Feiertage nicht feiern; der tiefere Grund dieses Unwillens war aber sicherlich in dem Konkurrenzneid gegen die regsamere, unternehmungslustigere und handelstüchtigere Judenschaft zu suchen. Als im Dreißigjährigen Kriege die Stadt Jitschin die Kontribution für die Schweden und für die Kaiserlichen kaum erschwingen konnte, unternahm es der Jitschiner Magistrat, die Juden zu einem hohen Kontributionsbeitrag heranzuziehen. Die Stadt forderte von den Juden, die in Jitschin fünf Häuser zu eigen hatten, von jedem Hause wöchentlich 8 fl. Kontribution. Dieses Ansinnen wurde jedoch mittels Briefes vom 23. März 1634 abgelehnt,3 1 137